Nach Skandal um »Lovemobil« Dokumentarfilmer verpflichten sich zu Glaubwürdigkeit

Nach der Affäre um die Prostitutions-Doku »Lovemobil« versprechen Filmemacher Transparenz. An der Nominierung eines anderen, kritisierten Films hält das Grimme-Institut ausdrücklich fest.
Will glaubwürdige Dokumentarfilme: Der mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnete Autor und Filmemacher Stephan Lamby

Will glaubwürdige Dokumentarfilme: Der mit einer Goldenen Kamera ausgezeichnete Autor und Filmemacher Stephan Lamby

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Eventpress / imago images

Zahlreiche Menschen aus der Filmbranche haben eine Onlinekampagne unterzeichnet, die sich für Transparenz und Ehrlichkeit im Dokumentarfilm einsetzt. Zu den Unterzeichnenden gehören bekannte und preisgekrönte Filmemacherinnen und Filmemacher wie Stephan Lamby (»Nervöse Republik«), Thomas Frickel, Monika Treut (»Ghosted«) und Mo Asumang.

Die Kampagne wurde von der Filmemacherin Sandra Trostel und der Produzentin Susanne Stenner ins Leben gerufen. Sie fordern : »Machen wir nachvollziehbar, was uns in unserer Arbeit motiviert und bewegt.« Und weiter: »Im Sinne der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit empfinden wir es als selbstverständlich, Inszenierungen von Spielszenen sowie fiktionale Elemente oder auch den Einsatz von Darsteller:innen für unsere Zuschauer:innen transparent und kenntlich zu machen.«

Die Kampagne erfolgt zu einer Zeit, in der Dokumentarfilme in der Öffentlichkeit nicht gut dastehen. Im Zentrum der jüngsten Diskussionen steht die vom NDR mitproduzierte Dokumentation »Lovemobil«. Für den Film über Sexarbeiterinnen in Niedersachsen stellte die Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss einige Szenen nach oder inszenierte sie, ohne das kenntlich zu machen. Das Grimme-Institut zog nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Nominierung von »Lovemobil« für den Grimme-Preis zurück.

Bei einer anderen Doku bleibt das Institut allerdings bei seiner Nominierung. Es handelt sich um den Film »Die Unbeugsamen«, der sich mit der Pressefreiheit auf den Philippinen beschäftigt. In einem Artikel  der Wochenzeitung »Die Zeit« war diese Woche unter anderem zu lesen, der Regisseur des Films, Marc Wiese, habe ein im Film gezeigtes Interview mit einem Auftragsmörder nicht selbst geführt, obwohl er das behaupte. Wiese geht mittlerweile juristisch gegen die »Zeit« vor.

Die Grimme-Direktorin Frauke Gerlach sagt: »Wir sehen aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse gegenwärtig keinen Anlass, die Nominierung zu entziehen.«

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