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20. Juni 2018, 11:53 Uhr

Berichterstattung über Einwanderungspolitik

Hollywood vs. Fox News

Berichte über Kinder von Migranten, die von ihren Eltern getrennt werden, lösen in den USA einen Sturm der Empörung aus. Nur der Sender Fox News verteidigt die Maßnahmen mit zynischen Worten.

Ferienlager gehören in den USA zu einem Sommer dazu. Zelten, spielen, in der Natur toben - Millionen amerikanischer Kinder erleben dort magische Ferien. Für Laura Ingraham, Moderatorin beim TV-Sender Fox News, sind die Lager, in denen die Kinder von Migranten von ihren Eltern getrennt untergebracht werden, genau das: Sommerferienlager.

Diesen Vergleich brachte die Moderatorin am Montag in ihrer Sendung "The Ingraham Angle". Wörtlich sagte sie: "Während immer mehr illegale Einwanderer an die Grenze drängen, werden mehr Kinder von ihren Eltern getrennt und zeitweise in Lagern untergebracht, die im Grunde Sommerferienlager sind."

Einen Tag zuvor hatte die Moderatorin Ann Coulter sich auf Fox News ähnlich zynisch geäußert. Sie bezeichnete weinende Kinder von Migranten als Schauspieler und sagte: "Fallen Sie darauf nicht herein, Herr Präsident."

Dass die Trump-Administration auf unbestimmte Zeit Kinder von ihren Eltern trennt und sie in eigens dafür eingerichteten Lagern interniert, ist mittlerweile das Top-Thema in den US-Medien. Die großen TV-Sender haben Reporter an die Grenze zu Mexiko geschickt und berichten ausführlich darüber.

Die Öffentlichkeit ist erschüttert von den Dramen, die sich abspielen. Die MSNBC-Moderatorin Rachel Maddow brach in Tränen aus, als sie eine Meldung vorlas, dass sogar Babies von ihren Müttern getrennt und in eigens dafür eingerichteten Lagern untergebracht werden.

In Hollywood regt sich derweil zunehmend Widerstand gegen die Berichterstattung von Fox News, seit jeher Haussender von Donald Trump. Zuletzt kritisierte Steve Levitan, Produzent der populären Fox-Fernsehserie "Modern Family", die Praktiken des Senders scharf. Auf Twitter schrieb er: "Es wird jeden Tag schwerer, die Unterstützung von Fox für die Waffenlobby, Verschwörungstheorien und Trumps Lügen herunterzuschlucken, während ich auf das Firmengelände fahre, um eine Show über Inklusion zu machen."

In einem weiteren Tweet kündigte er an, Fox nach dem Ende von "Modern Family" 2019 zu verlassen. Zuvor hatte bereits der Filmemacher Paul Feig ("Brautalarm") auf Twitter geschrieben, er könne die Unterstützung von Fox für die "Politik des Missbrauchs" der US-Administration nicht länger ertragen.

Der Produzent und Regisseur Judd Apatow ("Beim ersten Mal", "Dating Queen") forderte über Twitter den Boykott des Senders: "Fox ist der Motor hinter dem Kidnapping von Babies, Umweltzerstörung, Rassismus, dem Fehlen vernünftiger Waffengesetze, geheimen Absprachen mit Russland. Sie verteidigen das alles."

Als Erster hatte bereits vor einigen Tagen der Komiker Seth McFarlane getwittert, es sei ihm peinlich, für Fox gearbeitet zu haben. Mittlerweile positionieren sich immer mehr Schauspieler und Künstler öffentlich gegen die Immigrationspolitik der Trump-Administration, darunter Kristen Bell, John Cusack, Michael Moore und Stephen King. Kevin Costner, ehemals überzeugter Wähler der Republikaner, sagte in einem TV-Interview: "Ich erkenne Amerika gerade nicht wieder."

kae

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