Die finale Staffel "Game of Thrones" liefert das beste Ende überhaupt

Drei Gründe, warum all dein Hass in Rauch aufgehen sollte.

Dieser Beitrag wurde am 20.05.2019 auf bento.de veröffentlicht.

Am Ende ist der Thron ein Bleihaufen, Jon im Schnee und ein Rollstuhlfahrer, der in der Vergangenheit lebt, entscheidet über die Zukunft von Westeros. Und ganz ehrlich: Ich finde das richtig gut. 

"Game of Thrones" hat mit der finalen Staffel einen gelungenen Abschluss bekommen – und wer über die letzten Folgen lästert, war wohl nie Fan um der Charaktere willen.

Zuletzt gab es an der finalen Staffel viel Kritik. Nachdem viele Fans jahrelang eine immer größer werdene Welt rund um Westeros und Essos entdecken durften – und einen zwielichtigen Charakter nach dem anderen kennenlernten – schrumpfte das Epos nun auf wenige Personen und Ereignisse zusammen.

Zu rasch, zu verwirrend und vor allem zu lieblos seien die letzten sechs Episoden abgearbeitet worden, sagen nun Fans wie Serienkritiker. Manch einer unterzeichnet gar eine Online-Petition – wie mein Kollege Basti:

Klar, man kann den Serienverantwortlichen David Benioff und D. B. Weiss tatsächlich viele Logikfehler vorwerfen: Warum wurden die Dothraki in der Schlacht von Winterfell zwar effektvoll, aber militärstrategisch sinnlos ausradiert? Und warum waren sie dann am Ende doch wieder so zahlreich vertreten? Und warum galten die Weißen Wanderer seit der ersten Staffel als die ultimative Bedrohung – und am Ende war der viel zitierte kommende Winter nur ein Graupelschauer?

Aber wer sich daran aufreibt, verkennt die eigentlichen Stärken der finalen Staffel: Mit dem Abschluss wird in den Königslanden ein Versprechen auf echte Gleichberechtigung eingelöst. Es werden die Charaktere gewürdigt, die viel zu lange im Schatten blieben – und ein Abgesang auf Populismus und Despotismus gestartet, der aktueller nicht sein könnte. 

1 "Game of Thrones" hat die Figuren, die wir lieben lernten, zu einem sinnigen Ende verholfen.

Du mochtest die Mutter der Drachen. Nun bist du verwundert, wie sie in nur zwei Folgen zum Mini-Hitler werden konnte, Teufelsschwingen und rote Stoffbanner, die nicht ganz zufällig ans dritte Reich erinnern, inklusive? Ganz ehrlich, das war schon früh sichtbar. Von Staffel 1 an verbrennt Daenerys alle und jeden, der nicht in ihre (totalitäre) Sicht einer heilen Welt passt. Und dass die Targaryens oft einen an der Waffel haben, wurde auch mehr als einmal erwähnt. 

Klar, "Breaker of Chains" war sie. Aber heiligt der Zweck die Mittel? Du kannst halt nicht mit Feuer und Blut darauf hinarbeiten, eine Welt ohne Feuer und Blut zu errichten.

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Ähnlich gerundet wurden auch andere Figuren: Jaime hatte mit dem Ritterschlag von Brienne seinen großen Moment, musste aber am Ende erkennen, dass er doch im Kern verdorben ist. Und dass er an die Seite der Frau gehört, deren Vision von Herrschaft in dem Moment endete, als sie die Macht errungen hatte. Dass die Liebesgeschwister nun unter Trümmern liegen, versöhnt mich mit der leicht angewiderten Faszination, mit der ich Jaime und Cersei über all die Jahre begleitet habe.

Und Jon? Der war immer Herrscher wider Willen und hat sich im hohen Norden fernab der Mauer am wohlsten gefühlt. Im Lied von Eis und Feuer stand er – halber Stark und halber Targaryen – naturgemäß im Mittelpunkt. Dass er nun aber wider der Erwartungen eine Bromance mit Tormund der gerechten Herrschaft vorzieht, ist nicht nur konsequent, sondern auch angenehm weit weg sonstiger Hollywood-Klischees. Vielleicht haben sich die Autoren den Kommentar meiner Kollegin Hanna zu Herzen genommen:

Stattdessen bekommen nun die eine Chance, die bisher in zweiter Reihe standen: Sam, der dicke Nerd, und Davos, der Ex-Pirat mit Lese-Rechtschreibschwäche. Brienne, die als Frau zu sehr Mann und als Mann zu sehr Frau war. Am Ende gewinnen nicht die Männer großer Häuser mit ihren Heilsversprechen – sondern die Normalos vom Rand der Gesellschaft. 

2 "Game of Thrones" hat uns mit der finalen Staffel viele epische Schlachten und Momente geschenkt.

Szenen wie das "Red Wedding" oder die Sprengung der Septe bleiben Fans immer im Gedächtnis. Emotionale Momente wie Hodors Abschied ebenso. Und solche Momente – im Großen wie im Kleinen – gab es nun wieder. Aryas überraschender Angriff gegen den Night King? Bot mir diese Art von Überraschung, für die ich "Game of Thrones" liebe. Davor die Kaminrunde am Vorabend der Schlacht? So nah war ich meinen liebgewonnenen Charakteren der vergangenen Staffeln lange nicht. 

Und auch die Schlachten selbst waren immer wieder effektvoll, gerade in ihrem Kontrast. So dunkel die Nacht in Winterfell, so sonnig der Tag in Kings Landing. Und beide trotzdem ähnlich düster. Ein Heldentod wie der von Lyanna Mormont im Kampf mit dem Frostriesen ist im Kino Alltag – aber für eine TV-Serie einfach großartig. Ebenso der seit vielen Staffeln herbeigesehnte "Clegane Bowl" zwischen dem Berg und dem Bluthund. 

Und zwischen all dem Fanservice und den epischen Einstellungen erinnert uns "Game of Thrones" auch immer wieder, warum wir die Serie so mögen: Weil Fantasie und Wirklichkeit in Westeros oft nahe beieinander liegen. So zeigen die Schlachten Bilder, die wir so auch aus den Nachrichten kennen. Während Daenerys die Stadt in Schutt und Asche legt, wühlt sich Arya staubbedeckt durch die Trümmer. Das Blut klebt trocken an ihren Schläfen. Die Einstellungen erinnern an die Bilder, die wir aus Syrien und dem Jemen kennen – nur ist es hier der Drache, der die Drohnenangriffe besorgt. 

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3 Das Ende von "Game of Thrones" konnten so wohl nur die wenigsten vorhersagen – dabei ist es schlüssig.

Mal ehrlich, auch wenn die Weißen Wanderer von Anbeginn eine große Bedrohung waren: So richtig ging es nie um sie. Stattdessen war der Name der Serie Programm: Im Spiel um den Thron gewinnst du oder stirbst du. Und wer am Ende gewinnt, hat Fans spätestens seit der ersten berühmten Enthauptung die Nerven geraubt:

So bestimmst du, wer auf den Eisernen Thron kommt

Dass nun am Ende von acht Staffeln voller Mörder, Tyrannen und Despoten gar kein Thron mehr übrig bleibt, ist da ein mehr als würdiger und sinnvoller Abschluss. Daenerys hat immer versprochen, das Rad zu zertrümmern – nun hat ihr Drache das in einem symbolischen Akt übernommen und die Scherben übriggelassen.

Dass Westeros trotzdem weiter bestehen bleibt und es trotz aller Kriege noch ein paar Zivilisten gibt, die sich eine möglichst unfallfreie Zukunft wünschen, war auch klar. Wer richtet nun diese Zukunft? Kein alter, weißer Mann – aber auch keine nach der Macht greifende Frau, um "Game of Thrones" schnell noch auf "MeToo" zu biegen. Nein, in Westeros darf jede und jeder genderunabhängig gut oder schlecht sein.

Umso besser, dass der Neuaufbau dieser Welt mit einem Lob des sozialen Aufstiegs endet. An der Macht sind nun mit Bran ein Millennial im Rollstuhl, den jegliches Machtstreben kaltlässt und mit Tyrion ein Minderwüchsiger aus schlechtem Hause, der lieber die Witze über sich selbst erzählt, bevor es ein anderer tut. Und an ihrer Seite sitzen eben all die angenehmen Loser, die in der ehemaligen geleckten Gesellschaft von Westeros keinen Platz hatten – von Brienne über Bronn bis zu Sam. Der Versuch einer Demokratie in den neuen Königslanden ist Versprechen auf Gleichberechtigung und sozialen Aufstieg. 

Die finale Staffel "Game of Thrones" schenkt uns damit einen Abschluss, von dem wir in der realen Welt nur träumen können. Und ein bisschen Träumen ist für ein Fantasy-Epos nun wirklich nicht das schlechteste Ende.

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