Eurovisionshoffnung Lena "Ja, hallo, gute Nachricht, ich schlafe durch"

Es waren vier rasante Monate, jetzt wird's ernst für Lena Meyer-Landrut - aber der Stress perle einfach an ihr ab, sagt sie. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt die deutsche Eurovisionshoffnung, wie sie sich als Botschafterin ihres Landes fühlt und was sie von Kritik an ihrem Englisch hält.

DPA

SPIEGEL ONLINE: Lena, wie geht es Ihnen?

Meyer-Landrut: Mir geht's gut, bin ein bisschen müde, aber sonst ist alles gut.

SPIEGEL ONLINE: Sie schlafen auch gut?

Meyer-Landrut: Ja, ich bin sehr flexibel im Bettenschlafen.

SPIEGEL ONLINE: Schlafen Sie gar durch?

Meyer-Landrut: Ja.

SPIEGEL ONLINE: Eine gute Nachricht.

Meyer-Landrut: Ja, hallo, gute Nachricht: Ich schlafe durch.

SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen die Woche in Oslo offenbar nicht als Stress empfunden zu haben?

Meyer-Landrut: Doch, das ist auf jeden Fall Stress, für uns alle. Jeder ist hier gefordert, mehr gefordert als sonst. Aber es ist auf jeden Fall guter Stress. Mir gefällt's.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie, um Stress abzuwehren?

Meyer-Landrut: Mich nicht sehr um ihn kümmern. Einfach nicht so viele Meinungen zulassen.

SPIEGEL ONLINE: Sie können abschalten?

Meyer-Landrut: Ja, auf jeden Fall.

SPIEGEL ONLINE: Mit Musikhören?

Meyer-Landrut: Mit einfach nur Sein.

SPIEGEL ONLINE: Schauen Sie auf die vergangenen vier Monate zurück - haben Sie im Blick, was da im Januar in Ihrem Leben noch nicht war?

Meyer-Landrut: Im Januar war schon ein bisschen Vorspannung. Mir ist total aufgefallen, dass in den letzten Monaten unglaublich viel zu tun war, so unglaublich viel passiert ist, dass mir das so vorkommt, als wäre die "Unser Star für Oslo"-Show schon drei Jahre her. Ist aber gar nicht so.

SPIEGEL ONLINE: Erinnern Sie den Tag, an dem noch nicht Oslo, Eurovision Song Contest, "Satellite" und das Dasein als Star in Ihrem Leben waren?

Meyer-Landrut: Ja - und es war ganz normal. Aber auch die Tage, nachdem ich zum Casting ging, waren normal. Da war noch gar nicht der Gedanke ans Gewinnen da. Da war nichts im Rahmen der Möglichkeiten. Ich war doch nur hingefahren, um mal zu gucken, um mich mal auszuprobieren. Ich hatte ja die Mitteilung, dass ich genommen wurde, erst drei Monate nach dem Casting erhalten - und hatte das Ganze schon wieder vergessen.

SPIEGEL ONLINE: Vergessen?

Meyer-Landrut: Ja, ich hatte mir keinen Kopf gemacht und das Ding einfach vergessen. Ich hatte nicht damit gerechnet.

SPIEGEL ONLINE: Ist die große Bedeutung, die Schule sonst für Schüler hat, für Sie schon verblasst?

Meyer-Landrut: Ja, das ist verblasst, und das ist total geil. Schule ist natürlich was Gutes. Kinder, geht gerne zur Schule! Aber irgendwann, 11., 12, 13., war Schule für mich nur noch Horror. Ich hatte keinen Bock mehr. Und mich durchgequält, weil ich unbedingt Abitur haben wollte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben schon von Ihren Abi-Noten gehört?

Meyer-Landrut: Nein. Anfang Juni kommen sie. Ich habe Schiss davor, wie alle, die auf Noten warten.

SPIEGEL ONLINE: Welches Gefühl haben Sie - ging alles gut?

Meyer-Landrut: Ich habe kein Gefühl und ich mach' mir kein Gefühl. Nützt ja doch nichts.

SPIEGEL ONLINE: Sie machen, was Sie möchten?

Meyer-Landrut: Ja, sonst fühle ich mich nicht wohl. Ich bin ja kein Poser, zu posen finde ich total doof. Vor zwei Tagen, bei einer Party auf dem Windjammerschiff, da hab' ich gedacht, jetzt machste mal einen Scherz und hab' im Wind so die Arme wie in "Titanic" ausgebreitet, aber nicht realisiert, dass alle Fotografen zugucken - ich fand es nur lustig und übertrieben. Und plötzlich schreien alle, Lena, mach das noch mal, streck noch mal die Arme aus. Ich sag, nee, ich mach das doch nicht ernsthaft für euch, nur weil ihr das als Motiv ganz gut findet, und ich fühl mich dabei nicht wohl.

SPIEGEL ONLINE: Fanden Sie Oslo schön?

Meyer-Landrut: Ein bisschen frisch, aber ich hatte eine gute Mütze auf.

SPIEGEL ONLINE: Nervt es Sie, wenn Journalisten sich über Ihr Englisch mokieren?

Meyer-Landrut: Nö. Ich spreche so, weil mein Englischlehrer es mir so beigebracht hat. Das ist ein Dialekt wie im Deutschen einer, der aus München kommt. Und die Leute, die sagen, das hört sich scheiße an, da sage ich, das ist in Ordnung, die sollen das sagen. Aber ich sage ja auch nicht, dass ich aus London entsprungen bin. Ich war noch nie in London. Viele englische Journalisten finden das gut, wie ich Englisch spreche. Also: Ich habe da keinen Änderungsbedarf.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie in Oslo mit, dass Sie als Favoritin gehandelt werden?

Meyer-Landrut: Ja, aber das belastet mich nicht. Ich muss zufrieden sein mit dem, was ich mache, und das bin ich. Diese Favoritenrolle ist reine Spekulation, sie hat nichts Handfestes. Man erinnere sich an DJ Bobo aus der Schweiz - der favorisiert war und dann im Halbfinale rausflog. Ich mache mir selbst keine Hoffnungen, keinen Stress, lasse es auf mich zukommen - und verfolge die Strähne, die wir in Deutschland erwischt haben.

SPIEGEL ONLINE: Denken Sie gelegentlich schon an die Zeit nach dem Samstag?

Meyer-Landrut: Nein, nur an das, was in Oslo ist. Und das Warten ist das Schlimmste. Man ist so aufgeregt, aber meine Aufregung geht weg, wenn ich auf der Bühne bin. Die Halle ist riesengroß, aber wenn ich anfange, geht es los, dann bin ich nicht mehr nervös. Das ist schon alles sehr aufregend. Wenn man auf der Bühne steht, das Mikro in der Hand hat und es geht noch nicht los - dann kommen einem Sekunden wie Stunden vor.

SPIEGEL ONLINE: Beim Eurovision Song Contest werden Sie auch als Botschafterin für Deutschland empfunden. Behagt Ihnen diese Rolle?

Meyer-Landrut: Das macht mich glücklich.

SPIEGEL ONLINE: Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und der einzigen deutschen Eurovisionsgewinnerin, Nicole aus dem Saarland?

Meyer-Landrut: Die Haarfarbe bestimmt. Aber sich mit anderen Menschen zu vergleichen, ist immer eine schwierige Sache. Deswegen mache ich das, was mir gefällt - nicht das, was mir an anderen nicht gefällt.

SPIEGEL ONLINE: Was wird Montag sein, nach dem Eurovision Song Contest?

Meyer-Landrut: Fest geplant ist da nichts. Wir gucken mal. Eine Tour fände ich ganz schön, ein paar Gigs, ein paar Auftritte bei Festivals im Sommer.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihr Ausflug eigentlich Ihre Abiturreise?

Meyer-Landrut: Ja, könnte man sagen. Die eigentliche findet jetzt gerade statt. Schade, dass ich nicht mit dabei bin. Aber Oslo ist auch prima.

Das Interview führte Jan Feddersen

insgesamt 278 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Seifert 26.05.2010
1.
Zitat von sysopAuf Lena Meyer-Landrut ruhen diesmal die deutschen Song Contest-Hoffnungen - so sehr wie selten zuvor. Alle lieben Lena, aber reicht es für eine gute Platzierung in Oslo? Oder geht Lena baden wie viele deutsche Vertreter vor ihr?
Who,the fuck,is Lena??
++arthur 26.05.2010
2. Lena - reif für die Insel..
jetzt schickt Deutschland schon -kleine Mädchen- zur Vertretung.. es geht immer schlechter.. _z.B._ Nicole und Stefan Raab waren individueller als Lena mit ihrem 0815/pop-song.. (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_beim_Eurovision_Song_Contest) wer ernsthaft glaubt, sie würde sich mit ihrem geträlla einprägen, als kandidat der musikalisch deutschland vertritt, der muss echt verzweifelt sein - oder selbst nur HIT-Musik konsumieren.. am besten ist, wenn sie bei ihrem auftritt ein coca-cola/Nike-T-shirt trägt, wo drauf steht "Germany Rock's" mittelfeld wenn's gut läuft - meine einschätzung.. sollte sie wirklich gut abschneiden - zeigt dies nur wie erbärmlich/oberflächlich dieser Song-Contest geworden/ist.. ich habe nichts gegen lena - ihr lied im radio - o.k. - aber für diese veranstaltung hätte ich mir -etwas individuelleres- gewünscht.. mit kulutrellem und künstlerischem anspruch.. aber das würde dann zu der veranstalung wohl nicht passen. wenn lena "baden geht", ist das doch ehy spannender für die fans.. ---Zitat--- Überall bin ich rumgerannt wegen dir, hab mir sogar die Haare machen lassen, neue Unterwäsche gekauft … in blau … gleich am nächsten Tag hab ich sie angezogen. Ja, Liebster, du sollst wissen, ich kämpf um dich, hab sogar extra das Licht auf der Veranda für dich angelassen. Denn egal, ob du jetzt süß oder gemein zu mir bist, ich lieb dich einfach, so oder so. Liebster, ich muss dir einfach sagen, wie es um meine Gefühle steht, denn es ist nun mal einfach so, ich halte es keine Minute mehr aus, ohne dich. So wie ein Satellit im Weltall kreise ich ständig um dich herum. Und wenn ich dabei verglühe, wär's mir egal, denn ich halte es keine Minute mehr länger aus … ohne deine Liebe. Mich hat's einfach voll erwischt, und du sollst das Beste von mir bekommen, was ich habe. Klar, manchmal machst du mich auch wirklich traurig und verzweifelt. Aber anscheinend will ich es ja auch gar nicht anders. Ich hab mein Ziel klar vor Augen, mein Lieber. Mein Liebespfeil ist nur für dich bestimmt. Hab mir sogar extra für dich die Fußnägel lackiert, und zwar schon gleich am nächsten Tag. Wohin du auch gehst, ich folge dir. Gib du ruhig das Tempo vor, egal ob langsam oder schnell, kein Problem, ich bleib einfach an dir dran. Ja, du hast mich gepackt. Und ich werde alles mobilisieren, um auch dich anziehen, ich werde stärker sein als die Schwerkraft. Das ist reine Physik, da kannst du gar nichts machen. ---Zitatende--- http://www.hr-online.de/website/radio/hr3/index.jsp?rubrik=27752&key=standard_document_38875949
malbec freund 26.05.2010
3.
Zitat von sysopAuf Lena Meyer-Landrut ruhen diesmal die deutschen Song Contest-Hoffnungen - so sehr wie selten zuvor. Alle lieben Lena, aber reicht es für eine gute Platzierung in Oslo? Oder geht Lena baden wie viele deutsche Vertreter vor ihr?
Same procedure as every year. Wie oft muß Deutschland noch unter "ferner liefen" abschneiden bis man feststellt dass durch freundliche Nachbarschaftshilfe eines der Ost-Europäer wieder gewinnt. Es sind viele viele Länder die sich gegenseitig die Stimmen geben. Da kann singen wer will, Deutschland bekommt keine Stimmen von Nachbarn ! Wann begreifen die das endlich !
Rockker, 26.05.2010
4.
Zitat von malbec freundSame procedure as every year. Wie oft muß Deutschland noch unter "ferner liefen" abschneiden bis man feststellt dass durch freundliche Nachbarschaftshilfe eines der Ost-Europäer wieder gewinnt. Es sind viele viele Länder die sich gegenseitig die Stimmen geben. Da kann singen wer will, Deutschland bekommt keine Stimmen von Nachbarn ! Wann begreifen die das endlich !
Norwegen (2009) und Finnland (2007)? Wie konnten die gewinnen unter all den Gauner-Ossis?
trademark 26.05.2010
5.
Zitat von malbec freundSame procedure as every year. Wie oft muß Deutschland noch unter "ferner liefen" abschneiden bis man feststellt dass durch freundliche Nachbarschaftshilfe eines der Ost-Europäer wieder gewinnt. Es sind viele viele Länder die sich gegenseitig die Stimmen geben. Da kann singen wer will, Deutschland bekommt keine Stimmen von Nachbarn ! Wann begreifen die das endlich !
Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Nachbarn Deutschlands entweder nicht mitmachen oder so seltsame Dinge nach Oslo schicken, dass diese nicht weiterkommen! Also gibt es nicht so viele Nachbarn, die Deutschland wählen können. Ansonsten. Schweden und Finnland, Rockker trifft es ganz gut.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.