Abschied von "Game of Thrones" Ich weine um dich

So langsam sackt die Erkenntnis bei den Fans - "Game of Thrones" ist vorbei. Das heißt auch: keine Bordellwitze mehr von Tyrion, keine Bud-Spencer-Sprüche mehr von The Hound. Wir nehmen von fünf Lieblingsfiguren Abschied.

"The Hound" Sandor Clegane (Rory McCann): Ach, Sandor
Sky/ HBO

"The Hound" Sandor Clegane (Rory McCann): Ach, Sandor


Warnung: Der folgenden Text enthält Spoiler - wenn Sie nichts über die Handlung in "Game of Thrones" erfahren wollen, sollten Sie nicht weiterlesen.

"Ohne euch gibt es kein uns" - sehr emotional dankte Daenerys-Darstellerin Emilia Clarke "Game of Thrones"-Fans nach dem Serienfinale. Ganz so weit wie die Schauspielerin würden wir vielleicht nicht gehen - die letzte Staffel spaltete nicht nur Fans weltweit, sondern auch die SPIEGEL-Redaktion. Von unseren Lieblingsfiguren wollen wir uns aber trotzdem verabschieden:

1. Der Liebling

Tyrion Lannister (Peter Dinklage): einsamer Berufspolitiker
Sky/ HBO

Tyrion Lannister (Peter Dinklage): einsamer Berufspolitiker

Der Liebling hat überlebt. In jeder anderen Serie wäre das eine gute Nachricht, aber wir reden hier über "Game of Thrones", ein Werk, dessen Anziehungskraft vor allem darauf beruhte, dem Publikum jede Verlässlichkeit zu verweigern. Wäre es also angemessener gewesen, Tyrion in der letzten Episode sterben zu lassen, womöglich als letztes Opfer der Pyromanin Daenerys? Der Kopf mag dem zustimmen, das Herz jedoch ist erleichtert: Tyrion darf weiter schlaue Sprüche klopfen, Strippen ziehen und die eine oder andere Karaffe Wein leeren. Übersehen wir dabei aber nicht, dass es keineswegs eine rundum rosige Zukunft ist, in die wir ihn ziehen sehen: Tyrion ist ganz allein. Er hat den geliebten Bruder (und, na gut, auch die verhasste Schwester) verloren, dazu Varys, seinen einzigen ebenbürtigen Gesprächspartner. Auf die große Liebe wird er nach der enttäuschenden Beziehung mit Shae sowieso nicht mehr hoffen. Tyrions Leben wird fortan aus endlosen Sitzungen des Kronrats bestehen, unterbrochen von gelegentlichen Bordellbesuchen und regelmäßigen Alkoholexzessen - freudlose Vergnügungen eines einsamen Berufspolitikers in der Hauptstadt. Angedeutet wird noch eine Visite beim verbannten Tugendbold Jon Snow in unbestimmter Zukunft und fröhliches Urinieren von der großen Mauer. Mehr Glück ist nicht vorgesehen. Stefan Kuzmany

2. Die Kämpferin

Brienne of Tarth (Gwendoline Christie): getreue Guerilla-Ritterin
Sky/ HBO

Brienne of Tarth (Gwendoline Christie): getreue Guerilla-Ritterin

Brienne of Tarth startete in die Serie als ewig Außenstehende: zu viel Frau, um in der Welt von Westeros Ritter zu werden und gleichzeitig zu kämpferisch, um als weiblich zu gelten. Gleichzeitig machte sie sich die Vorurteile nie zu eigen, ihren Weg als getreue Guerilla-Ritterin stellte Brienne nie grundsätzlich infrage. Dann aber kam die letzte Staffel. "Game of Thrones" wurde stark dafür kritisiert, wie konventionell die Frauenfiguren zum Ende hin behandelt wurden - auch Briennes Stärke wurde dekonstruiert: Es begann mit dem Ritterschlag durch Jaime, nach dem ich mich fragte, ob sie diese Eingemeindung in ein System, das sie stets so schlecht behandelt hatte, wirklich noch nötig hatte. Die tiefe Loyalität zwischen Brienne und Jaime in eine eilige Liebesgeschichte umzumodeln, war dann der schlechteste Einfall der Seriengeschichte, seitdem die Macher von "Friends" Joey und Rachel verkuppelten. Dass Jaime letztlich doch zu Cersei zurückkehrte, entlarvte nicht nur eine reaktionäre Moral (der Mann kann sich halt doch nicht ändern!), sondern degradierte Brienne beim tränenreichen Abschied auch zu einer Frauenfigur, die sie nie war - passiv, nicht selbst gestaltend. In einer ihrer letzten Szenen rettete sie dann auch noch posthum Jaimes Ehre, indem sie seine Biografie im offiziellen Buch der Königsgarde, nun, aufbügelt. Ich stelle mir gerne vor, sie hätte stattdessen ihren eigenen Eintrag verfasst. Eva Thöne

3. Der Meister des Sprücheknurrens

The Hound" Sandor Clegane (Rory McCann): Ach, Sandor
Sky/ HBO

The Hound" Sandor Clegane (Rory McCann): Ach, Sandor

Ach, Sandor. Geliebter Schwert-Bud, Meister des Sprücheknurrens. Warum musste das sein? Gut, wenige Showdowns in "Game of Thrones" wurden so oft angekündigt wie der Clegane-Bowl. Man wusste also im Grunde schon lange, was dir blüht. Und dass du dein Feuer-Trauma nur mit einem Feuertod besiegeln konntest (wenn du auch beim Verbrennen schon nur noch halb lebendig gewesen sein dürftest), war irgendwie auch klar. Aber mal im Ernst, du hattest den Frankenberg doch schon einmal gesehen, letzte Staffel bei der Vollversammlung im Dragonpit. Danach dachtest du nicht ernsthaft, du hättest den Hauch einer Chance gegen ihn, oder? Dass er wieder mit seiner Augenausdrück-Action kam, war zu viel für mich. Da musste ich weggucken. Seien wir ehrlich, Sandor: Dein wahres Motiv war mal wieder zu ehrenhaft, als dass du es offen zugeben konntest: Du musstest den Berg aus dem Weg räumen, damit Cersei endlich keinen Beschützer mehr hat und letztlich auch Aryas Listen-Auftrag erfüllt wurde. Dein letzter Dienst an der einzigen Gefährtin, die du je hattest. Ich weine um dich. Nina Ulrich

4. Die Frau, die macht, was sie will

Arya Stark (Maisie Williams). "Da hören alle Karten auf"
Sky/ HBO

Arya Stark (Maisie Williams). "Da hören alle Karten auf"

Ein Lord, ein paar Kinder und ein Schloss. So in etwa hat Ned die Zukunft seiner Tochter Arya in Staffel eins vorgezeichnet. Die winkte schon damals ab: "Das bin ich nicht." Nein, das ist Arya wirklich nicht. Gut, dass auch die Macher von "Game of Thrones" das so gesehen und ihr ein Ende verliehen haben, das sie verdient hat. Nach dem kleinen Intermezzo mit Kumpel Gendry und dem kurze Zeit später folgenden Heiratsantrag entscheidet sich Arya "Nachtkönig-Killerin" Stark konsequent dafür, weiter ihren eigenen Weg zu gehen. Der soll sie am Ende in den Westen von Westeros führen. "Da hören alle Karten auf. Dahin werde ich gehen", sagt sie ihren nur noch mittelmäßig verblüfften Geschwistern, wissen die doch mittlerweile, dass Arya macht, was Arya will. Zu gern würde ich wissen, was sie dort erlebt. Das geht übrigens nicht nur mir so, auch Nikolaj Coster-Waldau (Jaime Lannister) sieht da Potenzial für eine Fortsetzung:

Insa Winter

5. Der Unvollendete

Jon Snow (Kit Harington): der Antiheld
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Jon Snow (Kit Harington): der Antiheld

Die (Anti-)Heldenreise von Jon Snow endet da, wo sie acht Staffeln zuvor begonnen hat: Am eisigen Wall, bei der Nachtwache. Ich mag ja solche dramaturgischen Ringschlüsse. Lange, sehr lange hat die Serie auf die Enthüllung seiner königlichen Herkunft hingeheimnist - ein reines Ablenkungsmanöver: Die neue Zeit, die in Westeros anbricht, baut nicht mehr auf Blutlinien, das Rad der Erbfolge ist durchbrochen. Der ewig vergrübelte Softie hatte so wenig die Chance (und den Wunsch), Herrscher von Westeros zu werden, dass seine machtbesessene Tante Danaerys es in der letzten Episode noch nicht einmal für nötig erachtete, ihn als potenziellen Meuchelmörder in Ketten legen zu lassen. Das rächte sich dann in der Tragödienszene des Attentats. Aber was bleibt dem verfemten Königssohn nach diesem messianischen Akt? Vielleicht, das Volk der Wildlinge in eine friedlichere Zukunft zu führen. Auch eine Art Erlösung. Andreas Borcholte


Sie wollen mehr "Game of Thrones"? Hier können Sie lesen, wie die letzte Folge der Serie war.



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larryunderwood 21.05.2019
1. der Schluss
irgendwie nicht gut aber hätte auch keine bessere Idee das größte Manko an der Staffel waren und sind die Logikfehler. grauer Wurm metzelt alles und jeden aber lässt die Verräter/ Königinnenmörder davonkommen wieso ... wieso sind cersei und Jamie nicht einfach einen Meter nach rechts gerückt da war alles noch ganz ... und nichts eingestürzt ... das sind nur einige der meiner Meinung nach lieblosen Story in Staffel 8. klar braucht es ein Ende aber man hätte sich weniger stressen sollen ...btw wo kommen nach der Schlacht um Winterfell eigentlich die ganzen Überlebenden Unbefleckten und dotraki her
mimas101 21.05.2019
2. Hmm Tja
Fehlt hier vielleicht ein "nicht" im ASatz: Ganz so weit wie die Schauspielerin würden wir vielleicht gehen; ? Ansonsten: Hab von GoT ein oder zwei Episoden in einem der billigen privaten TV-Kanäle gesehen. So dolle fand ich das Spektakel allerdings nicht denn ich kam mir vor als wenn ich einen Mix aus Dallas und Denver in einem Fantasy-Set sehen würde, kombiniert mit langatmigen Dialogen.
Marinus_Ladegast 22.05.2019
3. Das Märchen von der reaktionären Frauenrolle ...
"'Game of Thrones' wurde stark dafür kritisiert, wie konventionell die Frauenfiguren zum Ende hin behandelt wurden." - Sie meinen so konventionell wie die Idee, dass Daenerys Targaryen als paranoide Massenmörderin eine ganze Stadt zerbröselt? Sansa wird Königin des Nordens, Arya hat den Night King besiegt und damit die Menschheit gerettet. Asha ist Oberhaupt des Hauses Greyjoy. Brienne ist Lord Commander der königlichen Leibgarde. Selbst Melisandre legt einen starken Abgang hin. Daenerys als bad-ass queen dürfte einer der dominantesten weiblichen Charaktere der TV-Geschichte sein, wenn auch auf der dunklen Seite der Macht (und kein Vergleich zu Jon Snow, der in den letzten Folgen ziemlich plan- und initiativlos durch die Kulissen irrt). Missandei, na gut. War immer ein Nebencharakter, und die sterben halt nun mal ab und zu aus funktionalen Gründen. Wollen wir mal zusammen aufzählen, wie viele Männer es im Laufe der Zeit erwischt hat? Lord Varys, mindestens eine ebenso wichtige Figur, wurde mal eben als Aperitif vor dem großen Blutbesäufnis eingeäschert. Missandei hatte ja wenigstens noch einen großen Auftritt und durfte ein zorniges "dracarys" in die Runde schmettern. Aber das ist ja das Dilemma mit dieser Kritik an den Drehbüchern von Game of Thrones: Es soll bitte schön umgebracht werden nur um des Umbringens willen (siehe den Abschnitt über Tyrion), aber bitte nicht den, diesen da und die schon gar nicht. Bitte mehr unkonventionelle Twists und Turns, aber alles gefälligst politisch korrekt und gendergerecht. Und dann ist da noch Cersei, einer der komplexesten Charaktere der ganzen Serie. Ihr Ende ist zugegebenermaßen wenig heldenhaft, aber verdient. Schon in den frühen Staffeln war sie eine schwache Person, die sich von ihrem degenerierten Rotzlöffel von einem Sohn herumschikanieren ließ und nach Papis Aufmerksamkeit heischte. Eine Frau mit gespielter zynischer Selbstsicherheit, die sich aber ohne sich hinter ihrem Zombie-Leibwächter zu verstecken schon lange keine drei Schritte mehr aus ihrem Haus bewegen konnte. Besonders verändert wurde Cerseis Charakter in der achten Staffel nicht, und das Ende fand ich ehrlich gesagt sehr poetisch. Und bei Gelegenheit erklärt uns Frau Thöne dann vielleicht noch, wieso die Lannister-Inzucht auf reaktionäre Moral deuten lässt. Reaktionärer wäre da ja wohl eher gewesen, wenn Brienne ihrem Jamie bis zum Lebensende das Frühstück gemacht hätte.
odapiel 22.05.2019
4. Endlich
Endlich ist dieser Schwachsinn vorbei. Daß so viele Menschen scharf drauf sind, von Autor bzw. Regisseur permanent vorgeführt und billigst manipuliert zu werden, hat mich schon erstaunt. Sagt schon Einiges über diese Fans aus, und zwar nichts Nettes. Wenigstens muß man als Nicht-Fan sich nun nicht mehr mit Game of Thrones zwangsbeschäftigen.
5b- 22.05.2019
5. The Song of Ice and Fire
Game of Thrones ist vorbei. Das Lied von Eis und Feuer brennt aber noch. Ich mag die TV Serie sehr, die Bücher aber umso mehr. Wenn ich ehrlich bin, ist die Serie für mich nur ein Teaser für die Bücher oder ein Schmankerl für bereits gelesenes. Als es vom Geschriebenen ins Unbekannte über ging, holperte es am meisten. Es gibt viele Lücken über die man beim Zuschauen hinwegsehen kann, da die Geschichte schlüssig ist. Ich bin in freudiger Erwartung auf all das was nicht gezeigt wurde und besonders auch auf das was anders wird. Ein echter GoT Fan ist nur einer, der eigentlich ein SoIaF Fan ist.
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