ESC-Team Raab, Rakers und Engelke Labern, Lächeln, Lachen machen

Lautmaul Raab, Ladykracher Engelke und Nachrichten-Dame Rakers: Ein eigenartiges Trio wird einem Weltpublikum den deutschen Eurovision Song Contest präsentieren. Doch die drei werden ihre Sache gut machen, meint Peer Schader - zumal sie sich über die Fönfrisur-Regeln des Wettbewerbs hinwegsetzen.

DPA

"Guten Abend, Europa" - der Anfang ist eigentlich ganz einfach. Aber der Rest noch streng geheim: Wenn Anke Engelke, Judith Rakers und Stefan Raab am kommenden Samstag auf der riesigen Bühne in der Düsseldorfer Multifunktionsarena stehen, um das Finale des 56. Eurovision Song Contest zu starten, sehen schätzungsweise 120 Millionen Zuschauer zu. Bloß was genau das Moderatorenteam vorhat, um sein Publikum durch die größte Musikshow der Welt zu leiten, soll vorher auf keinen Fall verraten werden.

Anke Engelke ist kürzlich in einem Radiointerview sehr, sehr einsilbig geworden, als es darum ging, wer welche Rolle auf der Bühne übernimmt. Rakers hat im NDR kürzlich einfach gar nichts mehr gesagt, als sie von ihrem Kollegen vom "Hamburg Journal" dieselbe Frage gestellt bekam. Und wenn man Thomas Schreiber, den ESC-Beauftragten des NDR, darauf anspricht, folgt ein lustiges Gemurmel, dem man anmerkt, dass es auch ihm nicht ganz leicht fällt, den als Überraschung geplanten Ablauf für sich zu behalten.

Eines immerhin scheint sicher: Dass die drei ihren Job ganz gut machen werden. Nach dem Sieg für Deutschland im vergangenen Jahr gab es hitzige Diskussionen darüber, in welcher Stadt der ESC dieses Jahr veranstaltet werden sollte; darüber, dass Lena ihren Titel in Düsseldorf verteidigt, wird immer noch munter gestritten. Nur als der NDR im Dezember bekannt gab, wer die Show moderieren wird, meldete kaum jemand Bedenken an - obwohl die Konstellation zunächst einmal überraschend war, weil es sie in dieser Form bisher noch nicht gegeben hat.

Fast doppelt so viel Publikum wie in Oslo

"Der ESC findet dieses Jahr zwar in Deutschland statt, dabei wird aber gerne vergessen, dass die Moderationen in Englisch und teilweise französisch sind", sagt NDR-Planer Schreiber. "Die Moderatoren müssen also gewisse Sprachkenntnisse erfüllen." Anke Engelke ist in Montréal geboren und in Kanada aufgewachsen, spricht fließend Englisch und Französisch. Rakers, die den meisten Zuschauern aus der "Tagesschau" bekannt ist, kann auch noch Italienisch dazu.

Und Stefan Raab, äh - ja, der steht schon mit der englischen Sprache regelmäßig auf Kriegsfuß, wenn er in "TV total" Gäste aus dem Ausland begrüßt.

Macht nix, sagt Schreiber: "Wir legen es nicht darauf an, den Eindruck zu erwecken, dass unsere Moderatoren alle fehlerfreies Oxford-Englisch sprechen." Und abgesehen davon war für die Auswahl der Moderatoren mindestens ebenso entscheidend, dass sie mit einem großen Publikum umgehen können. In Norwegen waren 2010 etwa 18.000 Zuschauer in der Halle dabei, ein Jahr zuvor in Moskau rund 20.000. Im umgebauten Düsseldorfer Fußballstadion sind es nun über 35.000. "So eine Arena muss man als Moderator auch bespielen können", sagt Schreiber. "Dafür braucht es sowohl eine spezifische Bühnenerfahrung als auch eine absolute Live-Sicherheit."

Raab hat die unbestritten - allein durch seine Live-Events für ProSieben. Noch dazu co-moderiert er Jahr für Jahr den selbst initiierten Bundesvision Song Contest, wenn auch vor deutlich kleinerem Publikum. Spätestens seit sie mit Bastian Pastewka als Volksmusik-Drohne verkleidet den "Deutschen Fernsehpreis" moderiert hat, würde man Engelke vor der Kamera sowieso alles zutrauen.

Nur Rakers galt vielen als Überraschung in der Dreier-Konstellation. Kann die das? Auch wenn sie sonst im zuschauerlosen ARD-aktuell-Studio konzentriert die Nachrichten liest und vor brav klatschenden Zuschauern durch den Radio-Bremen-Talk "3 nach 9" führt? Schreiber ist sicher: "In der 'Tagesschau' zeigt Judith Rakers ein bestimmtes Spektrum ihrer Fähigkeiten. Sie darauf zu reduzieren oder zu sagen, das sei das einzige, was sie kann, wäre falsch."

Kenntnisreich, aber kein Fan

Mit seiner Moderatorenwahl setzt sich der NDR in diesem Jahr auf jeden Fall über sämtliche Fönfrisur- und Zahnpastalächeln-Regeln hinweg, von denen zumindest der sporadische ESC-Zuschauer der zurückliegenden Jahre annehmen konnte, dass es sie gibt. "Unser" Grand Prix ist seriös, witzig und charmant zugleich. Ach ja - und Ahnung von dem, was sie da präsentieren, haben die drei Profis auch noch.

Raab ist ja schon selbst im Wettbewerb angetreten, als Künstler genauso wie als Komponist. Wer im vergangenen Jahr die "TV total"-Folgen aus Oslo gesehen hat, der weiß, dass er nicht nur fast alle Teilnehmer auswendig kennt, sondern auch die eingängigsten, absurdesten Songs jederzeit auf der Gitarre nachspielen kann. Und seine beiden Co-Moderatorinnen, erklärt Schreiber, seien in ihren Familien früher so was wie die Grand-Prix-Beauftragten gewesen.

Nur eine Einschränkung gibt's: "Grundvoraussetzung ist sicher, dass man als Moderator zwar kenntnisreich ist, seine Position des Gastgebers aber nicht mit der des Fans zu verwechseln."

Weil es trotzdem nicht ganz einfach sein wird, eine Mammutshow mit 25 Künstlerauftritten, Stimmenvergabe sowie Pauseninszenierung (und vielleicht - wie im vergangenen Jahr - mit einem Zipfelmützenflitzer) im Griff zu behalten, müssen die Präsentatoren genauso oft proben wie die Sänger. Zumal sie auch die beiden Halbfinals moderieren, die am Dienstag und am Donnerstag live aus Düsseldorf gesendet werden. Insgesamt stehen allein neun Generalproben auf dem Plan. Und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass sich nachher noch ein Zuschauer außerhalb Deutschlands an die Moderatoren erinnert, noch geringer ist als die für den Gewinner der Show.

Oder wissen Sie noch, wer da vor einem Jahr in Oslo auf der Bühne eine überglückliche Lena in Empfang genommen hat?

Das Gute ist: Wenn's allen Proben zum Trotz in der Liveshow dann doch an ein paar Stellen hakt, hat Raab in der Woche darauf schon Material, das er in "TV total" verwenden kann. Damit nicht immer nur die übrige Promiwelt in den Genuss kommt, mit Versprechern auf einem seiner Schreibtisch-Buzzer zu landen.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wattläufer 09.05.2011
1. Esc
Sehr richtig erkannt ! Engelke übernimmt den intelligenten, witzige Teil. Raakers ist die seriöse, hübsche Person und Raab der absolute Vollprofi, der mehrfach bewiesen hat was er alles drauf hat und alles kennt. Sein Englisch ist zwar nicht so toll aber man versteht ihn und seine Gäste bei TV-Total ihn offensichtlich auch. Außerdem sind die meisten Zuschauer auch keine "native speaker'. Also was soll's. Mit diesem Dream-Team machen ARD/Pro-7 bestimmt nichts falsch. Ich hatte schon befürchtet Ina Müller moderiert...
Rooo 09.05.2011
2. Gute Wahl!
Bin auch positiv überrascht angesichts dieser Moderatoren-Wahl. Dieses Trio hat Charakter und das wird man bestimmt auch spüren, wenn sie moderieren. In den letzten Jahren wirkten die Moderatoren meist zu glatt geleckt.
minelli 10.05.2011
3. titel
raab + rest wirds machen. wenigstens moderiert nicht wieder die alde von unser star für oslo. das wäre mehr als peinlich geworden.
SteadyRollingMan 10.05.2011
4. ESC-Team Raab, Rakers und Engelke Labern, Lächeln, Lachen machen
Ich hoffe nur, dass Frau Rakers bis zum ESC so gut Englisch gelernt hat, dass sie nicht wieder dem Gewinner die Trophäe mit den Worten übergibt: "this is your price". So geschehen in Berlin bei der Verleihung des Bären an die ratlosen Take That Männer.
berlinsen 10.05.2011
5. Achtung Teekesselchen ;)
Zitat von SteadyRollingManIch hoffe nur, dass Frau Rakers bis zum ESC so gut Englisch gelernt hat, dass sie nicht wieder dem Gewinner die Trophäe mit den Worten übergibt: "this is your price". So geschehen in Berlin bei der Verleihung des Bären an die ratlosen Take That Männer.
Sie meinte ja auch nicht "this is your price" sondern "this is your PRIZE"... Phonetisch vielleicht dasselbe, trotzdem nicht falsch. Gibt ja auch den Nobel Peace Prize ;)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.