Kontroverses ZDF-Kriegsepos "Unsere Mütter, unsere Väter" gewinnt Emmy

Quotenhit, Verkaufsschlager - und nun auch preisgekrönte Miniserie: Das ZDF-Weltkriegsepos "Unsere Mütter, unsere Väter" hat einen International Emmy gewonnen. Ein weiterer deutscher Hoffnungsträger ging jedoch leer aus.

Szene aus "Unsere Mütter, unsere Väter": Internationaler Ruhm winkt
ZDF

Szene aus "Unsere Mütter, unsere Väter": Internationaler Ruhm winkt


Hamburg/New York - Deutsche Serien haben einen zweifelhaften Ruf, doch in Form des Historiendramas sind sie offenbar mitunter preiswürdig: Die deutsche Miniserie "Unsere Mütter, unsere Väter" hat einen International Emmy gewonnen - die Auszeichnung ist ein Ableger des wichtigsten Fernsehpreises der Welt. Die deutsche Dokumentation "Wagnerwahn - Mythos und Machenschaften des Richard Wagner" ging hingegen leer aus - sie unterlag der kanadischen Reportage "The Exhibition".

Die Freude über den Emmy für "Unsere Mütter, unsere Väter" war groß: "Es ist der glücklichste Moment in meinem Berufsleben als Produzent", erklärte Serienmacher Nico Hofmann. Er sei dankbar für die vielen offenen Auseinandersetzungen, die über den "kontrovers diskutierten Film" geführt wurden.

Das Kriegsepos erhielt in Deutschland erst begeisterte Kritiken, unter anderem auch bei SPIEGEL ONLINE, zog dann aber zum Teil heftige Kritik auf sich und sorgte schließlich auch in anderen europäischen Ländern für Diskussionen. In Polen gab es etwa Proteste gegen die Darstellung polnischer Partisanen.

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Warschauer Ghetto: Irritationen 70 Jahre nach dem Aufstand
In den drei 90-minütigen Teilen werden die Erlebnisse von fünf jungen Leuten erzählt, die beispielhaft für die damalige Zeit gewesen sein sollen. Kritisiert wurde daher unter anderem auch, dass die Serie zu wenig differenziere und die Deutschen vor allem als Opfer und weniger als Täter darstelle.

Vernichtende Kritiken in den USA

In den USA war das ZDF-Weltkriegsepos Anfang des Jahres als "Generation War" im Kino zu sehen. Allerdings war der Dreiteiler nur in sieben Häusern zu sehen und spielte lediglich knapp 92.000 Dollar ein. Beim Streamingdienst Netflix erhielt der Film von den amerikanischen Zuschauern keine guten Bewertungen, nachdem die Kritik an dem Dreiteiler in den USA zuvor bereits teilweise vernichtend ausgefallen war.

"Unsere Mütter, unsere Väter" war für den International Emmy in der Kategorie "TV Movie/Mini-Series" nominiert und trat dabei gegen die brasilianische Produktion "Alexander and Other Heroes", das "Doctor Who"-Jubiläums-Special "An Adventure in Space and Time" der BBC sowie den japanischen Kandidaten "Radio" an.

Die Auszeichnung des ZDF-Werks zeigt, dass es zumindest deutsche Geschichtsdramen international mit anderen Fernsehproduktionen aufnehmen können. Und es war auch eine ZDF-Produktion, die 2009 den Preis für die beste Miniserie gewann: Das dreiteilige Doku-Drama "Die Wölfe" über die Geschichte einer Berliner Jugendbande.

mxw/dpa

insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
olicrom 25.11.2014
1. Bedauerlich
Ich kann mir das nur als politisch motivierte Entscheidung erklären. Unabhängig von der filmischen Qualität darf eigentlich eine historisch derart katastrophal missratene Darstellung (ein filmischer Persilschein reinster Güte) nie und nimmer einen solchen Preis bekommen. Unsere Mütter und unsere Väter waren Verbrecher. Wer, wenn nicht sie? Und keine Opfer, wie im Film dargestellt. Wo sonst kamen die Nazis her? Aus dem Weltall? Unterm Bett hervor? So in etwa will es der Film. Und genau das ist das Problem. Allein das so ein Film in Deutschland Förderung bekam, ist ein Skandal. Aber natürlich, so etwas tut der deutschen Seele gut. Wir haben ja auch eine AfD und gegen Juden darf man Gott sei Dank auch wieder was sagen.
KJB 25.11.2014
2. Vernichtende Kritiken in den USA
Ist mir schleierhaft wie der Autor zu dieser Schlussfolgerung kommt. Bei den beiden wichtigsten online Bewertungsplattformen wie bspw. rotten tomatoes und IMDB kommt die Miniserie bei U.S. Konsumenten verdammt gut weg, insbesondere bei Netflix U.S. konnte ich wie im Artikel behauptet kaum negative Kritiken finden. Filmkritiken sollte man generell nicht an einigen Filmkritikern der Presse festmachen da diese oft überhaupt nicht die Meinung der Masse teilen. Das Format war einfach nicht fürs Kino gemacht, aber als Miniserie kam das soviel ich weiß in den USA sehr gut an da z.T. vergleichbar mit "Band of Brothers".
vonhier 25.11.2014
3. Glückwunsch
Wer es anschauen mag. Ich habe es nicht gesehen. Ich kann sowas nicht mehr sehen. Schlicht zu viel fern geschaut. Ich brauche nichts mehr davon, hab genug für den Rest des Lebens. Trotzdem : Herzlichen Glückwunsch!
not 25.11.2014
4.
@olicrom Wenn ich so einen Schwachsinn schon höre. Filmischer Persilschein, ganze generationen von Vollblutnazis und Verbrechern. Wie kann man 80mio Menschen über einen Kamm scheeren und sie alle als Nazis und Verbrecher abtuen ? sowas zeugt von eingeschränktem Denken.....also genau so wie bei den Nazis ! Es ist leider nicht alles schwarz und weiß, es gibt viele Grautöne. Der Film war gut und zeigt den moralischen Verfall und die Zerstörung von Träumen. Und ja, der Film war balsam für die deutsche Seele. Denn mal ganz unter uns, nicht alle sind gleich gut- oder schlecht und ich finde es schön das man auch mal mit deutschen Soldaten im Film mitleiden kann anstatt sie ( alles böse nazis) zu hassen. Toller Film, mutiges Konzept und den Grammy wert !
jhea 25.11.2014
5.
Zitat von olicromIch kann mir das nur als politisch motivierte Entscheidung erklären. Unabhängig von der filmischen Qualität darf eigentlich eine historisch derart katastrophal missratene Darstellung (ein filmischer Persilschein reinster Güte) nie und nimmer einen solchen Preis bekommen. Unsere Mütter und unsere Väter waren Verbrecher. Wer, wenn nicht sie? Und keine Opfer, wie im Film dargestellt. Wo sonst kamen die Nazis her? Aus dem Weltall? Unterm Bett hervor? So in etwa will es der Film. Und genau das ist das Problem. Allein das so ein Film in Deutschland Förderung bekam, ist ein Skandal. Aber natürlich, so etwas tut der deutschen Seele gut. Wir haben ja auch eine AfD und gegen Juden darf man Gott sei Dank auch wieder was sagen.
Hab ich was verpasst? Das waren 5 junge Leute in dem Film die keine Nazis waren. Und nur um die ging es. Daher - Setzen 6. Es gibt genug andere Filme die andere Dinge des WW2 aufarbeiten. Den holocaust, Kriegsverbrechen, etc pp. Einfach mal auf Youtube suchen. Mir wurde fast schlecht als ich die paar ausschnitte aus War and Remembrance sah die ein Youtuber da hochgeladen hatte. Aber was uMuV damit zu hat, versteh ich nicht. Der einfache deutsche war mitnichten ein Nazi, sondern durch die Umstände gezwungen mitzumachen. Vielleicht hättest du mal besser deinen Opa gefragt wie das damals war, statt ihn als Nazi zu beschimpfen und zu verprügeln, bevor du soclh einen bockmist schreibst. (Ich unterstelle das jetzt einfach mal ;) aber wer solchen Bullshit schreibt, hat keine andere UNterstellung verdient)
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