Frank Elstner "Man soll im Show-Geschäft niemals nie sagen"

Er erfand "Wetten, dass...?" und legte Scharen von Promis bei "Verstehen Sie Spaß?" herein. Kommenden Samstag moderiert Frank Elstner die Sendung zum letzten Mal. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Österreicher, warum er an die Samstagabend-Show glaubt und wo er Nachwuchspotential sieht.

dpa

SPIEGEL ONLINE: Nach 45 Sendungen in sieben Jahren moderieren Sie am kommenden Samstag zum letzten Mal "Verstehen Sie Spaß?". Sind Sie wehmütig?

Elstner: Null. Ich habe vorher sechs Jahre lang "Wetten, dass..?" moderiert, ich habe sechs Jahre lang die "Montagsmaler" gemacht, nach einer gewissen Zeit tut es allen Beteiligten gut, wenn frischer Wind kommt. Wenn ich die Sendung nur moderiert hätte, hätte ich es vielleicht noch ein, zwei Jährchen gemacht. Aber ich habe koproduziert, das ist viel Arbeit. Ich habe vor kurzem geheiratet, jetzt hätte ich gerne mehr Zeit für die Familie.

SPIEGEL ONLINE: Fällt der Abschied leichter als damals bei "Wetten, dass..?", das Sie immerhin erfunden haben ?

Elstner: Damals habe ich mich selbständig gemacht und wusste nicht, was vor mir liegt, das Risiko war viel höher. Ich verabschiede mich jetzt ja nicht vom Fernsehen. Ich moderiere jede Woche am Samstagabend "Menschen der Woche", mit einer solchen Sendung kann man alt werden, weil hier Erfahrung zählt, nicht das "Hoppla, jetzt komm ich."

SPIEGEL ONLINE: Sie entwickeln zurzeit eine neue Sendung - ist die Zeit großer TV-Lagerfeuer nicht vorbei?

Elstner: Die gleiche Frage hat mir ein Journalist 1980 gestellt, da hatte Rudi Carrell gerade ein Tief, und Kulenkampff lief auch nicht mehr. Der Samstag ist tot, hieß es. Dann kam ich mit "Wetten, dass..?". Natürlich ist es heute schwieriger, die Lagerfeuergemeinde hat sich zersplittert, aber man soll im Showgeschäft niemals nie sagen. Ich glaube, dass es noch neue große TV-Events geben kann.

SPIEGEL ONLINE: "Verstehen Sie Spaß?" ist in die Jahre gekommen, Sie selbst wünschen sich mehr Luft für Kreativität. Braucht das Format eine Verjüngungskur?

Elstner: Ich bin in der Sendung nicht unruhig geworden, und wir gehören zu den stabilsten Programmen, die die ARD in der Unterhaltung überhaupt hat. Ich übergebe den Stab auf einem tollen Level, und mein Nachfolger Guido Cantz hat ein unglaublich freches Gesicht. Im Übrigen habe ich auch damals bei "Wetten, dass..?" keine klugen Ratschläge gegeben, was passieren muss, als Thommy Gottschalk übernommen hat. Ich werde Guido Cantz auch nicht ungefragt beraten, aber wann immer er etwas wissen will, kann er mich fragen.

SPIEGEL ONLINE: Welches Spiel mit der versteckten Kamera haben Sie selbst als besonders lustig in Erinnerung?

Elstner: Die Folge mit Mike Krüger. Er musste vom Münchner Flughafen zum Hotel "Bayerischer Hof", wir hatten einen Wagen präpariert, der ihn vorbei an überlebensgroßen Plakaten in die Stadt chauffierte, auf denen er für einen Sexshop Werbung machte. Er hat sich so aufgeregt, dass er noch im Auto seinen Anwalt angerufen hat, er kam mit hochrotem Kopf im Hotel an, aber wir sind immer noch gute Freunde.

SPIEGEL ONLINE: Einer Ihrer Zuschauer verstand offenbar gar keinen Spaß und drohte mit Klage, weil sie in einer Sendung mit einer Windmaschine aus einem Gulli den Damen den Rock hochwehen ließen.

Elstner: Es gehört dazu, dass Leute mal keinen Spaß verstehen, sonst wäre es ja auch zu leicht.

SPIEGEL ONLINE: Hat es Sie bekümmert, dass Sie nie zum großen Moderatoren-Triumvirat Schmidt, Gottschalk, Jauch gehörten?

Elstner: Ich kann mich erinnern, dass vor zwei Jahren mal ein Triumvirat mit Gottschalk, Jauch und mir gezeigt wurde - aber ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich als Star feiern lassen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Nachfolger ist Comedian und hat bisher vor allem für Sat.1 und das ZDF gearbeitet. Bringt die ARD nicht mehr genug eigene Nachwuchskräfte hervor?

Elstner: Wenn es überhaupt jemand kann, dann die ARD mit ihren vielen dritten Programmen. Dort gibt es sehr viele Begabungen, und ich bin mir sicher, dass es auch noch die eine oder andere Überraschung geben wird. Im Fall von "Verstehen Sie Spaß?" ging es aber darum, dass man nach dem Dino Elstner nicht einen blutigen Anfänger haben wollte. Und die Entscheidung für einen Comedian hat nichts mit unserer Nachwuchsausbildung zu tun, das war eine Entscheidung des Unterhaltungschefs, an der ich nicht mitgewirkt habe. Die Idee kann zu einhundert Prozent aufgehen, wenn die Zuschauer es annehmen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind 67, wie lange wollen Sie selbst noch Fernsehen machen?

Elstner: Solange mir etwas einfällt und solange mich noch jemand nimmt. Ich werde mich aber nicht aufdrängen. Wenn das Publikum mich nicht sehen möchte, mache ich lieber Urlaub auf Mallorca.

Das Interview führte Isabell Hülsen



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