Film- und Fernsehregie Männer bleiben weiter unter sich

Filme von Frauen sind weiterhin die Ausnahme in Fernsehen und Kino. Das ist das Ergebnis der Studie, die der Bundesverband Regie zur Geschlechterverteilung in seinem Berufsfeld erstellt hat
Maria Schrader (Mitte) bei den Dreharbeiten zu ihrem Debütfilm "Liebesleben"

Maria Schrader (Mitte) bei den Dreharbeiten zu ihrem Debütfilm "Liebesleben"

Foto: imago

Sie sind die deutschen Regie-Stars des Jahres: Maria Schrader und Maren Ade haben 2016 künstlerisch und kommerziell erfolgreiche Kinofilme vorgelegt, die sogar beide Oscar-Einreichungen sind - Ades "Toni Erdmann" geht für Deutschland, Schraders "Vor der Morgenröte" fürs Österreich ins Rennen. An diesem Mittwoch werden beide schon einmal mit dem Herbert-Strate-Preis für ihre Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet. Am Gesamtbild ändern diese Erfolge jedoch nichts: 2015 stammten nur 15,7 Prozent der Kinofilme von Frauen.

Zu diesem Ergebnis kommt der soeben veröffentlichte dritte Diversitätsbericht des Bundesverbandes Regie. Laut des Berufsverbandes zementiert sich damit das Bild eines vor allem von Männern geprägten Berufsstandes, obwohl an den staatlichen Filmhochschulen seit den Neunzigerjahren mehr als 40 Prozent Frauen ausgebildet werden.

Im Fernsehen ist es um die Quote von Frauen bei Regiearbeiten nicht besser bestellt. Bei der ARD inszenierten Frauen im Jahr 2015 nur 15 Prozent der gesamten fiktionalen Primetime-Produktionen, immerhin aber ein Anstieg zu früheren Jahren. Beim ZDF stagniert die Quote bei zwölf Prozent.

Auch bei den Privatsendern sieht es düster aus

Nach wie vor sind Frauen vor allem im Krimibereich der beiden öffentlich-rechtlichen Sender auf Regieposten kaum präsent - so wurde etwa im Jahr 2015 kein einziger "Polizeiruf" von einer Frau inszeniert. Auch Formate, die bei Sendern als frauenaffin gelten, wie das "Herzkino" am Sonntagabend im ZDF oder der freitagabendliche Unterhaltungsfilm in der ARD, werden zu 85 Prozent von Männern betreut.

Immerhin bewegt sich die ARD. Beim "Tatort" hat die ARD bereits Ende 2015 Besserung gelobt. Bis 2018 soll bei jedem fünften "Tatort", "Polizeiruf 110" oder ARD-Mittwochsfilm eine Frau Regie führen. Auch die ARD-Tochter Degeto führte im Sommer 2015 eine Frauenquote ein.

Bei den privaten Sendern, die der Bericht dieses Jahr erstmals untersuchte, sieht es nur auf den ersten Blick besser aus. Zwar liegt der Regisseurinnenanteil etwa bei RTL mit 31,5 Prozent deutlich höher. Allerdings arbeiten Frauen dort vorwiegend im weniger gut bezahlten Genre der Daily Soaps wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". In der prestigeträchtigen Primetime inszenierte auch bei RTL keine einzige Frau einen TV-Film.

Der Zusammenschluss von Regisseurinnen in Deutschland, Pro Quote Regie, kommentierte die Ergebnisse kritisch. "Es muss sich noch viel tun", so Vorstandsmitglied Barbara Rohm. "Besonders die mit öffentlichen Geldern finanzierten Sender sollten die Lage endlich ernst nehmen."

Pro Quote Regie fordert, in der anstehenden Novelle des Filmfördergesetzes für gesetzliche Vorgaben zu sorgen, damit die Situation sich nachhaltig ändert. Eine paritätische Besetzung der Gremien, wie bisher als einziges Mittel vorgesehen, werde nicht ausreichen. "Werke von Frauen werden lange vor der Einreichung übersehen. In Form von Zielvorgaben und extra Einreichterminen für Frauen, wie in Schweden seit Jahren erfolgreich praktiziert, sollte das Filmfördergesetz klare Anreize für Produzenteninnen, Produzenten und Sender setzen", so Rohm.


Der 3. Regie-Diversitätsbericht steht hier zum Download  bereit.

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