Dschungelcamp, Tag 11 Kriech und Fliegen

Eins bleibt verlässlich, auch in unsicheren Zeiten: In der zweiten Woche rieselt im Camp die Contenance wie Schuppen. Das zeigt sich bei jedem Camper ganz individuell.
Sonja Kirchberger: "Ein Dschungelkönig oder eine Dschungelkönigin muss für etwas stehen"

Sonja Kirchberger: "Ein Dschungelkönig oder eine Dschungelkönigin muss für etwas stehen"

Foto: TVNOW

Elena kanalisiert die bislang ungenutzte Wutglut aus ihrem körpereigenen Kraftausdruckwerk, dessen Energie sie momentan in unbeobachteten Momenten noch über kleine Dampfwölkchen durch die Ohren entweichen lässt, ins Vergeistigte: "Ich würde hier sogar ein Buch lesen. Ich! Ich lese nie Bücher."

Es ist aber auch eine grobe Nachlässigkeit, dass die Camp-Grundausstattung für solche Fälle nicht auch einen kleinen Handapparat an erbaulicher Lektüre enthält: Wenn in jedem anständigen Hotelnachttisch eine Bibel liegt, sollte jede IBES-Hängematte doch mindestens "Das Dschungelbuch" in Griffweite haben. Und als Vorbereitung auf die klassischen Tunnel-mit-Schlonze-Dschungelprüfungen vielleicht noch "Kriech und Fliegen" und, kann im Camp nie schaden, Erich Fromms apokryphes Frühwerk "Die Kunst des Lügens". 

Prince Damien rührt weiter in seinem immer mal wieder wie eine heiße isländische Quelle aufblubbernden Gefühlsgriesbrei. Er wohne allein in einer WG, erzählt er mit noch notdürftig überlackter Traurigkeit – das klingt nach einer fortgeschrittenen Zen-Übung für alle, die irgendwie die Sache mit dem einhändigen Klatschen hinbekommen haben.

Arglos befragt er Claudia bei der Nachtwache nach ihrem aktuellen Liebesleben, und die sonst so beamtisch-maschinöse Gossipknauserin erzählt von Dates mit zwei 51-jährigen Männern. Sofort stellt man sich köstliche, Heckel-und-Jeckel-mäßige Kapriolen vor, der eine kippt dem anderen im Restaurant, wenn er nicht hinschaut, heimlich Tapetenleim ins Risotto und so weiter, aber anscheinend fanden die Treffen dann leider doch nicht im fidelen Dreierverband statt.

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So war Tag 11 im Dschungelcamp

Foto: Stefan Menne/ TVNOW

Raul mutiert in der Dschungelprüfung zum erratischen Stammler: In einer komplexen Versuchsanordnung kippt Anastasiya aus luftiger Höhe Ekelzeug herab, möglichst in Rauls Bottich, der den Inhalt dann dem ebenfalls mit einem Bottich ausgestatteten Markus entgegenschleudern muss, welcher den Schlonz dann seinerseits auffangen soll – das alles verkleidet als Wichtel und Elfen.

Es klappt nicht ganz so gut, und Raul ist schon bald nicht mehr in der Lage zu  klaren Anweisungen: "Du musst von dir hin zu dir weg! Von dir weg hin!", bescheidet er Markus, während der von Anastasiya Materialnachschub anfordert: "Mehr Zauberschleim, mehr Zauberschleim! Wir brauchen flüssiges Gold!" rufen schließlich alle durcheinander, und wenn man die Augen schließt und vom bisherigen Campkonsum schon etwas derangiert ist, klingt das wie ein Porno für Feeophile.

Sonja (Kirchberger, nicht Zietlow) entgleisen die Nerven gleich in mehrere Richtungen: Erst überhöht sie das Dschungelcamp zu etwas Quasi-Heiligem, das Anastasiya durch ihre vorgestrige, zu voreilige Auszugsfreude entweiht habe: "Da kämpfen die Leute um die Krone, und du machst eine Farce daraus", schraubt sie sich in hochadelige Pomppose: "Ein Dschungelkönig oder eine Dschungelkönigin muss für etwas stehen."

Als ihre gemeinsame Schatzsuche mit Markus und Danni gewitterbedingt abgebrochen wird und die drei stattdessen gemeinsam ins Dschungeltelefon müssen, bricht sich ihre gut vergorene Witwenwut Bahn: "Ich glaube, dass du deine Geschichte ganz schön ausgezehrt hast: Immer noch mehr Tränen, mehr Tränen, mehr Tränen", wirft sie Danni vor. Natürlich sei das mit ihrem Mann "furchtbar traurig" - "aber du weißt, dass das Leid immer greift".

Auch Markus vermutet einen Plan hinter Dannis gecampter Jenser-Hommage: "Man kann ja gar nichts sagen, wenn es immer heißt, das habe ich ihm auf dem Sterbebett versprochen." Bei aller berechtigten Danni-Kritik vergreifen sich beide dabei komplett in Ton und Inhalt, verlangen von ihr, man könne doch auch "leiser trauern". Es sei schlimm, wenn jemand stirbt, befindet der zunehmend unangenehmere Markus, "aber man muss andere nicht so damit vollsülzen".

Das ist taktlos – und ziemlich dumm. Weil man den Jenser-Komplex und die Frage nach dem Inszeniertheitsgrad ihrer Trauer gar nicht anfassen müsste, um Danni allerhand ungutes Verhalten vorwerfen zu können.

Sonja bekam möglicherweise die direkte Quittung, nämlich die wenigsten Anrufe, und musste das Camp verlassen. Für die heutige Folge bleibt also die Hoffnung, dass mit dem Büchereibus vielleicht endlich auch ein Klavier!, ein Klavier! für Raul angeliefert wird. Und er kurz vor knapp noch den Dschungelprüfungs-Klassiker „As Schleim goes by“ klimpern kann.

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