Missbrauchsvorwürfe Trump unterstützt Talkmaster O'Reilly

Weil er "ein feiner Kerl" ist: Donald Trump hat seinen Freund, den US-Talkmaster Bill O'Reilly, gegen Vorwürfe in Schutz genommen, er habe Frauen belästigt. Das Medienecho in den USA ist verheerend.

Bill O'Reilly
Getty Images

Bill O'Reilly


Donald Trump und der rechtslastige Talkshow-Host Bill O'Reilly sind seit vielen Jahren befreundet. Beide griffen sich immer wieder unter die Arme: Trump war regelmäßig Gast in O'Reillys Sendung beim Fernsehkanal Fox News, der unterstützte seinen Kumpel nach Kräften bei seiner Präsidentschaftskandidatur. Jetzt haben die beiden noch eine Sache gemeinsam: Ihnen wird vorgeworfen, Frauen belästigt zu haben.

Oder, genauer: Trump hat damit angegeben und wurde trotzdem zum Präsidenten gewählt. Also erscheint es nur passend, dass er Bill O'Reilly gegen den Verdacht in Schutz nimmt, er habe in den letzten Jahren mindestens fünf Frauen sexuell belästigt und ihnen mit der Unterstützung seines Arbeitgebers an die 13 Millionen Dollar Schweigegeld gezahlt, damit sie nicht in die Öffentlichkeit gingen.

Der "New York Times" sagte Trump am Mittwoch: "Ich denke nicht, dass Bill irgendetwas Falsches getan hat." Er kenne ihn gut, O'Reilly sei "ein guter Mensch". Und: "Ich persönlich finde, er hätte nicht eine außergerichtliche Einigung suchen sollen. Er hätte das bis zu Ende durchkämpfen sollen."

Wie die "New York Times" irritiert schreibt, sei es ein merkwürdiger Vorgang, wenn der amtierende Präsident sich in einen Fall von sexueller Belästigung einmische, zumal wenn die Hintergründe noch so unklar seien wie in O'Reillys Fall. Noch dazu sind die Verbindungen zwischen Trump und Fox News laut der Zeitung sehr eng: Der Präsident gibt seinen Twitter-Followern Programmtipps für Sendungen, die auf dem Kanal laufen, dessen Moderatoren loben ihn und seine Politik im Gegenzug über den grünen Klee.

CNN.com schreibt zu dem Fall: "Donald Trump verteidigt sexuelle Belästigung - immer. Er glaubt, Männer könnten tun, was sie wollen." Dies sei der Mann, der gerade erst verkündet habe, der April sei der Monat, um das Bewusstsein für das Problem sexueller Belästigung zu steigern. "Verletzliche Gruppen" müssten besser geschützt werden. "So steigert man also das Bewusstsein", so die Kommentatorin.

Für "Variety" hat sich nach Trumps Wahl das kulturelle Klima in den USA verändert: "Das Amerika, das auf der anderen Seite der Wahl herauskam, ist nicht das selbe wie zuvor. Sein kollektiver moralischer Kompass wurde neu kalibriert." Wenn ein Präsidentschaftskandidat alle Vorwürfe wegen sexueller Belästigung wie mit Teflon beschichtet abwehren könne, sei die Berechnung bei Fox News, O'Reilly werde das ebenfalls schon durchstehen.

Noch vor der Wahl, so "Variety", habe Fox-Chef Roger Ailes wegen ähnlicher Vorwürfe gehen müssen. "Unter Trump aber wird das Undenkbare das neue Normale. (...) Die Spielregeln sind neu, und Fox News spielt nach ihnen."

kae

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