"Game of Thrones" Wo laufen sie denn?

Alte Beziehungen werden aufgefrischt, Hauptfiguren bleiben psychologisch flach, und die liebe Verwandtschaft ist auch nicht mehr das, was sie mal war. So war die dritte Folge der finalen Staffel von "Game of Thrones".

HBO/ Sky

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++++ Achtung, Spoiler! Wenn Sie nicht erfahren wollen, was in der 3. Folge der 8. Staffel von "Game of Thrones" passiert, sollten Sie nicht weiterlesen. ++++

Was passierte: Die zwei vorhergehenden Folgen verhandelten vor allem das Miteinander der Hauptfiguren. Manche befürchteten vorab noch weitere Gefühlsverträge vor der großen Schlacht. Wobei: Einen Einblick in die Biografie des Nachtkönigs (Wer genau ist er und wie wurde er auch psychisch so kalt?) wäre man vielleicht ja sogar noch gerne mitgegangen.

Aber nix da - wie die illegal zurückgekehrte Melisandre so schön den Ton der Folge setzt: "Es ist nicht nötig, mich hinrichten zu lassen, ich werde vor Tagesanbruch tot sein." Also: Hier kommt sie, die Schlacht, auf die alle gewartet haben. Im Folgen-Längenrekord von 78 Minuten, inszeniert von Miguel Sapochnik, der unter anderem auch schon den Kampf von Jon Snow und Ramsay Bolton zwischen interessanter Gewaltästhetisierung und kaum zu ertragendem Blutbad in Szene setzte.

Was wichtig war: Jon (nach Startschwierigkeiten mittlerweile ja ganz fein mit den Haus-Reptilien seiner Tante-Geliebten) und Daenerys verteidigen Winterfell von den Drachen aus trotz erheblicher Sichtprobleme - mehr schlecht als recht. Ähnliches gilt für ihren Kampf mit dem Eisdrachen, auf dessen Rücken sich der Nachtkönig ins Geschehen einmischt (ausgestattet mit einer interessant selbstgebastelt aussehenden Klinge, eventuell aus Frischhaltefolie in Form geknüllt. Hat die vielleicht sein Sohn im Werkunterricht gemacht? Aber das werden wir ja nie wissen, weil wir, siehe oben, nichts über ihn erfahren!) Daenerys rettet Jon. Jorah in der Selbstaufopferung, für die wir ihn kennen, für die ihn aber keiner (und vor allem keine Drachenkönigin) liebt, Daenerys zum circa 100. Mal.

Melisandre taucht in der Minute vor der Schlacht auf und legt gleich mal das beste Power-Statement hin seit Daenerys den Dracheneinflug eingeführt hat: Den Dothraki verpasst die Zauberin brennende Klingen (die ihnen absolut nichts nutzen werden - sieht trotzdem gut aus). Sie setzt zudem den Holzwall in Brand, was Winterfell zumindest eine Mini-Verschnaufspause verschafft - bis die erste Reihe der wartenden Untoten sich selbst ins Feuer werfen und so eine Körperschneise für die anderen bilden. (Frage am Rande: Kann man an einem Selbstmordkommando teilnehmen, wenn man längst tot ist? Auf jeden Fall ist die Aktion für Zombie-Verhältnisse ein überraschender Ingenieurs-Kniff.)

Am nachhaltigsten wirkt Melisandre aber als moralische Unterstützung für Arya: Die ist ermattet von Kämpfen und Versteckspiel-Aktionen mit den Untoten in der Bibliothek von Winterfell - auch ihre vorsichtig innigere Beziehung mit dem Hound (den mal wieder über große Handlungsstrecken sein Feuer-Trauma lähmt - das ist eben plausible Charakterzeichnung und nicht nur bloße Behauptung von Boshaftigkeit - looking at you, Nachtkönig) hilft ihr nicht. Melisandre erinnert sie: Wir sind nicht hier, um heute zu sterben. Am Ende wird Arya diejenige sein, die den Nachtkönig tötet und so Winterfell rettet.

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"Game of Thrones": Darauf haben wir gewartet

In der Krypta warten unter anderem Sansa, Gilly, Lord Varys, Tyrion (spielt zwischendurch mit dem Gedanken, draußen zu helfen - schlechteste Idee, seitdem die Dothraki zum Angriff ritten, versinkt stattdessen aber Gott sei Dank in seinem Weinschlauch). Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, es gibt flotte Sprüche und Beziehungsangelegenheiten:

Bester flotter Spruch: Lord Varys mit Hinblick auf den nahenden Tod: "Wenigstens sind wir schon in einer Gruft."

Und seltsamste Beziehungsangelegenheit: Tyrion und Sansa erinnern an die guten Momente ihrer Ehe (wobei: Hier deutet sich sacht eine alternative Allianz für den Eisernen Thron an.). Irgendwann ist diese Duselei aber auch vorbei: Als der Nachtkönig mit einer Handhebung alle Toten von Winterfell lässig zur eigenen Armee addiert, scharren sich Sansas tote Verwandte aus ihren Gräbern. Ist zwar Familie, aber trotzdem unangenehm.

Überraschung? Aryas Angriff auf den Nachtkönig kommt als Twist völlig aus dem Nichts - er ist aber, und das ist die schlechte Seite dieser Folge, auch so überraschend, weil nicht sorgfältig erzählt wird, wie und warum sie es überhaupt schafft, bis zu ihm vorzudringen. Anders gesagt: Schauwerte bietet die Folge in Massen. Aber es stellt sich doch mittlerweile ernsthaft die Frage, ob nicht die eine oder andere Fantheorie die ausgebuffteren - und so auch wirklich Kinnlade-auf-Boden-wertigen Plots hergegeben hätten.

Song der Folge: "Deine blauen Augen machen mich so Superbrutal". Und, als Drogon von den Untoten angegriffen wird und diese in der Luft über Winterfell abschüttelt: "It's raining (dead) Men".

Unfair gestorben: ist ein Heer Dothraki. Wo laufen sie denn?, fragt man sich noch und schon sind sie tot. Auch viele der Unsullied-Armee mussten sterben. Allein, dass in ihren Reihen kaum ein individuell erzählbarer Charakter übrig ist, zeigt, wie ungleich bei "GoT" Interesse verteilt wird: Vor allem den weißen Adligen gebührt der Heldentod, die meisten anderen sind anonyme Fußsoldaten.

Tot sind zudem: Friendzoner Jorah, Melisandre (die am Morgen wie versprochen nach der Schlacht als die alte Frau stirbt, die sie ist), der Nachtkönig, Nachtwachen-Chef Eddisson Tollet, Kämpfermädchen Lyanna Mormont (nimmt bei ihrem Abgang überheldinnenhaft noch einen Riesen mit), Beric Dondarrion (gewisse Ironie: Der immer wieder vom Lichtgott Auferweckte stirbt ausgerechnet, als alle anderen um ihn rum wieder aufstehen.).

Und natürlich: Theon. Lebenscoach Bran in Höchstform zu Theon, nachdem der sich ans Limit geackert hat, um dessen Leben zu schützen: "Du bist ein guter Mann." Genau das, was man hören will, bevor einen der Nachtkönig aufspießt. Na gut, wenn man Theon ist, vielleicht schon.

Wir lernen fürs Leben: Lehre 1: Bitte alle mal in einen Simpsons-Vorspann schlüpfen und an die Tafel schreiben: Cersei hat Recht. Cersei hat Recht. Cersei hat Recht. Denn: Die Heere haben sich im Norden abgeschlachtet, während sie vermutlich in Ruhe in King's Landing Elefanten zählen konnte. Vorsichtig prognostiziert: Dass der Nachtkönig kalter Kaffee ist, heißt eben auch, dass die Endgegnerin eine andere sein wird. Lehre 2 deshalb: Die größten Gefahren lauern eben immer noch im Menschen selbst. Arya antwortet so schön in dieser Folge dem Todesgott: "Nicht heute." Aber das heißt ja nicht, dass er morgen nicht wieder fragt.


Hier können Sie nachlesen, was in Folge 1 von Staffel 8 geschah. Und hier finden Sie den Überblick über Folge 2.

"Game of Thrones" Staffel 8: So geht es in Folge 4 weiter


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Seite 1
MyMoon 29.04.2019
1. Ruiniert
Der Teil hat GoT runiniert. Hauptsache schnell irgendwie die Story zuende bringen. Was sich schon in der letzen Staffel teilweise abgezeichnet hat ist leider eingetroffen. Ohne die literarische Grundlage aus den Romanen ist die Serie stark in der Qualität gesunken. Wie Emder Autor auch schreibt, warum rennt das Dothraki Heer ohne Sicht ins dunkle nichts? Das die Zauberin auftaucht zur Endschlacht hat sie ja schon angekündigt und das sie irgendetwas anstellen muss , am besten mit Feuer war auch klar. Alle wichtigen Figuren haben irgendwie überlebt. Und der Abgang des Nachtkönig war miserabel. Wie kommt Arya durch eine Menge Untoter ? Warum hat sie, wie sie es gelernt hat keine Maske der Untoten getragen ? Und wozu die Spezialwaffe bauen lassen aus Drachenglas wenn der Nachtkönig locker mit dem Dolch aus valyrischem Stahl abgestochen werden kann? Überraschungen gab es so gut wie keine. Alles müsste irgendwie abgespült werden. Lieblos und den anderen Staffeln nicht gerecht. Jetzt streiten sich wohl die noch Aliierten um dann in den Süden gegen die goldene Armee zu ziehen. Der Zwerg wird vorübergehend König bis der/die Nachkomme von Danyries erwachsen ist und den Thron übernimmt. Schade.
Sueme 29.04.2019
2.
Zitat von MyMoonDer Teil hat GoT runiniert. Hauptsache schnell irgendwie die Story zuende bringen. Was sich schon in der letzen Staffel teilweise abgezeichnet hat ist leider eingetroffen. Ohne die literarische Grundlage aus den Romanen ist die Serie stark in der Qualität gesunken. Wie Emder Autor auch schreibt, warum rennt das Dothraki Heer ohne Sicht ins dunkle nichts? Das die Zauberin auftaucht zur Endschlacht hat sie ja schon angekündigt und das sie irgendetwas anstellen muss , am besten mit Feuer war auch klar. Alle wichtigen Figuren haben irgendwie überlebt. Und der Abgang des Nachtkönig war miserabel. Wie kommt Arya durch eine Menge Untoter ? Warum hat sie, wie sie es gelernt hat keine Maske der Untoten getragen ? Und wozu die Spezialwaffe bauen lassen aus Drachenglas wenn der Nachtkönig locker mit dem Dolch aus valyrischem Stahl abgestochen werden kann? Überraschungen gab es so gut wie keine. Alles müsste irgendwie abgespült werden. Lieblos und den anderen Staffeln nicht gerecht. Jetzt streiten sich wohl die noch Aliierten um dann in den Süden gegen die goldene Armee zu ziehen. Der Zwerg wird vorübergehend König bis der/die Nachkomme von Danyries erwachsen ist und den Thron übernimmt. Schade.
Vermutlich kam Arya sehr leise an den Untoten vorbei, siehe die Sequenz in der Bibliothek von Winterfell. Spezialwaffe? Es gibt eine Handvoll Waffen aus Valyirischen Stahl, aber soviel Dragonglas/Obsidian das man damit sämtliche Krieger nebst Zinnen und den Barrikaden in Winterfell damit bestücken konnte. Folglich ist es nur logisch zum töten des Fußvolkes die Waffen aus der Obsidianmassenfertigung zunehmen. Achso und wenn man die ~20 minütige englische Aftershow mit den Showrunnern gesehen hätte, wüsste man auch genau warum Arya und der Dolch das Ende vom Nachtkönig wurden.
flame81 29.04.2019
3.
Ich glaube nicht dass dieser Verkauf GRRM Intension nahe kommt. 90% der Folge war vorhersehbar ("Die Krypt ist sicher."), die meisten Charaktere trugen Plot-Rüstungen und einige Storylines waren so unlogisch, dass es schwer fällt sie ernst zu nehmen. Wieso, wenn Bran als Köder die beste / einzige Chance ist, sitzt der mehr oder weniger alleine unter seinem Baum? Warum trägt der historische Widersacher Nummer eins gegen den Nachtkönig (als 3 eyed raven) am Ende gar nichts bei? Am Ende versinkt die Storyline komplett im Chaos bevor deus ex Arya allen den Hintern rettet. Schwach (auch wenn Arya als Retterin cool ist, es hätte weniger Glauben gekostet wenn sie von Anfang an im Baum gehockt hätte oder ähnliches). Und der big bad ist anscheinend Cersei. Wo man
th1rd3y3 29.04.2019
4. Eine notwendige, aber nicht wirklich gut gemachte Folge
Emotional hat sie mich sehr bewegt und es hat mich gefreut, dass Arya diejenige war, die den Tag gerettet hat. Sie ist eigentlich schon seit Buch 1 mein Lieblingscharakter - Sinnbild des nicht Aufgebens, Meister der Durchhalteparolen wie "fear cuts deeper than swords", "not today" und "stick 'em with the pointy end"... da habe ich mich einfach gefreut. Auch der Aufbau der Geschichte macht Sinn. Ich denke, dass wir mit dieser Folge das Finale Kapitel des Buches "The Winds of Winter" gesehen haben und nächste Woche der "Dream of Spring" beginnen wird. An der Dialogszene zwischen Sansa, Tyrion und Missandei haben wir gesehen, warum es nur ein Traum bleiben wird. Den Feind gemeinsam zu besiegen, das klappt. Aber das Land danach zu regieren wird die eigentliche Meisterprüfung. Das ist das, was George RR Martin immer am Herrn der Ringe kritisiert, wenn er danach gefragt wurde. (Er sagte soweit ich mich erinnere, dass Tolkien, den er über alle Maßen bewundere, zu sehr die Frage offen gelassen habe, welche politischen Ziele Aragorn im Frieden verfolgte und dass die Orks zu besiegen eigentlich nichts war, was ihn als Herrscher qualifizierte) Dennoch hatte die Episode auch deutliche Schwächen: 1. Es war zu dunkel, dadurch war sie anstrengend. 2. Es war zu viel Geschlachte - irgendwann hat es genervt, zumal das gezeigte Bild nie zum Plot passte. Winterfell wurde gefühlt hundert mal von übermächtigen Gegnern überrannt, Jaime und Brienne sind gefühlt tausendmal niedergemäht worden es gab keine einzige Einstellung/Szene in der wirklich mal jemand standgehalten oder jemanden zurückgedrängt hat - und trotzdem war nach dem nächsten Schnitt wieder alles ok und Jaime und Brienne wurden erneut überrannt. Irgendwann wird man dann müde und will dem nicht mehr zuschauen, da es bedeutungslos/unglaubhaft wird. Man weiß, dass die Zombies in jeder neuen Einstellung einfach nochmal gerade erst durch die Mauer brechen....und nochmal und nochmal. Auch die Szene mit Melisandre und Arya hat - so cool sie war - das Ende dann doch zu eindeutig vorweggenommen. Jetzt bin ich mal gespannt, wie es weitergeht. Soldaten kann Dany ja eigentlich kaum noch haben. Cerseis machuavellistischer Plan geht auf. Das ist auch gut so, denn die Serie heißt Game of Thrones und nicht "Menschen gegen Untote". Die Untoten mussten als Plot Device besiegt werden. Doch um sie ging es nicht. Ging es nie. Der Nahtkönig war kein dunkler Lord. Kein Voldemort, kein Sauron. Kein fieser Böser Zauberer mit eigener Agenda, sondern einfach nur eine tödliche Waffe aus einem Krieg längst vergangener Tage. Es ist daher folgerichtig, dass er keine "Tiefe" bekommt. Meine wild guesses: - Bronn tötet Tyrion - Jaime tötet Cersei - Jon tötet Daenerys - Sandor tötet Gregor - Jon landet auf dem Thron - Aus Rache tötet jemand eine oder beide seiner Schwestern.... Aber es kann auch völlig anders kommen
spon_4666721 29.04.2019
5. Ruiniert 2
Mir scheint es, als ob das Ende angepasst wurde nachdem man sich für eine neue Serie entschieden hat, die u.a. die Hintergründe des Nachtkönigs zum Thema hat. Abgesehen von den amerikanischen Unsinnskampfszenen, wie zuerst werden alle überrannt von den Toten, netter weise werden aber später die Hauptprotagonisten immer nur einzeln angegriffen, etc., fand ich diesen Teil sehr gut. Was in Episode 3 passieren wird habe ich so ähnlich bereits vermutet so wie die ersten beiden Episoden angelegt waren. Sehr enttäuschend war allerdings Bran, der scheinbar einfach gar nichts getan hat. Arya war bereits vor dem NK im Hain. Die erste Kampfszene der Dothraki fand ich auch unglücklich, was nur mit einem taktischen Fehler erklärt werden kann, nämlich die Art und Weise wie die Toten sich in den Kampf stürzen zu unterschätzen. Diesen Fehler kreide ich Jon an, der Aufgrund des Kampfes bei Hartheim vorgewarnt hätte sein müssen.
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