Dschungelcamp, Tag 7 Urologica und Uhrfalltheorien

Ab heute entscheiden die Zuschauer, wer das Dschungelcamp verlassen muss. Jetzt bloß nichts falsch machen, um das schöne Kasalla-Arrangement nicht zu zerstören! Hier eine kleine Handreichung.

RTL

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Yotta: Seine Aufgabe im Camp ist noch nicht erfüllt. Er war zwar noch deutlich gezeichnet von der vortäglichen Nullsterne-Schmach und dünstete darum weitgehend einfach nur still im eigenen Schamsaft vor sich hin. Allerdings scheint er bald gar zu sein: Er fabulierte zwar von einem aufziehenden Gewitterregen, der allen Falschlingen im Camp endlich ihre Maske vom Gesicht spülen werde, sprach da aber möglicherweise - dieses ulkige Unterbewusstsein! - vor allem von sich selbst: Bei der Feuernachtwache mit Evelyn resümierte er nochmal Giseles "Arschlochnummer" vom Vortag und ließ seiner bislang so stabil gewahrten Contenance ein selbstvergessenes "kleine Schlampe!" entfleuchen.

CWM: Er muss natürlich ebenfalls schon alleine deshalb noch im Camp verbleiben, um das hasserotische Nemesisgespann mit Yotta nicht zu sprengen. Zuletzt war die Fehde zwischen beiden zwar etwas abgekühlt, aber vielleicht wird es doch noch was mit der deutschen Antwort auf "Itchy & Scratchy", Arbeitstitel: "Pumpi & Wursti". Dass beim Grilllanten bald die Propangasbottiche platzen könnten, deutet sich immer weiter an: Immer häufiger beginnt er spontan zu wendlern, spricht also von sich selbst in der dritten Person, was ja immer ein verlässliches Zeichen für unbedingte nervliche Stabilität ist: "Der CWM kommt und der Klodeckel ist offen, was soll die Scheiße?" - "Ein CWM schläft nie!"

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Fotostrecke: So lief Tag 7 im Camp

Köstlich auch, wie er sich als dominanzgieriger Teamchef gebärdete, als habe er an kundenflauen Abenden in seinem Wursttruck einfach zu viele Folgen von Hundewürger Cesar Milan weggebingt - leider nahm sich sein autoritärer Führungsversuch am Ende doch nur wie ein trauriges Mittelding aus Marc Terenzis "Die Regels sind die Regels"-Radebrecherei und den Cholerik-Koliken von Halt-stopp-Andreas aus "Frauentausch" aus.

Evelyn: Gerade dachte man schon leise, dass man langsam genug hätte von ihrer Doofinchen-Masche - aber dann holt sie den extraflauschigen Einfaltspinsel raus, der einem dann doch wieder ein paar herzliche Lacher hervorkitzeln kann. "Ich weiß noch nicht mal so richtig, was Steuern sind", spricht also Evelyn. Same, Schwester, same!, will man ihr da, verschüttet von der eigenen, dringend zu sortierenden Bewirtungsbelege-Lawine, mitfühlend entgegenächzen. Doch dann offenbart das Evelynsche eine völlig neue Dimension des Unbelecktseins und erklärt, wofür genau man eigentlich Steuern abdrücken muss: "Tierheim, Lehrer, Schwimmbad."

Stellen wir uns kurz vor, wie Deutschland aussähe, wären dies wirklich die steuerhaushaltlichen Top-Prioritäten: Wohlgenährte Flufftiere würden endlich das schöne Leben führen, das sie verdienen. Geziert parlierende Kinder würden in der U-Bahn Balladen rezitieren und über die Verdienste Adenauers diskutieren, statt dumpfhirnig Fortnite-Tänze zu üben. Und die Menschen hätten gar keine Zeit mehr für Sorgen und Wut, weil sie dauernd fröhlich quiekend eine irgendwo neu eröffnete Megawasserrutsche heruntersausen müssten. Wählt Eveyln Burdecki (aber bitte nicht aus dem Camp)!

Sibylle: Sie spielte sich gestern mit einer wunderbaren Variante des beliebten YouTube-Formats "Get ready with me" in die Herzen - und schminkte sich mit einem Stück Kohle ein sensationelles Nosferatu-Augen-Make-up. Zwar musste man beim Ergebnis kurz an die traurige Geschichte denken, derzufolge sich Rex Gildo in seinen trübsten Baumarkteröffnungs-Tingeltagen das Augen-Make-up angeblich mit einem Eddingstift gezogen haben soll, aber dann fiel einem bei näherer Betrachtung von Sibylles ambitionierter Schwarzmalerei doch auch die Ähnlichkeit mit einem Villnösser Brillenschaf ins, nun ja, Auge. Süß!

Domenico: Machen wir es kurz: Domenico kann weg. Erstens, weil er langsam unter der Tragelast seines von Tag zu Tag weiter unkontrolliert aufdunsenden Haargeschwürs zusammenzubrechen droht. Zweitens, weil sich daheim endlich mal wieder jemand mit professioneller Schmierigkeit um das Babyfoto-Like-Management auf Insta kümmern muss. Und drittens, weil einem seine misogynen Fantasien jetzt dann doch etwas Angst machen.

"Die kriegt nachher einen Einlauf, der sich gewaschen hat", trötete erst der CWM in Hinblick auf Giseles zu erwartende neuerliche Prüfungsverweigerung. Domenico führte diese analen Züchtigungsideen dann noch etwas tiefergehend weiter: "Wir braten die! Die kriegt nen Stock in den Arsch geschoben und dann braten wir die am Spieß." Eine hübsche Szene hatte er allerdings, als er nach dem Ausfall der beiden großen Motivatoren nun versuchsweise selbst an Giseles lädierten Sterne-Ambitionen herumklempnerte: "Wenn du jetzt wieder abkackst, dann bleibst du Gisele", gab er ihr vor dem Abmarsch zur Prüfung mit auf den Weg. Worauf die solchermaßen blöd von der Seite Angecoachte sachlich völlig richtig erwiderte: "Naja, ich BIN Gisele." Wo bleibt der Tusch, wenn man mal einen braucht?

Doreen: Sie durfte gestern immerhin kurz ihre Hasardeur-Qualitäten zeigen: Eingenäht in die Ohren ihrer mitgebrachten Plüschkuh schummelte sie Kaugummis ins Camp - das sollte man durchaus mit etwas mehr Verweildauer belohnen. Wer weiß, was sie alles zusätzlich noch unbemerkt in Domenicos Frisur häkelte?

Gisele: Ihre dramaturgische Aufgabe scheint erfüllt, da man sie nun ja nicht mehr in die Prüfungen wählen und die Camper damit zum Hungern verurteilen kann. Gestern schlug sie ihre Tagesaufgabe mit einer flinken "Ach ja - ach nee"-Kombination fast in Rekordzeit K.o. - vielleicht ruft sie heute einfach bequemlichkeitshalber direkt von der Hängebrücke aus rüber, dass die gnäää' Frau wieder keine Laune hat.

Felix: Nachdem er planmäßig die Schwangerschaft seiner Freundin vermeldet hatte, kam von ihm nicht mehr viel. Verzichtbar.

Tommi: Bislang tat er sich vor allem mit Altmannschwitzigkeiten und seiner reichen Sammlung an Urologica hervor, gestern fungierte er immerhin als kleines Rädchen, das eine ganze Fülle an Uhrfalltheorien anschob: Angeblich habe er in einer möglicherweise Evelyn gehörenden Socke eine unerlaubt ins Camp geschmuggelte Uhr entdeckt. Das bescherte den Dschungelinsassen eine Reihe nerviger Verhöre vom CWM (der mehrfach betonte, er sei Chris Knatterton, dank seines Bärtchens aber eher wie ein mergeliger Magerpoirot wirkte), der unsachgemäß die offensichtlichsten Fragen vernachlässigte: Weiß Evelyn überhaupt, wie man die Uhr liest? Immerhin lieferten seine kriminalistischen Tapsereien einen guten Satz, den man sich merken kann, sollte man selbst mal umständehalber in Ermittlungszwänge geraten: "Schwör auf die schlesische Wurst deiner Mutter!"

Sandra: Sie stellte bei den uhr-logischen Betrachtungen die entscheidende Frage: Warum fummelt Tommi in anderer Leute Socken herum? Sie erwies sich als wertvolle Frau für besondere Herausforderungen, als sie Evelyn das Prinzip "Himmelsrichtungen" erklärte.

Leila: Ihre barbusigen Badeszenen dienen in der Sendungsvorschau regelmäßig als Köderfleisch, sonst sah man im eigentlichen Geschehen bislang wenig von ihr. An Tag 7 gab sie dem herrschsüchtigen CWM zumindest ein paar Mal gut platziertes und verständiges Contra. Langsam wäre es dann aber wirklich Zeit, die von ihr erhofften Pikanterien auszupacken. Es wäre ja schade drum, wenn die Verderblichkeiten schlecht würden.

Peter: Bislang tat er sich vor allem durch mittelschwere Lächelanfälle hervor. Der CWM mag eine Blaubrille tragen - doch Peter hat vermutlich rosafarbene Kontaktlinsen aufgeklebt, die ihn jedes Geschehen im Camp durch einen harmonieschleierigen Filter sehen lassen. Dass er durchaus Potenzial hat, im weiteren Verlauf die Gruppendynamik auch ins Negative kippeln zu lassen, weiß jeder, der in leicht gereizter Stimmung schon einmal über eine empfangene Nachricht mit viel zu vielen Lachsmileys in Weißglut geraten ist.



insgesamt 59 Beiträge
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retterdernation 18.01.2019
1. Du bist nicht Du, wenn Du hungrig bist
Was ein süßes Gekreische war das denn ... Wir alle kennen diesen Zustand, wenn aus dem sanften Anklopfen der Magenschleimhäute - ein nervöses Zucken wird. Danach folgt das sogenannte Down, also der Moment, wenn sich in der Mitte Deines Ich's - ein Raum auftut, in den Dimensionen eines Universums. Gleichzeitig scheint Dir ein Schwarzes Loch jede Art der Energie aus dem Körper zu ziehen. Apathie - lähmt das Camp. Mann leidet. Auch das kennen Wir alle. Unterzuckerte Jungs sind einfach, man kann es leider nicht anders sagen - extrem komisch, empfindlich und sensibel. Nervös - trifft es wohl am besten. Die Auswirkungen unterscheiden sich in drei Kategorien. 1. der giftige Typus, Yoda-Alf wird zum Rumpelstilzchen. 2. der kraftlose Typ, siehe yotta. Das grenzt doch glatt an Selbstaufgabe. 3. der nervöse Imperator, auch Curry genannt, überspielt in jedem Moment seine persönliche Qual, mit den Schwächen seines Nächsten. Was den schönsten, aufregendsten Nervenkitzel aller Zeiten im Camp entfacht. Deckel, Socken, Uhren werden zum Feind einer Community, die nach Kalorien lechzt. Die Evylotion - den Kalorienverzicht tragen Frauen ganz offensichtlich der Mode und den Männer wegen - ein Leben lang vor sich her. Was natürlich ein klarer Vorteil der Evolution ist. Das bisschen Zucken in der Magengrube stört offenbar wenig, als Diätprofi. Nur das kleine Bambi der Unschuld macht den Unterschied , sind das die Entzugserscheinungen eines Fastfootjunkies ... wie eine Ente vor dem Erpel. Wie wird es also weitergehen, im Camp der Hungerleider ... ?? : :
e_pericoloso_sporgersi 18.01.2019
2.
Stein drüber! Die Sockenuhr ist in Domenicos Flufftolle als Volumengeber eingefriest. Ischwöre auf die schlesische Mutterwurst! Verstehst du, wie ich meine? Ein weiteres IBES-Highlight mit krassen Konfros wegen Klodeckel, Curry-Kings Knattertonpfanne und Kronometer. Danke, touché Toupet!
jazz66 18.01.2019
3. best things are free
Ha! Der Bastian , so köstlich; und jetzt "dünstet (er) darum weitgehend einfach nur still im eigenen Schamsaft vor sich hin" - ein herrlicher Abend, der von einer morgendlichen Lektüre gekrönt wird. Wie lässt sich soviel Schönes noch eine Woche ertragen?
mirage122 18.01.2019
4. SPON-Kultur!
Für mich nicht nach zu voll ziehen, wie sich Menschen an dieser "Unterste-Schublade-Sendung" ergötzen können und damit ihre Zeit verplempern. Daran ändern auch die Kommentare von Frau Rützel nichts. Mich wundert schon seit einiger Zeit, was bei SPON als "Kultur" angeboten wird. Gestern: ein ellenlanger Artikel über Sophia Thomalla und ihre Ex- und Hopp-Affären der letzten Jahre! Wer ist das bitte? Was hat sie geleistet? Der Name Thomalla tauchte meines Wissens in Zusammenhang mit dem ehemaligen Schalke-Manager Rudi Assauer auf, der jetzt so schwer krank ist. Da hat sich die Mutter seinerzeit ins Spiel gebracht - und nun taucht die Tochter auch noch auf. Ist das Niveau der Leserschaft so weit gesunken? Wenn ich derartige Informationen möchte, dann lese ich andere Blättchen.
Peter M. A. Lublewski 18.01.2019
5. Team Evelyn
"Wählt Eveyln Burdecki (aber bitte nicht aus dem Camp)!" Dem Inszenierungsplan folgend, wird Evelyn immer weiter in den Mittelpunkt gerückt. Ich vermute, dass alle Damen außer Evelyn in den nächsten Tagen das Camp verlassen.
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