Dschungelcamp, Tag 13 Schmeichler, Heuchler, Grinsemeuchler

Honey ist längst raus, doch noch ziehen sich seine klebrigen Fäden durch den Dschungeltag: Bei einer Prüfung in seinem Gedenken bekleckern sich die Camper mit allerlei, aber nicht mit Ruhm.

RTL

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"G?", "O?", "K?", "C?"

Mit geschlossenen Augen wäre man sich todsicher gewesen: Hier hören wir eine Gruppe stark sehbeeinträchtigter, dieses Handicap aber halsstarrig leugnender Problempatienten, die versuchen, sich beim Augenarzt wild ratend durch die Buchstabentafel zu schlawinern. Mit offenen Augen waren es dann aber doch nur unsere altbekannten Schräglagen-Camper bei einer buchstabier-zentrierten Dschungelprüfung, die Begriffe wie "Arachnophobie", "Teppichpython" und "Accessoire" zielsicher spätestens beim vierten Buchstaben versenkten.

Es war dieselbe Prüfung, die Honey vor zwei Tagen unter dem Vorwand der halsseitigen Strangulationsgefahr abgelehnt hatte. Womöglich, muss man ihm der Rückschau zugute halten, war das ein Manöver aus der unterschätzten Kategorie "Dumm, aber schlau": Eventuell wollte der geckige Grinser lieber als simulierender Würgebürger in die Dschungelgeschichte eingehen denn als buchstabenmäßig Beeinträchtigter. So musste in der Prüfungswiederholung nun also Icke den kürzesten Fußballerwitz aller Zeiten erzählen:

Moderatoren: "Buchstabiere: Fäkalsprache!"

Icke: "V."

Kader hatte ihre Campgenossen schon vor der sternelos beendeten Prüfung vor den Gefahren übertriebener Denksportaufgaben gewarnt: "Wisst ihr, was das Schlimmste an einem Quiz ist? Man weiß nie, welche Fragen kommen!". So könnte man zum Beispiel gefragt werden: "Welche Länder verbindet Deutschland und Europa?". Wenn es sich irgendwie einrichten lässt: Könnte man bitte noch eine Dschungelprüfung ins Repertoire aufnehmen, bei der Kader die Weltkarte zeichnen muss? Oder, meinetwegen, die Länderumrisse aus Maden und Mehlwürmern formen?

Wobei man freilich aufpassen muss, die Tierwelt nicht komplett gegen sich aufzubringen. Marc identifiziert im Camp einen besonders bedrohlichen Fauna-Vertreter: "It's a big Spinne. Ein fucking Riesigspider an sein Beine." "Sein" ist in diesem Falle Hanka, die in der Spinnenbegegung schon die Rache der belebten, von ihr am Vortag teilverzehrten Natur wittert: "Vorhin hat mich schon eine Motte attackiert! Gleich kommen noch Penisse und Arschloch!" Darauf Kader, inzwischen unverzichtbare Aphoristikerin: "Arschloch brauchen wir nicht mehr, Arschloch haben wir schon."

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Dschungelcamp Tag 13: "Ein fucking Riesenspider!"

An wen sie dabei genau denkt, ist unklar. Honey jedenfalls kann es nicht mehr sein, denn der setzt sein öliges Tagwerk nun ja außerhalb des Camps fort, wo er beispielsweise den Zuschauern dankt, die für ihn angerufen haben: "Wir sehen uns bestimmt irgendwann mal draußen, quatschen einfach oder machen Selfies." Will Honey nach seiner Rückkehr wirklich für Schnappschüsse mit Grins und Kunz die Zähnchen zeigen? Nutzt sich da nicht irgendwann der Schmelz ab, verwitterungsbedingt, wenn die Beißer zu lange den Gezeiten und der rauen Witterung ausgesetzt werden? Vor dem Bad in der Menge droht Honey beim Einmarsch ins Hotel Versace noch eine kalte Dusche von Gina-Lisa, die ihn - aufgestachelt durch die Berichte Dritter - zur Rede stellen will.

Was dann folgt, ist so etwas wie ein Blitzrevival der beliebten Strauchdiebsendung "Vorsicht Falle" im Gina-Lisa-Spezial. Statt "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" bietet sich dafür allerdings die Unterzeile "Schmeichler, Heuchler, Grinsemeuchler" an. Es schmerzt einen beim Zusehen in jeder wachen, kritikbegabten Denkzelle, wenn Gina-Lisa also ein Verhör mit Honey führt, das Pontius Pilatus vor Neid erblassen ließe. Ihre Fragen hat sie auf einem knittrigem Zettel notiert: "War es von Anfang an dein Plan, eines der Models rauszupicken, um präsenter zu sein?", liest sie vor, und wer da "Ja, klar!" sagt, kreuzt auf dem Einreisefragebogen bei USA-Reisen auch an, dass er natürlich plant, die Staaten gleich nach Ankunft in Schutt und Asche zu legen. "Ich finde dich wirklich ein ganz supertoller Typ", maunzt Gina-Lisa zum Abschied und zerreißt den Fragezettel. Man würde die Schnipsel gerne vor Wut auffressen.

Von Freipinklern und Orchideenwiesen

Im Camp passiert derweil nicht viel Aufregendes. Icke, der tags zuvor schon vom Wutkoten fantasierte, erleichtert sich irgendwo im Gebüsch. "Acht Millionen sehen mich heute Abend pissen", kommentiert er sein Wildurinat. Hanka springt ihm direkt bei: "Ich bin ja begeisterte Freiluftpinklerin!" Dabei habe sie schon viel von der Natur gesehen, zum Beispiel schöne Orchideenwiesen! Vielleicht wäre das ein schönes zweites Standbein für sie, nach dem Dschungel: Organisierte Abschlagsreisen in die schönsten Naturschutzgebiete Deutschlands, die mittelstrahlmäßig ja noch kaum erschlossen sind.

Dann gibt es noch eine Schatzsuche, bei der sich Florian und Jenser als bedingt helle Brüter erweisen. In Straußenkostümen müssen sie monströse Eier in ein Nest bugsieren, die mit straff gespannten Gummiseilen an Bäumen fixiert sind. Der Jenser ist so mittelmotiviert und lässt die mühsam herangeschleppten Eier immer wieder zurück flitschen. Florian greift zum letzten Motivationsmittel: "Denk an deine Kinder!" "Schatz, ich liebe dich!", ächzt der Jenser schließlich einen schwerstromantischen Liebesgruß an seine Frau, während sich der stark befederte Florian mit letztem Mut auf ihn wirft. Echte Leidenschaft, mit Betonung auf der ersten Worthälfte.

Der meinungsstärkste Auftritt des Tages gebührt schließlich Kader, die zum Kadi mutiert. Im Dschungeltelefon sitzt sie über Hanka zu Gericht: "Nicht der Dschungel ist die Herausforderung, Hanka ist die Herausforderung. Wir sind alle bestraft mit ihr. Sie muss immer im Mittelpunkt stehen, und wir sind nur ihre Statisten. Hanka, die Große! Hanka, die Göttin! Hanka, die Königin des Dschungels!" Bevor man ihr allerdings schnödes Konkurrenzdenken unterstellt, erklärt Kader, selbst gar keine Ambitionen auf den Königstitel zu haben: "Hallo? Die Krone ist nicht mal echt. Das sind ein paar Blätter, die hier auf den Bäumen wachsen."

Das Camp verlassen muss schließlich der Jenser. Eine Erleichterung, denn seine permanente "Ich bin nur ein armer Trottel, seht, wie ich für euch tanze!"-Masche nervte am Ende ungemein. Er kann sich seine Sahnetorten nun wieder in seinem gewohnten Bühnenbild auf Mallorca selbst ins Gesicht klatschen.



insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
vincent1958 26.01.2017
1. Wo,um Himmels Willen..
..war Ginas Manager beim peinlichen Verhör?Der hätte dem üblen Treiben ein Ende gesetzt ..oder zumindest den Managervertrag gekündigt. p.s. also bei "dekolette"hatte ich auch Schwierigkeiten.Man guckt halt mehr,als dass man es buchstabiert:-)
henrich.wilckens 26.01.2017
2. Queen Kader
Nach Tag Nr. 13 schält sich heraus: Alles im Lot im DC: Kader muß die Krone bekommen - gegen ihre erklärte Absicht
fiftysomething 26.01.2017
3. Anja!
Ganz große Kunst! Wer Trash so beschreibt, ist tief im Herzen Menschenfreund. Auch wenn es nur ein paar Blätter sind, die Krone gebührt nur dir....
Proserpin_de_grace 26.01.2017
4. Dekolette
Zitat von vincent1958..war Ginas Manager beim peinlichen Verhör?Der hätte dem üblen Treiben ein Ende gesetzt ..oder zumindest den Managervertrag gekündigt. p.s. also bei "dekolette"hatte ich auch Schwierigkeiten.Man guckt halt mehr,als dass man es buchstabiert:-)
Eine Dekolette ist eine professionelle Garniteuse. Da gibt es in den Auslagen immer was zu sehen.
fiftysomething 26.01.2017
5. Die besten Momente
gestern, als Gina Lisa die, mutmaßlich von ihrem Manager, formulierten Fragen abliest.... Das sie sich wegen einer anderen Geschichte so böse in ihrem Verfahren verstrickt hat, ist nach diesem "wir müssen reden" , für mich plausibler geworden. Die ist ja noch gefährdeter als Hanka, unter die Räder zu kommen. Ganz bittere Nummer. Kader und Marc machen das Rennen unter sich aus. Marc hätte es verdient, Kader kriegt die Krone, weil sie vorgeblich die Wahrheit spricht.
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