Finale im Nachtprogramm ARD verklappt "Im Angesicht des Verbrechens"

Beim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, von der Kritik gefeiert - für die ARD aber offenbar eine Last: Der Sender streicht Dominik Grafs Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens" einen Ausstrahlungstag - und versteckt das Finale im Nachtprogramm.

ARD/Julia von Vietinghoff

Hamburg/Berlin - Im Angesicht des Verklappens: Ausgerechnet bei der ambitionierten und hochgelobten Dominik-Graf-Produktion "Im Angesicht des Verbrechens" knickt die ARD ein und streicht der Krimireihe einen Ausstrahlungstag.

Nun läuft das Finale früher als geplant. Ein ARD-Sprecher bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Münchner Merkur". Die letzten drei Folgen der insgesamt zehn Episoden umfassenden Reihe sollen am 19. November hintereinander ab 21.45 Uhr ausgestrahlt werden. Ursprünglich war geplant, am 19. November die Folgen acht und neun zu zeigen und am 26. November dem Finale einen eigenen Sendeplatz zu gönnen.

Man verleihe der Serie so einen prägnanteren Schluss, hieß es von der ARD. Diejenigen, die von der Serie begeistert seien, müssten dann nicht noch eine Woche warten, um zu erfahren, wie die Geschichte ausgeht. Doch der Sprecher machte keinen Hehl daraus, dass die Einschaltquote nicht den Erwartungen entsprochen habe. Im Schnitt schalteten pro Episode 2,11 Millionen Menschen ein. Dieser Wert entsprach einem Marktanteil von 8,1 Prozent. Die ARD kam im Monat November bislang durchschnittlich auf 11,8 Prozent.

Das mäßige Abschneiden lag möglicherweise daran, dass die Krimireihe am späten Freitagabend ausgestrahlt wird, wenn die private Konkurrenz zum Teil mit starken Comedy-Programmen auftritt. Außerdem wurde die Krimiproduktion bereits vorab auf Arte ausgestrahlt - der deutsch-französische Kultursender fuhr damit gute Quoten ein und profitierte auch im Netz: Die meisten Abrufe (64.000) aus der Arte-Mediathek Arte +7 verbuchte "Im Angesicht des Verbrechens".

Die im russischen Mafia-Milieu von Berlin angesiedelte und von Regisseur Dominik Graf inszenierte Reihe hatte schon im Vorfeld der Ausstrahlung für Gesprächsstoff gesorgt: Weil die Herstellungszeit die Planungen überschritt, musste die Kölner Produktionsfirma Typhoon (Geschäftsführer: Marc Conrad) Insolvenz anmelden. Die Kritiker zeigten sich von "Im Angesicht des Verbrechens" jedoch angetan: Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises wurde die Reihe als bester Mehrteiler bewertet und erhielt eine Auszeichnung in der Kategorie "Besondere Leistung - Fiktion".

sha/dpa



insgesamt 51 Beiträge
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syracusa 11.11.2010
1. für eine Wiederholung sind 8% doch ganz gut
Zitat von sysopBeim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, von der Kritik gefeiert - für die ARD aber offenbar eine Last: Der Sender streicht Dominik Grafs Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens" einen Ausstrahlungstag - und versteckt das Finale im Nachtprogramm. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,728541,00.html
Die Krimireihe (eine Serie ist's ja wohl nicht) lief doch erst vor ein paar Wochen auf ARTE. Die meisten Leute werden mittlerweile doch wohl wissen, wie man eine Fernbedienung bedient, und werden das bei Interesse auch gefunden haben. Ich hab's auf ARTE gesehen und fand's gut.
Geometretos 11.11.2010
2. .
Kann es sein, daß Kritiker und Publikum - wie so oft - unterschiedliche Meinungen haben? Ich schaue realativ viel Krimis und habe eine Festplatte, mich hat der späte Termin also nicht gestört. Aber nach der (lobenden!) Ankündigung in der TV-Spielfilm war klar, daß ICH mir das nicht antun muß.
rainer_d 11.11.2010
3. jo. schon auf arte gesehen
Was dann der Re-run ein viertel Jahr später soll ist mir unbegreiflich. Die, die bei arte wegzappen, haben auch ARD+ZDF ganz hinten im Kanalspeicher. Fand die Serie aber voll cool. Besser als irgend so ein halb-grausig konstruiertes TV-Drama nach wahren Ereignissen.
frubi 11.11.2010
4. .
Zitat von sysopBeim Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, von der Kritik gefeiert - für die ARD aber offenbar eine Last: Der Sender streicht Dominik Grafs Krimiserie "Im Angesicht des Verbrechens" einen Ausstrahlungstag - und versteckt das Finale im Nachtprogramm. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,728541,00.html
Die richtig guten Sachen kommen sowieso in das Zeitfenster ab 23:00 Uhr. Bis auf Arte oder Phoenix zeigt kein andere Sender wirklich gute Sachen um 20:15. Zur PrimeTime läuft meistens nur Mainstream Müll, welcher dazu dient der breiten Masse eine Unterhaltung zu bieten, bei der der Kopf nicht mehr wirklich benutzt werden muss. Anders kann man sich Filme wie "Haialarm auf Mallorca" oder "Die Wanderhure" nicht erklären.
dolledern 11.11.2010
5. weiß nicht
ich bin gestern in der ard mediathek drüber gestolpert, und habe gleich 3 folgen hintereinander gesehen....trotzdem kann ich immer noch nicht sagen ob ich es mag oder nicht....aber es ist ägerlich das alle nur fette quoten haben wollen....und die sich nur mit rtl soap bullshit machen lassen
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