Musikpreis Nach Sido-Eklat - ARD überträgt Echo nicht mehr

Weil der Echo zuletzt "erschöpft und müde" gewesen sei, verzichtet die ARD 2017 auf die Übertragung der Verleihung. Im April hatte die Musikpreisgala gleich für mehrere Eklats gesorgt.

Rapper Sido auf der Echo-Verleihung 2016
DPA

Rapper Sido auf der Echo-Verleihung 2016


Im kommenden Jahr wird die ARD die Verleihung des Musikpreises Echo nicht übertragen. ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber nannte im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) "inhaltliche Gründe" für diese Entscheidung.

Der Echo sei bei seinem 25. Geburtstag im April "erschöpft und müde" gewesen, so Schreiber. "Wenn Musiker, für die der Preis vergeben wird, sich mehr Zuspruch davon versprechen, dass sie auf der Bühne ihren Preis dissen und schlechtmachen, wie kann der Zuschauer zu Hause Spaß daran haben?"

Damit bezieht sich Schreiber vermutlich auf den Eklat, den Rapper Sido provoziert hatte. Er war 2016 für vier Preise nominiert, ging aber komplett leer aus, wie er selber während der Liveshow verriet: "Die sind so dumm hier beim Echo", sagte Sido, "hinter der Bühne stehen alle Preise rum." Er habe mal geguckt, wer gewinne. "Ich jedenfalls nicht."

Die diesjährige Gala war auch noch aus einem anderen Grund umstritten: Nach 2013, als es Proteste gegen die Nominierung der Rechtsrocker Frei.Wild gegeben hatte und sie von der Deutschen Phono-Akademie schließlich wieder von der Nominiertenliste gestrichen worden waren, waren Frei.Wild 2016 mit dem Preis der Sparte Rock/Alternative National ausgezeichnet worden.

Vom Saalpublikum hatte es dafür vereinzelt Buhrufe gegeben. Von den anwesenden Künstlern positionierte sich allein Sänger Bosse gegen die kontroverse Band. In vielen Medien war danach eine Reform des Echos gefordert worden, damit künftig mehr nach inhaltlichen denn wirtschaftlichen Kriterien entschieden werde.

Der Verzicht auf die Übertragung der Echo-Gala ist für die ARD aus Quotenperspektive in jedem Fall kein Verlust. In diesem Jahr sahen weniger als 3,5 Millionen Zuschauer die Show.

hpi/dpa



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