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Eurovision Song Contest: Die besten Bilder des Finales

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Eurovision-TV-Bilanz Vorspiel ödet an, Finale fetzt, Anke rockt

Für deutsche TV-Standards war die Show, die die ARD in Düsseldorf auf die Beine gestellt hat, sensationell. Bloß: Warum war das Programm im Vorfeld so einfallslos? Und wann bekommt Anke Engelke endlich den Samstagabend? Peer Schader bilanziert eine Fernsehwoche im Zeichen des ESC.

1. Titelverteidigung? Geht in Ordnung

Zehnter Platz, ein neues Image und ein Song, der sich von allen anderen dieses Abends abhebt - im Nachhinein war die raabsche Spontanidee der Titelverteidigung gar nicht so schlimm. Allerdings hätte man dem Publikum dafür vorher keine dreiteilige Lena-Show zumuten müssen, in der sie ausschließlich gegen sich selbst antritt.

Ein Großteil der Faszination für den ESC entstand im vergangenen Jahr durch die Talentsuche bei "Unser Star für Oslo". Dieses Auswahlverfahren zurückzuholen, gerne auch mit weniger Kandidaten als beim ersten Mal, wäre keine schlechte Idee. Die ARD hat schon bestätigt, dass sie dabei wäre - fehlt noch ProSieben. Höchste Zeit, dass Raab mal wieder eines seiner Spontan-Machtworte spricht.

2. Unser Fernsehen ist besser als sein Ruf

Was für ein Spektakel! Die große Bühne, die farbexplodierende Videowand, der zur Halle geöffnete "Green Room" - tatsächlich war dem Finale am Samstagabend anzumerken, dass sich vorher sehr viele Leute ganz genau überlegt haben, wie sie das europäische Publikum fesseln wollen. Und zwar nicht nur durch Lichtinszenierung und Feuerwerk. Die Eröffnung, bei der Raab mit Gitarre die große Bühne stürmte, um mit Bandbegleitung und 42 Lena-Doubles eine Rockabilly-Version von "Satellite" zu schmettern, war für deutsche Show-Verhältnisse geradezu sensationell.

So viel Fetz traut man den Senderverantwortlichen sonst kaum zu, vor allem nicht denen der ARD. Mit dem Bewusstsein, ganz Europa zeigen zu können, was man drauf hat, geht es plötzlich. Wenn sich das Erste bei seinen sonstigen Unterhaltungsshows künftig auch nur ein Zehntel der Mühe geben würde, die es für den ESC aufgebracht hat, wäre das ein Segen fürs Programm.

3. Unser Fernsehen ist genauso schlecht wie sein Ruf

Sämtliche Beteiligten müssen so intensiv mit der Vorbereitung der großen Show beschäftigt gewesen sein, dass keine Zeit mehr blieb, sich ein passendes Vorprogramm auszudenken. Da waren die Sondersendungen, "Die Show für Deutschland" (im Ersten) und "Eurovision total" (bei ProSieben), aber schon in die Programmzeitschriften gedruckt. Und mussten irgendwie gefüllt werden.

Zum Beispiel mit endlosen Wiederholungsschleifen von "Lenas Tagebuch": wie sie in den Delegationsbus einsteigt, wie sie wieder aussteigt, wie sie die "irren Iren" trifft, wie sie auf der "12 Points"-Party singt, wie sie selbstgemachten Kartoffelsalat verteilt, wie sie sich auf dem Schiff der Holländer umsieht, wie sie über den roten Teppich läuft, wie sie dem Bürgermeister die Hand schüttelt. "Sie werden schöne bekloppte Dinge erfahren", hatte Gastmoderator Frank Plasberg versprochen, als er am Donnerstagabend die Zeit bis zum Beginn des zweiten Halbfinals wegmoderieren musste. Danke für die Vorwarnung - aber hat denn niemand dran gedacht, dass es eine Alternative gewesen wäre, stattdessen einfach ein gutes Programm zu machen?

4. Öffentlich-rechtliche und private Sender sind keine natürlichen Feinde

Das wissen wir eigentlich schon seit dem vergangenen Jahr - aber sagen darf man das nicht zu laut. Weil sonst die ARD-Intendanten nicht mehr so schön auf den schäbigen Privatsendern mit dem üblen Programm rumhacken können, um sich davon abzugrenzen; und weil die Lobby der Privaten dann kein Zerrbild gieriger Gebührenfressmaschinen mehr zeichnen kann, die nur noch Innovationskraft beweisen, wenn es darum geht, mehr Geld zu verlangen. Also: Vergessen wir die ebenso friedliche wie ergiebige Kooperation von ARD und ProSieben schnell wieder. Sonst findet die am Ende noch Nachahmer.

5. Fernsehproduzent müsste man sein

Nachdem die Produktionsfirma Brainpool, an der Stefan Raab selbst beteiligt ist, mit "Wok-WM", "Stock Car Crash Challenge" und "Schlag den Raab" den Samstagabend bei ProSieben schon fast eigenmächtig gestalten kann und auch die Produktion des Song Contest im Ersten gut geklappt hat - wie rechtzeitig muss man sich jetzt bei Brainpool bewerben, um dieses Jahr zum Sommerfest eingeladen zu werden?

6. Anke Engelke gehört in den Samstagabend

Als die ARD nach dem Weggang von Jörg Pilawa im vergangenen Jahr neue Moderatoren für ihre Shows suchte, sind ihr die folgenden Namen eingefallen: Reinhold Beckmann, Sven Lorig, Ranga Yogeshwar, Frank Plasberg, Kai Pflaume. Und wann kommt im Ersten jemand auf die Idee, einen Platz im eigenen Programm an die Frau zu geben, die mit großem Charme 120 Millionen Zuschauer durch die aufwendigste Show des Jahres geführt hat? Vielleicht muss sich Anke Engelke aber auch erst noch als Mann verkleiden, um endlich gefragt zu werden.

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