"Frontal 21" Wirbel um zurückgezogenen Bericht über AfD-Politiker

Eigentlich sollte am Dienstagabend in der ZDF-Sendung "Frontal 21" ein kritischer Beitrag über den AfD-Politiker Tino Chrupalla laufen. Dann wurde er gestrichen. Langsam klärt sich, was dahinter steckt.

AfD-Politiker Tino Chrupalla: "Die Recherchen laufen noch"
Kay Nietfeld/ DPA

AfD-Politiker Tino Chrupalla: "Die Recherchen laufen noch"


Hat das ZDF dem Druck einer Anwaltskanzlei, die auch für die AfD im Einsatz ist, nachgegeben und einen kritischen Beitrag über einen AfD-Politiker zurückgezogen? Das legte ein Tweet des "Tagesspiegel"-Journalisten Matthias Meisner nahe, der am Mittwochvormittag für Wirbel sorgte.

Für die Ausgabe des Politmagazins "Frontal 21", die am Dienstagabend im ZDF lief, war zunächst ein Beitrag über Tino Chrupalla angekündigt worden: Ehemalige Weggefährten des Anwärters auf den AfD-Parteivorsitz würden laut Sender schwere Vorwürfe gegen ihn erheben - er habe den Kreisverband Görlitz wie eine Sekte geführt, Kritiker seien mundtot gemacht worden.

In der betreffenden Sendung lief jedoch kein Beitrag über Chrupalla, sondern über den Spendenskandal, in den die AfD seit Monaten verwickelt ist. Hatte eine Unterlassungserklärung, die die Anwaltskanzlei Höcker dem ZDF vor der Sendung zukommen ließ, den Beitrag gekippt? Zumindest präsentierte Meisner auf Twitter das Foto einer Unterlassungserklärung.

Spekulationen, die AfD oder Tino Chrupalla hätten eine Berichterstattung des ZDF verhindert, wies der Sender nun zurück und stellte klar, man habe die vom "Tagesspiegel" veröffentlichte Unterlassungserklärung nicht unterschrieben.

Tino Chrupalla wiederum betonte in einem Statement, das ZDF habe eine Unterlassungserklärung abgegeben, wenn auch nicht die von Meisner öffentlich gemachte. Das ZDF habe "vielmehr eine eigene strafbewehrte Unterlassungserklärung verfasst und diese gestern (gegen 14:00 Uhr) unterzeichnet per Telefax übermittelt." Es liege also eine rechtswirksame Unterlassungserklärung vor. Diese beziehe sich auf die Vorab-Veröffentlichung einer Sendungsankündigung.

"Richtig ist, dass das ZDF einen Online-Text zurückgezogen und sich verpflichtet hat, eine Stellungnahme von Tino Chrupalla abzuwarten und ggf. zu berücksichtigen, also ohne Abschluss der Recherchen die Ankündigung nicht mehr zu publizieren", heißt es in einem Statement des Senders.

Chrupalla schrieb in seiner Stellungnahme, er habe innerhalb der von "Frontal 21" eingeräumten Frist geantwortet und "die falschen Vorwürfe" entkräftet. Zeitgleich habe er das ZDF abgemahnt, weil es die Vorwürfe trotz der laufenden Frist bereits veröffentlicht habe.

Das ZDF betonte in seinem Statement zum Fall: "Die Recherchen laufen noch, dementsprechend ist eine Berichterstattung weiter möglich."

Hinweis der Redaktion: Wir haben die Wiedergabe des Tweets von Matthias Meisner präzisiert. Zudem haben wir die Meldung um das Statement von Tino Chrupalla ergänzt.

hpi



insgesamt 25 Beiträge
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les2005 27.11.2019
1. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!
Ja ja, die unermüdlichen Kämpfer für die Meinungsfreiheit der AfD... Wobei es hier ja hoffentlich um Fakten, nicht um Meinungen gehen würde. Genau das ist natürlich das Problem der AfD - Fakten stehen der verqueren Weltsicht dieser Sekte immer nur entgegen.
pizzerino 27.11.2019
2. AfD ist AfD
Und wie die ihren Laden intern führen ist mir mit Verlaub komplett Wurscht. Das ist doch wieder Wasser auf den falschen Mühlen.
raoul2 27.11.2019
3. Auch als AfD-Gegner
finde ich es okay, wenn das ZDF sich dazu herabläßt, auf eine Stellungnahme des betreffenden Herrn zu warten und diese ggf. in einen später auszustrahlenden Bericht einzuarbeiten, statt sich auf die sattsam bekannten "Spielchen" der Rechtsaußen-"Politiker" mit wochenlangen "Streitereien" einzulassen. Die dem Herrn Chrupalla eingeräumte Frist zur Beantwortung darf nach diesem "Teaser" natürlich nicht zu lange dauern. Insofern bin ich sehr gespannt auf den - hoffentlich bald - auszustrahlenden Beitrag bei "frontal 21".
schroedingers_katze 27.11.2019
4. Das ist einfach seriöser Journalismus.
Zitat von les2005Ja ja, die unermüdlichen Kämpfer für die Meinungsfreiheit der AfD... Wobei es hier ja hoffentlich um Fakten, nicht um Meinungen gehen würde. Genau das ist natürlich das Problem der AfD - Fakten stehen der verqueren Weltsicht dieser Sekte immer nur entgegen.
Haben Sie die Stellungnahme des ZDF nicht gelesen oder verstanden? Die holen vor Sendung des Beitrags eine Stellungnahme beider Seiten ein. Kann ja sein, daß dann als Resümee die Stellungnahme dieses Herrn Chrupalla unglaubwürdig erscheint - oder eben die der anderen Seite. Daß das ZDF aber schon wg. der journalistischen Seriosität und Glaubwürdigkeit beide Seiten zu Wort kommen lassen will, halte ich nur für eine Selbstverständlichkeit. Und deshalb wird der Beitrag halt erst gesendet, wenn er i.o.S. fertig ist.
fr14229 27.11.2019
5. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!
Welche Fakten stehen denn der verqueren Weltsicht der AfD entgegen? Welche Weltsichten sind denn bei der AfD verquer? Eine Behauptung in diesem Sinne, sollte man auch mit "Fakten" belegen. Erst dann weiß man doch, was der Kommentator selbst für eine Weltsicht hat und welche Fakten man prüfen sollte. Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!
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