Dschungelcamp, Tag 14 Tut es für Frau, Kind und Instagram!

Auf den letzten Camp-Metern wackelt auch Moralgigant Peter: Sein ewiger Lächelzwang nervt kolossal. Und falls der Wurstmann tatsächlich das Camp abfackeln möchte: Würden wir es wirklich löschen wollen?

RTL/ Stefan Menne

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Brutus-Move des Tages: Es ist niederschmetternd, aber man muss ja trotzdem sagen, was ist: Womöglich hat auch Peter - der vermeintlich so verständige Feixtänzer des Camps, dieser kleine Grins, den man sich längst als echt okayen Dschungelkönig-Anwärter ausgeguckt hatte - inzwischen einen ausgemachten Lachschaden. "Lass dich mal fallen und sei mal Doreen", bescheidet er seiner umständehalber und nachvollziehbarerweise etwas angegurkten Mitcamperin. "Ich BIN Doreen. Aber ich bin kein kleines Mädchen", verteidigt die ihr Menschenrecht auf Grämlichkeit. Aber Peters Schmunzeldiktat kennt kein Pardon: "Sei doch mal das kleine Mädchen", verlangt er, und schiebt dann leider einen der ärgsten Trottelsätze aus dem Vokabular jener Männer nach, die Frauen gerne zu dauerfreundlichen Golden Retrievern umkonditionieren würden: "Lächle doch mal. Du könntest mehr lächeln!"

Der Dolchstoß sitzt: Auch du, Peter? Doreen sei "völlig verkrampft", sagt er dann noch ausgerechnet zum Krampfmaster CWM. "So verbissen die ganze Zeit. Wir sind immer nur nett", steigt der gleich mit ein. "Ja, immer nett", sagt Peter. Möglicherweise ist er trotzdem immer noch die beste Wahl für den Campregenten. Aber wenn er gekrönt wird, stehen wir alle Bitchface-Spalier.

Zaubertrick des Tages: "Ich bin der neue Kevin Copperfield!", verkündet Evelyn (die zweite ernst zu nehmende Kronenanwärterin), nachdem sie sich in eine Kiste gesetzt und diese dann wieder verlassen hatte. Und schöpft damit vielleicht die passendste und schönste zusammengemanschte Bezeichnung für das Phänomen, mit dem sie sich in den vergangenen zwei Wochen langsam immer mehr in unsere Herzen dusselte: Halb plakativ performendes Kevin-Schantall-Klischeedoofidingelchen, halb magisches Zauberwesen, das einen mit entwaffnend schutzloser Naivität an einen funkelnden, herrlich unkomplizierten Traumort entführt.

Einen Alltagstrick kann man sich auf jeden Fall schon mal von ihr abschauen: Nachdem sie bei der Schatzsuche in den Genuss einer Pizza kam, bewahrte sie den kostbaren Geschmack über Nacht in ihrer Backentasche auf, indem sie einfach das Zähneputzen ausließ.

Zaubertrick des Tages II: Verwendet er Spiegel, Rauch oder ein doppeltes Haarnetz? Wie, verdammt noch eins, kann Felix seine sich mitunter durchaus voluminös bahnbrechende Wellfrisur die meiste Zeit des Tages in diesen winzigen Knurzdutt bannen?

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Fotostrecke: So lief Tag 14 im Camp

Reminiszenz des Tages: Im heroischen Kämpfchen Yotta vs. CWM bemüht ersterer nun den simplen, aber effektiven Negierungshaken, den Karl Lagerfeld einstmals so formvollendet gegen Heidi Klum ausführte: "Amerika interessiert sich einen Scheißdreck für die Currywurst" ist das neue "Die war nie in Paris, die kennen wir nicht".

Reminiszenz des Tages II: Der CWM channelt derweil eine noch weiter zurückliegende Begebenheit und hat beim Holznachlegen am Camplagerfeuer einen echten Nero-Moment: "Es soll brennen! Wenn et brennt, dann brennt dat! Brennen, brennen, brennen!" Später redet er in offensichtlich recht dringlichen Herrschaftsfantasien dann auch noch im Schlaf: "Ich bin Teamchef", murmelt der Quartalsdiktator, und in der traditionellen Zermürbung der letzten Dschungeltage sähe man eigentlich tatsächlich ganz gerne zu, wie er irre lachend dann wirklich das ganze Camp abfackelt und dazu in Ermangelung einer Harfe Hackbrett auf einem Grillblech spielt. Im Feuerschein nimmt er dann diabolisch keckernd die blaue Brille ab und wir sehen zum ersten Mal in seine Augen: Sie sind curryketchup-rot und weinen Tränen aus Bratfett.

Jobempfehlung des Tages: Vielleicht wird Peter bald Testimonial für Plörrgetränke? Als sämtliche Camper bei der Schatzsuche aus fünf Türen, hinter denen sich Überraschungen verbargen, eine auswählen durften, erwischten Chris und er zwei kühle Lieblingsgetränke. Peter nuckelte überglücklich seinen Eiskaffee und überstrahlte dabei mühelos die aus dem Camp geworfene Doreen, die auf dem langen, entbehrungsreichen Treck zurück zum Hotel Versace zwischendurch kurz bei McDonalds einkehren mussdurfte - die in jeder Staffel obligatorische Burgerwerbung hat auch dieses Mal leider kein Körnchen Subtilität abbekommen.

Romantikgesäusel des Tages: "Ich träume davon, mit meiner Freundin Pizza zu essen und ihr danach das Hirn rauszuvögeln", wirbt Yotta für dieses Superkonzept "Liebe", von dem man gelegentlich hört. Um eilig nachzuschieben, "küssen und liebkosen" sei da aber schon auch inkludiert. Passionierte Rezipienten seiner Instagram-Storys seufzten an dieser Stelle wehmütig auf, zu lange schon vermissen sie Yottas autorenfilmerische Zooms auf das glanzlackleggings-vakuumierte Hinterteil seiner Freundin. Liebe halt, so schön.

Domenico-Gedächtnismoment: Auch Felix entpuppte sich als willfähriger Insta-Atze: Als er sich bei der Schatzsuche zusammen mit Sandra für die Türe entscheidet, hinter der ihre beiden Begleitpersonen warten, erkundigt er sich bei seinem Bruder erst nach dem Wohl seiner schwangeren Freundin - und stellt dann die zweitdringlichste Frage, wenn man mal eben fünf Minuten mit einem schmerzlich vermissten, lieben Menschen geschenkt bekommt: "Bei Instagram läuft alles gut?" - "Ja klar, 180.000 Follower!"

Und zu Hause nimmt man sich vor, dem eigenen, schmerzlich unterverfolgten Hund jetzt wirklich mal ein paar tausend Follower aus Südostasien zu kaufen.

Panne des Tages: Auf den letzten Minutenmetern muss der freud- und spannungslosen Dschungelprüfung dieser Titel leider noch aberkannt werden: Die Moderatoren verkünden im Camp, wegen eines kaputten Servers habe man das Telefonvoting nicht auswerten können - keiner muss gehen. Na gut. Aber nicht, dass das einreißt.



insgesamt 34 Beiträge
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dasfred 25.01.2019
1. Anja Rützel ist da und bei Instagram läuft es auch
Die Besten Nachrichten des Tages. In einem bin ich aber mit Anja uneins. Das keiner rausgeworfen wurde, bietet noch eine Chance auf einen Yotty Curry Beef. Haben doch die Amateure am Telefon nicht begriffen, dass man nicht ausgerechnet die Leute mit dem höchsten Trash Potential rauswählt. Es sollten besser nur noch Gläubiger abstimmen, in wessen Insolvenzmasse die Siegprämie kommt. Die beiden Prüflinge von gestern hatte man ja kaum auf dem Zettel. Das Trio Yotty, Evelyn und Curryman ist dieses Jahr so gut, das RTL unbedingt noch ein SpinnOff entwickeln sollte. Nur Promi-Dinner reicht nicht. Bei Peter weiß ich nicht, ob sein gütiges Lächeln nicht langsam beginnenden Wahn anzeigt.
miscel 25.01.2019
2. Liebe Frau Rützel...
... seit wann ist denn "Lächle doch mal" etwas, das typischerweise Männern zu Frauen sagen, anstatt jeder zu jedem? Ich stimme ja der Meinung zu, dass es sich hier um eine ignorante Floskel handelt, doch die als geschlechtsspezifisch einzuordnen halte ich dann doch für gewagt. Ich habe diese schon von sämtlichen Geschlechtern gehört und zugegebenermaßen selbst, als Frau, schon gesagt. Und was ist ein "Bitchface" und in welchem Zusammenhang mit einem (falschen?) Lächeln steht es? - Ich sehe mich als Feministin, wie sie, doch mein Männerbild, und auch Frauenbild, ist ein anderes als Ihres. Meinem Verständnis des Begriffes nach, womit ich mich nun nicht exklusiv auf diesen Ihrer Artikel beziehe sondern die Gesamtheit der vielen die ich gelesen habe, haben Sie ein Sexismusproblem. Dies sage ich mit Respekt und meine es als wertneutrale Feststellung, nicht als eine Beleidigung. - Grüße von der blauen Giraffe
argumentumabsurdum 25.01.2019
3. Hello again!
Frau Rützel, schön dass sie wieder bei uns sind, was hat sie so lange aufgehalten? - Nichts gegen Ihren Stellvertreter, der hat seine Sache wirklich gut gemacht, aber für solch kleine, mit feiner Fiesheit gespickte Wortkreationen wie "mussdurfte" bedarf es schon der Hand der Meisterin - mein Lieblingswort des Tages. Mal schauen, ob sich das irgendwie in einem alltäglichen Gespräch unterbringen lässt.
mirage122 25.01.2019
4. Erstaunlich!
Nun streiten hier schon selbst ernannte Feministinnen um die Aussage "Lächele mal!" Ist das Geschlechts-spezifisch, gehört das in die Ecke Diskriminierung, muss ich damit zum Facharzt? Was sich im Zusammenhang mit Dschungelkamp hier so abspielt, zeigt eigentlich, dass ein Gros der Deutschen offensichtlich in einer Trash-Welt leben: traurig, traurig!
henrich.wilckens 25.01.2019
5. Rausch der Gefühle
Queen Anja ist zurück und lässt das SPON-Fachpublikum franksteindrüber wieder zur Tagesordnung übergehen. Hinter einer Tür plötzlich und unerwartet einen lieben Menschen anzutreffen, dürfte der irrste Moment für Dschungelcamper gewesen sein - und wurde doch nur von einem Team geschafft - mathematisch-statistisch ausrechenbar - aber man male sich den Aufwand und die Enttäuschung hinter den Kulissen auf... Da bleibt unseren Campern die Pizza und Cola im Nachhinein im Hals stecken
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