Sex-TV-Talk mit Paula Lambert Stößchen!

5000 Orgasmen, alle Wetter! Statt auf starke Gespräche setzt TV-Talkerin Paula Lambert auf, nun ja, eindrückliche Zahlen. So bleibt ihre Show "Paula kommt", beworben als "erstes weibliches Sex-Talk-Event im deutschen Fernsehen", ohne Erkenntnisgewinn - und der nackte Mann im Studio ohne Nutzen.

Sixx

Von Else Buschheuer


Drolliger Anblick: Auf einem goldenen Sofa sitzen Schneeweißchen und Rosenrot, ins Gespräch über männliche Ärsche vertieft. Im Hintergrund, genau zwischen ihnen, steht unbeachtet ein nackter Mann. Gefällt er ihnen nicht? Wissen sie überhaupt, dass er da ist? Werden sie ihn gleich bitten, sich umzudrehen, sein Hinterteil zu zeigen, werden sie gar in dieses Hinterteil hineinbeißen, als Persiflage auf männlichen Sexismus oder, besser noch, aus unbändigem sexuellen Appetit?

Paula Lambert, Sexkolumnistin für das Männermagazin "GQ", wird in sechs Folgen "Paula kommt" bei dem Frauensender Sixx jeweils eine Frau zu jeweils einem Thema befragen. In der ersten Folge, die voraufgezeichnet wurde und am Freitag ausgestrahlt wird, geht es um den Orgasmus. Und tatsächlich: Lambert ist jemand, dem man sich spontan anvertrauen will. Sie verbindet die sauerländische Mütterlichkeit Birgit Schrowanges mit der patenten Frischgeduschtheit der RTL-Wettermoderatorin Maxi Biewer. Weil sie aber auch "das erste weibliche Sex-Talk-Event im deutschen Fernsehen" (Presseheft) sein muss, prollt sie gleich rum, dass sie schon 4000 bis 5000 Orgasmen hatte.

5000 Orgasmen, alle Wetter! Was sind schon Rolf Edens 3000 Geliebte gegen Paula Lamberts 5000 Orgasmen? Paulas Gesprächspartnerin ist Hotelfachfrau Chrissi, eine fröhliche, mit Sternchen-Tattoos übersäte Münchnerin, die erst kürzlich ihren ersten Orgasmus erlebte und die restlichen 4999 unmittelbar vor sich hat. Die beiden Frauen begrüßen sich in Swingerclub-Kulisse mit Bussi-Bussi, dann wird mit Sektflöten angestoßen.

Vaginal, klitoral, g-punktual

In einer Art Schnellfragerunde, dem "Quickie Talk", fragt Paula Chrissi nach Lieblingsstellung (von hinten), Zahl der Partner (ungefähr 20 bisher) und Analsex (steht Chrissi nicht drauf). Paula steuert bei, dass für viele Frauen das erste Mal "ziemlich Grütze" gewesen sei, dass zu lautes Schreien vom inneren Gefühl ablenkt, dass tiefe Atmung den Orgasmus intensivieren kann (Fünf! Tausend! Stück!) und dass nur ein unsensibler Vollidiot nicht merkt, wenn der Orgasmus seitens der Frau vorgetäuscht wird.

Zwischendurch werden immer mal wieder drei Omas gezeigt, die sich gegenseitig kichernd anfeuern, das Wort "Orgasmus" zu sagen, dann gibt es Einspieler, die den Orgasmus von allen Seiten beleuchten - vaginal, klitoral, g-punktual -, schließlich kommentieren Chrissi und Paula wieder. Inzwischen sind die beiden auf die goldene Swingerclub-Couchgarnitur gewechselt und plötzlich - pling - steht der nackte Mann da. Jetzt geht es los, denken die Zuschauer da, jetzt beginnt der praktische Teil.

"Gefällt dir dieser Penis?", wird Paula gleich fragen, den Nacktmann spontan am Zipfel zupfen und TV-Geschichte schreiben. Dann schlurfen die frivolen Omas ins Bild und mit ihnen ein neuer, nie dagewesener Blickwinkel auf den Homo Eroticus. "Gute Nacktgeschichten" - das ist ja schließlich der Untertitel von Paulas Show.

Der unbenutzte Mann

Doch nein, nichts von alledem passiert. Verloren steht der nackte Mann in der Landschaft. Er wird nicht etwa mutwillig ignoriert, dazu ist die Sendung nicht ironisch genug. Er wird einfach vergessen. Der Mut spontaner Spielereien, die Intelligenz einer zweiten Ebene fehlt.

Stattdessen wikipedelt man vor sich hin: 47 Prozent aller Frauen erreichen ihren ersten Orgasmus durch Masturbation. 134 Orgasmen pro Stunde ist der Rekord bei Frauen. Vier Sekunden dauert der männliche Orgasmus im Schnitt (im Vergleich dazu: 30 Minuten beim Schwein). 17 Liter Sperma vergießt ein Mann in seinem Leben.

Einen Rammler, da sind sich Chrissi und Paula einig, will jedenfalls keiner. Nach Mann darf er riechen, das ja, und ein Apfelpo wäre nicht schlecht. Der nackte Mann steht immer noch herum. Wir werden nicht erfahren, welchem Obst sein Hintern gleicht. Er wird nicht befragt, nicht berührt, nicht beschnuppert. Hoffentlich verkühlt er sich nicht. Chrissi erklärt Paula lieber die "Schmetterlingstechnik", mit der ihr Freund sie oral stimuliert. Paula versucht, anzüglich zu werden: "Kann man den ausleihen?"

Zum Ende der Sendung hin lümmeln Chrissi und Paula auf dem Swingerclub-Bett. "Das Leben", resümiert Paula, "besteht aus mehr als aus Orgasmus." Der nackte junge Mann ist fort. Die Neugier ist versiegt. Das erste weibliche Sex-Talk-Event im deutschen Fernsehen ist ziemlich Grütze. Oder, um mit Shakespeares Romeo zu sprechen: "So unbefriedigt lässt du mich zurück?"


"Paula kommt", Freitag, 22.30 Uhr, Sixx



insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
neanderspezi 07.11.2013
1. Immer wieder interessant, welchen Themen sich die Weiblichkeit zu widmen bereit ist
Vielleicht werden die XX-lerinnen gar nicht in dieses Thema Sex und was darunter geht publikumswirksam hineingetrieben, weil sich die Xy-ler schwer tun sich darin zurecht zu finden, sondern es ist ihnen, wie sagt man, eine Herzens- und Schmerzensangelegenheit intimster Art, Stoff für brühendheiß ersehnte Glückseligkeit und damit Thema Nummer eins, da geht nichts drüber. Da muss sich Xy nicht einmal den Mund abwischen über soviel aufgetragene und ausformulierte Lust und Leidenschaft, sondern kann sich dieser Erkenntnisschwere einfach minderbegabt hingeben wie ein unzureichend entwickeltes Erdenkind, dem eben höchste Genussfähigkeit durch eine unglücklich arrangierte Chromosomenkombination niemals nicht zustatten kömmt.
WaldemarIdar 08.11.2013
2. Wen interessieren diese aufgepimpten Damen denn noch?
Doch nur solche Typen wie Dieter Bohlen und Stefan Raab. Und den Haufen Schwuler, die als Claque von Damen ihr Geld verdienen. Realität und Fernsehen haben kaum noch was gemeint. Fernsehmacher leben in ihrer eigenen selbst geschaffenen Käseglocke. Bis sie dass erkennen und dann Pilgerwege gehen, um mal wieder normale Menschen zu treffen.
Illya_Kuryakin 08.11.2013
3.
Wenigstens nicht Zwangsgebührenfinanziert.
pw1987 08.11.2013
4. optional
Und irgendwo sitzt grade Alice Schwarzer überlegend, ob man das Fernsehen verbieten kann.
keyser sosze 08.11.2013
5. also ich weiss nicht...
4 bis 5 tausend orgasmen? ich habe mal nachgerechnet: ich hatte in den letzten 25 jahren ca 6500 bis 9000 orgasmen. wenn ich pro orgasmus ca 4 sekunde komme, dann waren das bisher schon ca 7 bis 10 stunden nur orgasmus. ist die zahl den wichtig? ich habe nichts gegen sex-talk, aber fuer mich hoert sich das alles leicht prollig an. muessen denn frauen in deutschland alles genauso machen wie die maenner, also zB mit zahlen um sich werfen (meiner ist 18cm lang!)? ich hatte schon seit laengerem keine beziehung (und keinen sex) mehr mit einer deutschen frau, irgendwie ist mir das immer zu grobschlaechtig gewesen. aber: wem's gefaellt...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.