Langjähriger WDR-Intendant Fritz Pleitgen ist tot

Er war eine der prägenden Persönlichkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland: Der TV-Journalist Fritz Pleitgen ist im Alter von 84 Jahren gestorben.
Fritz Pleitgen (1938–2022): Seit 1963 beim WDR

Fritz Pleitgen (1938–2022): Seit 1963 beim WDR

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Jörg Carstensen / picture-alliance / dpa

Der frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen ist tot. Pleitgen sei am Donnerstag im Alter von 84 Jahren gestorben, teilte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Freitag in Köln mit. Pleitgen hatte seit 1963 als Journalist beim WDR gearbeitet und war von 1995 bis 2007 dessen Intendant – er galt als einer der einflussreichsten deutschen Journalisten und Medienmacher.

Der 1938 in Duisburg geborene Pleitgen wuchs in beengten Verhältnissen auf, die Familie wurde zeitweise nach Schlesien evakuiert und kam nach dem Krieg zurück, ins ostwestfälische Bünde. In der zwölften Klasse verließ er ohne Abschluss das Gymnasium, weil er bereits als Mitarbeiter der Bündener Lokalredaktion der in Bielefeld erscheinenden »Freien Presse« tätig war. Dort volontierte er auch und wurde 1961 Redakteur. Zwei Jahre später kam dann der Wechsel zum Westdeutschen Rundfunk, dem Pleitgen bis zum Ende seines Berufslebens treu blieb.

Pleitgen galt als Symbolfigur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Garant für glaubwürdigen Journalismus im Fernsehen. Er war lange Zeit ARD-Korrespondent. Ab 1970 berichtete er aus Moskau über die Sowjetunion, begleitete den Kremlchef Leonid Breschnew auf Auslandsreisen und knüpfte Kontakte zu namhaften Dissidenten. 1977 wechselte Fritz Pleitgen nach Ost-Berlin. Von dort aus wich er wegen der stark eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten und Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst mit seinem Team gelegentlich auf Features über ostdeutsche Landschaften wie Rügen, den Harz oder das Erzgebirge aus.

1982 tauschte Pleitgen seinen Platz mit dem Washington-Korrespondenten Peter Merseburger. Seine Zeit in den USA war geprägt von der mitunter kritischen Berichterstattung über Ronald Reagans offensive Weltpolitik, welche dem SPD-Mitglied Pleitgen aus rechten Kreisen den Vorwurf »antiamerikanischer Untertöne« einbrachte.

»Wollte gar kein Hierarch werden«

Anschließend war er bei seinem Heimatsender, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR), Chefredakteur, Hörfunkdirektor und dann zwölf Jahre lang Intendant. In dieser Zeit setzte er sich unter anderem für den Aufbau der Regionalstudios ein – das Motto hieß: »Wir schalten nach nebenan«. »Dabei wollte ich gar kein Hierarch werden«, versicherte er einmal der Deutschen Presse-Agentur. »Ich wollte immer nur Journalist sein. Die Ämter habe ich aber gerne ausgeübt.«

Tom Buhrow, der heutige Intendant des WDR, würdigte Pleitgen als hoch angesehenen Rundfunkmanager, Korrespondenten und politischen Journalisten, der den WDR entscheidend geprägt habe.

Fritz Pleitgen als Moderator einer »Brennpunkt«-Sendung zum Golfkrieg 1991

Fritz Pleitgen als Moderator einer »Brennpunkt«-Sendung zum Golfkrieg 1991

Foto: Horst Galuschka / IMAGO

Dem Fernsehpublikum ist Pleitgen unter anderem durch zahlreiche Moderationen von »Brennpunkt«-Sendungen oder dem ARD-»Presseclub«, den er bis 2006 moderierte, in Erinnerung.

»Gesicht des Reviers« im Kulturhauptstadtjahr

Sein letztes Großprojekt war die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Hier war er von 2007 bis 2011 Vorsitzender der Geschäftsführung und als solcher »das Gesicht des Reviers« im Kulturhauptstadtjahr. Es ging ihm darum, überholte Vorstellungen vom einstigen »Kohlenpott« abzubauen und neue Bilder vom Ruhrgebiet um die Welt zu schicken. Als im Kulturhauptstadtjahr 21 Menschen bei der Loveparade-Katastrophe starben, fuhr Pleitgen als einer von wenigen sofort an die Unglücksstelle und räumte öffentlich eine moralische Mitverantwortung ein.

2020 machte Pleitgen, der damals ehrenamtlicher Präsident der Deutschen Krebshilfe war, eine Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs öffentlich. Bis zu seinem Tod hatte er in Bergisch Gladbach gelebt.

Fritz Pleitgen hinterlässt seine Frau, drei Söhne und eine Tochter. Sein Sohn Frederik Pleitgen ist ebenfalls Fernsehjournalist. Als er 2018 als CNN-Korrespondent nach Moskau ging, gestand der Vater: »Ich beneide ihn darum.«

feb/AFP/dpa
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