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20. Januar 2019, 07:26 Uhr

Dschungelcamp, Tag 9

Allgemein zu schwanzig

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Der Dschungel hat ein kleines Formtief: Zum Auftakt der zweiten Campwoche plätschert das Geschehen dahin wie Krokodileierkulat. Und zwar, schließlich sind wir hier immer noch bei RTL, ganz buchstäblich.

Penisverwirrung des Tages: "Mit dem Schwanz will ich nichts zu tun haben, hatte ich nichts zu tun und werde ich nichts zu tun haben", hebt Evelyn im Dschungelcamp zu einer ihrer inzwischen sattsam bekannten Doofberichterstattungen an: "Ist mir echt zu schwanzig!"

Letzterer Satz fasst aus geläutgeplagter Zuschauersicht ganz gut die diesjährige Nacktduschszenenauswahl zusammen, Auslöser ist bei Evelyn aber der zum Abendessen gelieferte Känguruschwanz. "Der hat bestimmt noch Sperma innendrin", grault sie sich, weil sie nicht erkennt, dass es sich bei dem Fleischbatzen ganz offensichtlich nicht um das Geschlechtsteil, sondern um die rückwärtige Stützgliedmaße handelt.

Nun wäre es angesichts der fast yottaoberarmdicken Ausmaße des Scheinschwengels interessant gewesen, Evelyn einmal eine grobe anatomische Skizze des dazugehörigen Kängurus anfertigen zu lassen: Wie sollte sich das Hüpftier solchermaßen überdimensioniert behangen wohl vorwärtsbewegen? Mit kleinen Stützrädern am Genital?

Dramaturgischer Knackpunkt des Tages: Was nützen Hiebe in Gedanken? Und wo verrottet eigentlich seit Tagen die schöne Wagenladung schlachtwarmes Beef, das Yotta und der CWM bei ihrem Einzug im Camp abgekippt hatten? "Hinterfotzige Drecksau", nennt zwar der Erste den Zweiten, aber leider doch nur in dessen Abwesenheit. "Fick mit mir, und ich fick dich doppelt zurück", verspricht Yotta einen wohl eher metaphorischen Bumsediscount. Der große Showdown zwischen den beiden mythischen Männchengestalten lässt indes weiter auf sich warten.

Freud-Fantasie des Tages: Sie liegt bewegungsunfähig in einem Käfig, gefangen! Auf ihr, schnaufend, faulig dünstend: Ein warziges Ledertier, seine Pratzen auf ihrem Körper, das vor Behagen auch noch spontan eierkuliert - klingt wie ein unappetitlicher Selbstheilungstraum, in dem Doreen die gesammelten Übergriffigkeiten von Schmuddelcamper Tommi verarbeitet.

Es war aber tatsächlich die gestrige Dschungelprüfung, die ausnahmsweise mal kein abrupt beendetes giselliges Beisammensein war, sondern tatsächlich angetreten wurde. Und bei der sich unter anderem ein Krokodil auf der starr ausharrenden Doreen erleichterte. "Da war noch mehr als Pipi dabei, war das ein Junge?", erkundigte sie sich danach so dezent, wie einem das mit Krokosudel auf der Hose eben so möglich ist. Felix kramte anschließend auf einem Rattenwühltisch herum, und da wusste man dann auch wieder, warum der Prüfungsteil immer der uninteressanteste Dschungelaspekt ist.

Info des Tages: "Ich muss kacken wie ein Schwein", beschied Doreen nach der Prüfung. Offenbar hatte die wechselwarme Krokoauflage darmwärts irgendwelche Blockaden gelöst: "Da sind neun Tage drin."

Schrott-PR des Tages: "Heute kann ich's sagen, heute geht die Pressemitteilung raus", frohlockte Felix und erzählte nun noch mal das, was wir alle doch längst schon wieder wissen und bereits irrelevanzhalber wieder vergessen hatten: Er wird Vater. Und zwar einer, der weiß, was Kinder wirklich brauchen: "Ich werd' so ein Vater, der sagt: Schatz, wir sind bei Toys'R'Us, such dir fünf Sachen aus, egal was." Weil diese Konsumdeppertheit allein nicht reicht, gleich noch eine Fuhre Pinkschwachsinn hinterher: "Ich will ein Mädchen haben, so ne kleine Prinzessin!". Und der CWM trötet grunddämlich hinterher: "Ja, die kann man so geil einkleiden." Vielleicht sollte man doch einfach aufgeben.

Schrott-PR des Tages II: Kaum aus dem Camp geschasst, wird Domenico von einem akuten Influencer-Schub geschüttelt: "Check mal, wieviele Follower ich habe, ob die gestiegen sind", weist der Großschopferte noch während seines Rücktransports einen RTL-Mitarbeiter zum Instagram-Check an.

Dann sehen wir endlich wieder Szenen aus dem vielleicht schönsten dramaturgischen Untergenre bei IBES: Das aufklärende Gespräch, das die Campverstoßenen bei ihrer Rückkehr ins Hotel Versace aus ihren Karrierefantastereien wieder auf den Boden der Tatsachen holt, wahlweise durchgeführt von einem ungelenk herumdiplomatierenden Freund oder einem stets operettenhaften Manager. "Es gab ein bisschen schlechte Sachen", moderiert Freund Luigi im trauten Italienergespräch das domenicosche PR-Debakel an. Erfreulich aber: Immerhin hat sich das Bewusstsein für gegenderte Sprache inzwischen offenbar auch bis in ungeahnte demografische Schichten vorgewühlt, wie man an Luigis Ausführungen über Evelyn ablesen kann: "Die steht als Opferin da." Recht so, Bruder, beziehungsweise Schwester.

Und wer wurde rausgewählt? Sibylle, das ist schade. Immerhin lieferte sie vor ihrem Abgang zum Finale noch eine goldene Sentenz frisch aus der ekelfleckigen "Was sagt eine Pornodarstellerin, die gerade aus dem Dschungelcamp geschmissen wird?"-Witzekladde: "Da steckt man halt nicht drin."

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