Jessica Chastain über "Game of Thrones" "Vergewaltigung ist kein Mittel, eine Figur stärker werden zu lassen"

Eine Figur aus "Game of Thrones" beschreibt, wie sie an der sexuellen Gewalt gegen sie gewachsen ist. Schauspielerin Jessica Chastain kritisiert die Botschaft, die die Serie dadurch sendet.

Jessica Chastain kritisiert die Botschaft der aktuellen Folge von "Game of Thrones"
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Jessica Chastain kritisiert die Botschaft der aktuellen Folge von "Game of Thrones"


+++ Achtung, Spoiler! Wenn Sie nicht erfahren wollen, was in der vierten Folge der achten Staffel von "Game of Thrones" passiert, sollten Sie nicht weiterlesen. ++++

Aus den Kindern in der Serie "Game of Thrones" sind über die Jahre Erwachsene geworden. So auch Sansa Stark, die von der 23-jährigen Sophie Turner gespielt wird: Vom zurückhaltenden 13-jährigen Mädchen entfaltete sie sich zur starken und selbstbewussten Frau.

In der neuesten Episode wird der vermeintliche Grund genannt, der ihre Entwicklung maßgeblich beeinflusst habe: Es sei demnach der sexuelle Missbrauch, den Sansa Stark wiederholt erfahren hat.

Sansa Stark trifft in der neuesten Episode der finalen Staffel wieder auf Sandor Clegane, auch bekannt als "Der Bluthund". Er versuchte Sansa einst zu überzeugen, King's Landing mit ihm zu verlassen. Ihm zufolge wäre ihr in diesem Fall der Missbrauch erspart geblieben.

Darauf antwortet Sansa mit Bezug auf ihre Peiniger: "Ohne Kleinfinger, Ramsay und den Rest wäre ich mein Leben lang ein kleiner Vogel geblieben."

Doch dass ausgerechnet diese Erfahrungen von Sansa Stark ausschlaggebend für ihre Entwicklung in der Serie sein sollen, gefällt einer Schauspielkollegin von Sophie Turner überhaupt nicht. Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty") hat Bedenken bezüglich der Botschaft, die dadurch vermittelt werde.

"Vergewaltigung ist kein Mittel, eine Figur stärker werden zu lassen", schrieb die 42-Jährige auf Twitter und bezog sich auf diese Aussage von Sansa Stark. Laut Chastain liege die Stärke von Sansa Stark einzig und allein an ihr - und nicht an diesen Erfahrungen. Eine Frau müsse nicht zum Opfer werden, um daran zu wachsen. Der kleine Vogel sei immer ein Phönix gewesen.

Mit dieser Aussage spielt Chastain auf ihren neuen Superheldenfilm "X-Men: Dark Phoenix" an, in dem Sophie Turner die Hauptrolle spielt. Als Jean Grey alias Phoenix besitzt sie übernatürliche Kräfte und gilt als besonders mächtig. Im Juni soll der Film in die Kinos kommen.

Hier können Sie nachlesen, was in der ersten, zweiten, dritten und vierten Folge der Finalstaffel geschah - und warum die Serie nicht gut mit ihren Frauenfiguren umgeht.

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
mlarsen 08.05.2019
1.
-SPOILER- Jeder verarbeitet Schicksalsschläge anders. Das naive Prinzesschen wurde durch einige Figuren auf den kalten, harten Boden der Tatsachen geholt, ja mit Gewalt. Sie hat daraus gelernt denn die Gewalt machte es für sie nötig aus ihrem Luftschloss rauszukommen oder darin zu verenden. Natürlich hätte sie auch vorher schon die unbarmherzige, harte Anführerin sein können, hatte sie aber nicht nötig, es genügte ihr ein hübsches Mädchen an der Seite des stattlichen Prinzen zu sein. Daher hat sie auch nur zu gerne alle arschigen Charakterzüge von Joffrey ignoriert. Kleinfinger ging sie auch in die Falle, obwohl alles gegen ihn sprach und bei Ramsey hatte sie leider keine Wahl mehr. Unsere Erfahrungen machen uns zu dem was wir heute sind. Da kann einer noch so oft beteuern, dass der Pudel nur spielen will, wer mal von einem Dobermann angegriffen wurde sieht die Aussage mit anderen Augen.
Vex 08.05.2019
2.
Zitat von mlarsen-SPOILER- Jeder verarbeitet Schicksalsschläge anders. Das naive Prinzesschen wurde durch einige Figuren auf den kalten, harten Boden der Tatsachen geholt, ja mit Gewalt. Sie hat daraus gelernt denn die Gewalt machte es für sie nötig aus ihrem Luftschloss rauszukommen oder darin zu verenden. Natürlich hätte sie auch vorher schon die unbarmherzige, harte Anführerin sein können, hatte sie aber nicht nötig, es genügte ihr ein hübsches Mädchen an der Seite des stattlichen Prinzen zu sein. Daher hat sie auch nur zu gerne alle arschigen Charakterzüge von Joffrey ignoriert. Kleinfinger ging sie auch in die Falle, obwohl alles gegen ihn sprach und bei Ramsey hatte sie leider keine Wahl mehr. Unsere Erfahrungen machen uns zu dem was wir heute sind. Da kann einer noch so oft beteuern, dass der Pudel nur spielen will, wer mal von einem Dobermann angegriffen wurde sieht die Aussage mit anderen Augen.
Das ist alles nur fiktiver Blödsinn. In der Relität gehn fast alle Opfer einer Vergewaltigung egal ob Frauen, Kinder oder Männer daran kaputt. Niemand wird besser oder stärker durch eine Vergewaltigung ... was GoT da vorlebt ist einfach nur hochgradig dumm und völlig falsch.
severus1985 08.05.2019
3. Feminismus fehlgeleitet
Die feministischen Aufschreie über Game of Thrones sind einfach nur lächerlich. Da gibt es eine TV-Serie, geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen, in der 95% aller männlichen Charaktere nur dafür existieren, im Kampf auf bestialische Weise umzukommen, sich mit aufgeschlitzten Bäuchen, die Gedärme im Arm, durch den Schlamm des Schlachtfeldes zu wälzen und dann gibt es einen feministischen Aufschrei über eine handvoll Vergewaltigungsszenen... Opferrolle lässt grüßen.
Hexavalentes Chrom 08.05.2019
4. "Historisch"
Gewalt ist nicht umsonst ein wichtiger Bestandteil der Unterhaltung. Sie kann dort kathartisch wirken, sublimierend oder eben auch animierend. Gewalt gegen Frauen ist gerade voll im Trend - dies- und jenseits des Screens. Damit sich jeder seine Verarbeitung ganz nach Gusto wählen kann, sind Interpreationskanäle ziemlich unsinniges Marketing. Gewalt sollte nie bewertet werden. Sie kann im Schauder oder in der Erregung konsumiert werden. Die Moral wäre hier "historisch".
.patou 08.05.2019
5.
Ich hatte mit dem Daenerys-Erzählstrang zu Beginn noch größere Probleme. Sie wird zwangsverheiratet und der neue Gatte vergewaltigt sie als erste Amtshandlung. Sie verliebt sich in ihren Vergewaltiger, führt ein mehr oder weniger harmonisches Eheleben und erteilt damit der Tat die Absolution. Botschaft: Auch Vergewaltiger können nette Kerle sein. Das hatte fast etwas von Hitchcocks "Marnie", wo der Held die traumatisierte Heldin erst mittels Erpressung zwingt, ihn zu heiraten, dann vergewaltigt er sie aus "Therapie"-Gründen und schließlich ist sie ihm auch noch dankbar. Ich argumentiere zwar immer für ambivalente Charakterzeichnungen, aber diese GoT-Sequenz war etwas, was ich persönlich unangenehmer fand als alle Metzeleien.
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