Drehbuchskandal NDR entlässt Heinze fristlos

Unrühmliches Ende einer Senderkarriere: Der NDR zieht drastische Konsequenzen und entlässt Fernsehspielchefin Doris Heinze fristlos. Mögliche Schadensersatzforderungen werden noch überprüft, die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen Betrugsverdachts.
Ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Heinze: Vor die Tür gesetzt

Ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Heinze: Vor die Tür gesetzt

Foto: NDR

Hamburg - Dramaturgische Wende in einem nach biederer Bürokratenposse schmeckenden Skandal: Der NDR hat Fernsehspielchefin Doris Heinze entlassen. Der Sender hatte zunächst die Stellungnahme des Personalrats abgewartet, der keine Einwände gegen die außerordentliche fristlose Kündigung erhoben hat, erklärte der Sprecher des Senders, Martin Gartzke, am Mittwoch. Die Kündigung sei zugestellt worden und somit wirksam.

Der NDR hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Heinze erklärt, dass er auch Schadensersatzforderungen prüfe. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen Heinze.

Diese hatte zugegeben, dem Arbeitgeber verheimlicht zu haben, dass sie unter dem Pseudonym Marie Funder zwei Drehbücher und ein Treatment für den "Tatort" verfasste. Das Autorenhonorar dafür zahlte der NDR an externe Produktionsfirmen.

Für den Sender bedeutet das einen größeren finanzieller Schaden: Die 60-Jährige hätte nur die Hälfte an Geld bekommen, wenn sie korrekt abgerechnet hätte. Heinze hatte außerdem eingeräumt, dass sie ihrem Mann Claus Strobel als Drehbuchautor Vorteile verschafft habe. Er soll unter dem Pseudonym Niklas Becker fünf Drehbücher verfasst haben.

rox/AP