AfD-Talk bei "Dunja Hayali" Die ewige Suche nach einem Patentrezept

Zahm und naiv seien die Medien im Umgang mit der AfD, hieß es nach den jüngsten Landtagswahlen. Nun war Jörg Meuthen zu Gast bei "Dunja Hayali". Die Moderatorin war zwar hellwach - kompliziert blieb es trotzdem.

Jörg Meuthen im Gespräch mit Dunja Hayali: "Wir sind weder extremistisch noch rassistisch", sagt der AfD-Bundessprecher über seine Partei
ZDF/ Jule Roehr

Jörg Meuthen im Gespräch mit Dunja Hayali: "Wir sind weder extremistisch noch rassistisch", sagt der AfD-Bundessprecher über seine Partei

Von Klaus Raab


Diesmal geht es gleich in die Vollen bei "Dunja Hayali". Es gibt kein entertainendes Klimbim mit irgendwelchen Publikumsbefragungsrunden, es gibt keine Fußgängerzonen-Reportagen, die nirgendwohin führen. Nein, diesmal sitzen da auf der Couch gleich zu Beginn der Politiker und die Praktiker aus der Zivilgesellschaft, die mit ihm diskutieren sollen. Dunja Hayali setzt sich zu ihnen - und es geht los: drei Bürger. Und AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.

Das Konzept des Talks ist nach wie vor nicht verkehrt. Dass drei ausgewählte Menschen einen Vertreter der Politik mit den Erfahrungen konfrontieren können, die sie in ihrer täglichen Arbeit gesammelt haben - das ist, verglichen mit manch anderem Talk, der sich allmählich wundliegt, innovativ und steht ganz gut in der Zeit.

Es geht neben Asyl- an diesem Abend auch um Energie- und Bildungspolitik. Auch das ist keine schlechte Idee. Es ist nicht lange her, da wurde vielfach gefordert, die Fernsehleute mögen die AfD-Politiker doch bitte nicht immer nur zu ihren Kernthemen befragen.

Was Meuthen zu Klimawandel und arabischen Muslimen sagt

Und tatsächlich tun sich ein paar Abgründe auf. In Klimafragen etwa: Dass der Mensch einen Anteil am Klimawandel habe, akzeptiere er, sagt Meuthen - aber als "Hypothese". Unter den un-un-unzähligen Studien, in denen daran nicht gezweifelt wird, sei freilich "auch ziemlich viel Unfug", sagt er. Das Kernproblem jedoch heiße "Bevölkerungswachstum", das zu einer verrückten "Emissionsintensität" führe - was dann eigentlich nicht mehr nach Hypothese klingt.

Oder im letzten Teil des Talks, in dem es im Gespräch mit dem jungen Gründer einer Zeitarbeitsfirma für Geflüchtete um Integrationsmaßnahmen geht: Da stellt Meuthen kurzerhand arabische Muslime unter Generalverdacht. Während andere in seiner Partei im Bundestag über "Messermänner" und "Kopftuchmädchen" herziehen, schnitzt Meuthen sein Ressentiment mit der ganz feinen Klinge: "Sie gucken den Leuten nicht hinter den Kopf."

Es bleibt kompliziert

Und nicht nur in diesem Moment, das muss man sagen, ist Hayali wach und weist darauf hin, dass "sehr viele muslimische Menschen sehr friedlich in diesem Land" lebten.

Sie ist auch zur Stelle, als Meuthen im Gespräch mit einem Brandenburger Unternehmer für erneuerbare Energie über die "Naturzerstörung" spricht, die von Windrädern ausgehe, und über die Schwierigkeit, die Dinger zu entsorgen. Da schiebt sie sinngemäß flink ein, dass in Atomkraftwerken, mit denen er kein Problem hat, auch nicht einfach die Müllabfuhr kommt.

Aber man muss trotzdem sagen: Der Umgang mit der AfD in Talkrunden bleibt kompliziert.

Hayali und Meuthen (l.) mit den weiteren Studiogästen: Michael Raschemann (M.), Unternehmer für erneuerbare Energie aus Brandenburg; Regine Seemann, Schulleiterin einer Hamburger Grundschule; Maximilian Felsner, Mitgründer einer Zeitarbeitsfirma für Geflüchtete
ZDF/ Jule Roehr

Hayali und Meuthen (l.) mit den weiteren Studiogästen: Michael Raschemann (M.), Unternehmer für erneuerbare Energie aus Brandenburg; Regine Seemann, Schulleiterin einer Hamburger Grundschule; Maximilian Felsner, Mitgründer einer Zeitarbeitsfirma für Geflüchtete

Denn dass nicht wirklich über den weiteren Rechtsdrift der Partei gesprochen wird, ist auch wieder keine Lösung. Die ganze Zeit über steht dadurch ein Marschmusik trötender Elefant im Raum, während Meuthen den konservativen Professorenonkel gibt, der keine Windräder mag und keine Gemeinschaftsschulen, sondern das tradierte mehrgliedrige Schulsystem; und der Geflüchteten, na ja, ihre Ausbildung gönne, damit sie - zurück in Syrien - ihr Land wieder aufbauen könnten.

Da sind der rechtsextreme Flügel; ein Spitzenkandidat, der Neonazi-Zeltlager besuchte und in einer Reisegruppe, auf deren Hotelbalkon, ups, eine Hakenkreuzflagge aufgehängt wurde, zu einer rechtsextremen Demonstration reiste; die "Vogelschiss"- oder "Entsorgungs"-Äußerungen: alles Fußnote. Dass AfD-Politiker in Chemnitz vor einem Jahr mit Menschen demonstrierten, die den Hitlergruß zeigten und Meuthen hinterher herumopferte, wie viele davon wohl "eingeschleuste Provokateure" gewesen seien, ist eh schon kaum noch präsent.

Dunja Hayali hat ihr Wording im Griff, als es zweimal kurz und allgemein um die Parteientwicklungen geht. Sie sagt an einer Stelle etwa, die AfD gelte als "rassistisch und rechtsextrem". Auch ein Vertreter der Wirtschaft wird vergleichbar zitiert. Meuthen erwidert dann nur lammgleich, "der gute Mann hat unsere Partei nicht verstanden", und behauptet: "Wir sind weder extremistisch noch rassistisch." Und er kann auch dabei bleiben, ohne rot zu werden, weil er ja eigentlich da ist, um über andere Themen zu diskutieren - "sachlich" und "differenziert", wie er es nennt. Was dem Vorhaben, seine Partei als bürgerlich darzustellen, wahrlich nicht schadet.

Das Patentrezept für den Umgang mit der AfD jedenfalls wurde auch an diesem Abend nicht gefunden.

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