Dschungelcamp, Tag 13 "Ach, der wollte mich bestrafen?"

Die beiden Alphamännchen im Camp feiern sich selbst. Yotta übt sich im Anglistik-Unterricht, denn: "Whatever takes, we do it!" Evelyn wagt den Solo-Klogang - und ruft Teamchef CWM auf den Plan.

RTL

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Wo ist eigentlich Julian Assange, wenn man ihn mal wirklich braucht? Ein Leak der "Campregeln", das wäre doch mal was. Frei verfügbar, ohne Bezahlschranke. Oder ist das schon publik? Vielleicht als PDF zum Download? Werden dazu bereits juristische Proseminare gehalten?

Die Sache ist nämlich die, dass im Leben bisweilen Ereignisse so geisterhaft an uns vorbeirauschen, dass sie im Grunde gar nicht stattgefunden haben. Schschsch… und weg. Als wäre nichts passiert. Ein Gefühl also wie in der - räusper, Stühlerücken, mit-der-Gabel-ans-Glas-schlagen - 200. Sendung von, und das sei zu diesem festlichen Anlass noch mal ausformuliert, "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!".

Höhepunkt, aber dazu gleich mehr, war daher eine Verlesung der Campregeln durch Evelyn.

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Fotostrecke: So lief Tag 13 im Camp

Zuvor ist schon "etwas" passiert. So konferierten die beiden Alphamännchen, wer wohl welche Chancen auf den Titel hat. Orloff? Currychris, der Wurstmann, sieht die Sache wie ein Profi: Nein, das Orloffsche Gefolge, also "das Publikum in seinem Alter", das gucke diese Sendung nicht.

Fakt ist, dass sich die Alphamännchen beide für potenzielle Dschungelkönige halten, wenngleich Yotta die Sache weinerlich, der CWM hingegen offensiv erklärt: "Ich habe hier keine Konkurrenz." Yotta allen Ernstes: "Aber es ist ein starkes Feld an Charakteren."

Raus ist bekanntlich Leila Lowfire, von der sich der Yottamann mehr versprochen hat. "Ich hätte Bock gehabt", trägt der Muskelcoach sein Herz auf der Zunge, "mal über Sex zu reden". So würde ihn "mal interessieren: Wo ist der G-Punkt der Frau?" Ja, wo isser denn?

Eine Prüfung, keine Sterne

In der Prüfung gibt's nicht etwa den frittierten G-Punkt eines Gürteltiers, sondern eine komplizierte Tunnelgeschichte, Marke "Tet-Offensive 1968". Diese hingetupfte Vietnam-Metapher wird später noch mal aufgegriffen. Also, um mit Yotta zu sprechen: "Merken! Fokussieren! Konzentrieren!"

Es absolvieren die Prüfung also Evelyn und Yotta, der wieder kräftig motiviert: "Whatever takes, we do it!", und dann, zu Evelyn gewandt: "Das heißt: Was immer es braucht, wir werden es machen!" Den freundlichen Unterricht in Anglistik unterbricht er später nicht einmal im Tunnel.

"Ich höre dich schon", ruft er der sich durch allerlei Getier geräuschvoll heranrobbenden Partnerin zu: "Du bist closer. Also näher!" Sterne gibt es indes keine. Yotta: "Ich fühle mich alles andere als Superman, aber Superman wäre ready gewesen, das zu rocken."

Die Tragik der Geschlechterverhältnisse lag auch heute wieder darin, dass es kein interesseloses Wohlgefallen gibt zwischen Mann und Frau. Eher Neid. Evelyn ist offenbar sehr lange im "Interview" und produziert sich mit ihrer ausgefeilten Kurventechnik. Was Yotta motiviert, von Doreen den Badeanzug zu erbitten, er wolle "auch mal auffallen". Doreen: "Wenn deine Bullenklöten da reinpassen..." Yotta: "Bei dem kalten Duschwasser: ja."

Als Evelyn auf dem Weg zurück vom Interview allein (!) aufs Klo (!!) geht (!!!), ist im Lager der Teufel los. Soloklogang ist kein indonesischer Badeort, sondern ein klarer Regelbruch. Und der CWM ist soeben Teamchef geworden. Als solcher beschimpft er nicht nur Klagende ("Jetzt hör' die Motzerei auf und hau ihr auf die Fresse!"). Er greift durch.

Sofort weht ein Hauch von "Apocalypse Now" durchs Camp, während der eh schon cholerische Currykamerad sich blitzartig in Colonel Kurtz ("The horror, the horror") verwandelt. Oder halt in einen Führer, der mal andere Saiten aufzieht: "Wir müssen das jetzt personifizieren! Das ist jetzt nicht das Harmoniecamp, sondern das Camp, wo Leute Meinungen haben!"

Orloff versucht noch zu bremsen, aber sein christlich grundierter Humanismus ("Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein") kommt sofort unter die Räder. Verdutzt erkundigt sich der Greis, die Stimmung korrekt einschätzend: "Ist das jetzt ein Scherbengericht?" - "Ja. Isses."

"Ach, der wollte mich bestrafen?"

Zur Strafe wird Evelyn von den übrigen Stars gepfählt, bevor ihr die Haut in Streifen... nein, Quatsch. Sie muss die Campregeln vorlesen. Alle. Und den letzten Satz, den muss sie drei Mal wiederholen. Damit sie's lernt, aber auch als Demütigung.

Leider ist die Lesung bearbeitet und nur gerafft gezeigt worden, mit schnellen Schnitten auf irgendwelche ausdruckslosen, notdürftig mit dramatischer Musik überschminkte Gesichter. Dabei hätte das, rein juristisch, wirklich interessant sein können. Der Curryführer jedenfalls ist zufrieden und dampft ab, vermutlich in seine Curryreichskanzlei.

Unterdessen spendet das Volk der Bestraften milden Trost. Evelyn, aufrichtig verwundert: "Ach, der wollte mich bestrafen?"

Hinaus, hinweg, hinfort ist übrigens Doreen. Hat gar nicht geweint.



insgesamt 54 Beiträge
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Yuuen 24.01.2019
1. We Will Do
Der zweigesichtige und junge Frauen als nicht ebenbürtig sehende (egal ob Evelyn oder Gisela) Yotta (anders als Chris, der tatsächlich einfach er selbst ist), sagte nicht "We do it" (das sagte Evelyn), sondern noch dümmer gar: "We will do". Just sayin'. :)
dasfred 24.01.2019
2. Ganz große Oper
Ich habe eben das Libretto parallel zur aufgezeichneten Inszenierung gelesen. Der Text ist noch besser als der Film. Wobei, heute war die Prüfung recht kurzweilig. Evelyn hat schließlich die perfekte Geräuschkulisse geschaffen. Außerdem haben wir dieses Jahr endlich wieder Camper, die den Sinn der Veranstaltung begriffen haben. Harmonie ist nicht gut für die eigene Instagram Quote. Hier muss sich jeder selbst profilieren.
durstiger_dorsch 24.01.2019
3. Die Zusammenfassung
der gestrigen Sendung hat mir gefallen - genau meine Meinung. Gut gelaunt in den Tag, vielen Dank.
e_pericoloso_sporgersi 24.01.2019
4. Marianne Rosenberg (minimal editiert):
Doreen... eine von uns beiden muss nun gehn, / Doreen... drum bitt' ich dich, geh du, Doreen. / Dein Haar glänzt wie ein Sternenzelt, / Dein Mund ist die Versuchung selbst, aha.
retterdernation 24.01.2019
5. Jesus, Maria, Christus und die Voyeure
was ein Festival für das Team Evelyn war das denn - Oh mein Gott - die halbe deutsche Männerwelt beamte sich förmlich in den TV-Bildschirm, als unsere Scarlett Johansson sich durch den Tunnel der Geheimnisse kämpft und an einen Teaser für Avengers4 erinnert. Die Prinzessin rettet den (edlen??) Ritter und das Unterbewusstsein der Jungs am Bildschirm kollabiert. Was ein Traum ist das denn: keucht das Ich, während das ÜberIch sämtliche Maßnahmen in the Body einleitet, um das Schlimmste, also den Zustand der Ergebenheit, zu verhindern. Wenn da die Sache mit dem Es - dieser sogenannten Triebfeder, die in uns schlummert - nicht wär. An dieser Stelle kommt die Frage auf, geht das Frauen ähnlich, wenn sie so richtige Tarzanbodys wie die Yotta sehen. Oder legen Frauen ausschließlich, eher den besonderen Wert auf den Charakter (und Geld :-)). So what - Jesus, Maria und Christus brachte alle Dämme zum Einsturz. Und in Köpfen läuteten die Hochzeitsglocken im ganzen Land, Ding, Dong, Ding, Dong ... was ein Traum, irgendwie, nicht wirklich bewusst und doch so nah. Die bezaubernde NRW - Gini - mit ihrer so positiven Energie und Stimmung. Wären doch alle Frauen so - vibriert es in den Köpfen. Da saß man nun da, überwältigt von den inneren Glücksgefühlen und das Ding, Dong der Hochzeitsglocken wurde lauter und lauter. Es ist dieses sanfte Lächeln - was Männern - in solch Art von Momenten - im Gesicht steht. Sichtlich irritiert waren dann auch viele der Lebensabschnittspartnerinnen - gehts Dir gut Schatz ... mit einem kurzen nicken wurde diese Frage meist beantwortet. Man will sich ja nicht stören lassen. This is a Man's World, rief im ganzen Land das ICH in den Köpfen und das Glück schien perfekt, bis Doreen zeigte, wo der eigentliche Hammer bei den Frauen hängt! REALITÄT aus dem Nichts und aus dem Hintergrund ertönte ein tausendfaches: Schatz - geht es Dir wirklich gut, Du siehst auf einmal so komisch aus, alles ok ?? Jesus, Maria, Christus und die Voyeure :-)).
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