"Game of Thrones"-Staffelpremiere Wir haben doch keine Zeit!

Das Endspiel beginnt: Wann wurde aus "Game of Thrones" eine Neunziger-Talkshow? Und wann Jon Snow witzig? Außerdem lernt man in der ersten Folge der Finalstaffel: Bloß kein Sex mit einem Drachen im Raum!

HBO/ Sky

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++++ Achtung, Spoiler! Wenn Sie nicht erfahren wollen, was in der 1. Folge der 8. Staffel von "Game of Thrones" passiert, sollten Sie nicht weiterlesen. ++++


Was geschah: Zombie-Armee im Nacken hin oder her: Wenn Menschen über sieben Staffeln hinweg Mord- und Machtkomplotte gegeneinander schmieden, müssen die Beziehungsscherben halt irgendwann aufgekehrt werden (außer man heißt Cersei und führt Beziehungen nur mit sich selbst und einem guten Glas Frühstücksrotwein). Also, die Eckpunkte eines großen Wiedersehens: Daenerys (in entweder seltsam eingelaufenem Zebrafell oder einer Art Streifennerz) und Jon laufen mit Berater-Anhang und Armee (sehr apart: Das kältebedingte Trippeln der Unbefleckten) in Winterfell ein. Sansa ist ebenso skeptisch wie der Rest der Nord-Lords: Sie machten Jon zum König, der kommt ohne Thronanspruch wieder, aber mit einer anderen Königin. Arya sieht Freunde (Gendry), Verwandte (Jon) und Feind-Freunde (The Hound) wieder, Bran später mit Jaime den Mann, der ihn ermorden wollte.


Theon rettet derweil in einem etwas arg unkompliziert abgefrühstücktem Befreiungsakt seine Schwester Asha, die ihn entlässt, damit er im Norden an Jons Seite kämpfen kann. Sam erfährt, dass Daenerys seinen Vater und Bruder getötet hat. Jon erfährt, dass er Sohn von Rhaegar Targaryen und Lyanna Stark ist (und somit, wir erinnern uns, Daenerys' Neffe). So ganz scheint es in seinem Kopf aber noch nicht angekommen zu sein - Jon halt. Aber auch wenn es bei ihm immer etwas länger dauert: Es spitzt sich vieles auf seine Entscheidung zwischen Macht und Humanismus, Blutsbande und Bastarddasein, Jon Snow und Aegon Targaryen zu.

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"Game of Thrones": Jons Tante

Cersei formiert ihre Söldnerarmee (20.000 Männer, leider keine Elefanten), außerdem schläft sie in einem noch undurchschaubaren Akt mit Euron und schickt Bronn los, ihre Brüder - oder auch: seine Freunde, wenn er denn welche hat - zu töten.
Ziemlich viel Beziehungsschlamassel. Oder, wie Bran routiniert hellsichtig anmerkt: "We don't have time for all of this!" - wir haben doch keine Zeit! Recht hat er, da war ja noch was: In wenigen Szenen erfahren wir dann auch, wie konsequent die White Walkers gen Süden schreiten: Den Überlebenden vom Mauersturz rund um Tormund und Beric hinterlässt der Nachtkönig in der Festung der Umbers ein blutiges Geschenk.

Am dringendsten Paartherapie bräuchten: Zwischen Hound und Arya stellt sich fürs Publikum ein gewisses Quittgefühl ein - ob vor allem Arya das aber auch so sieht? Ansonsten: Jaime und Bran hätten gewiss einiges zu klären, andererseits: Inwiefern tangiert den entrückten Rollstuhlfahrer etwas derart Weltliches wie ein Mordversuch überhaupt noch? Auch Daenerys und der gesamte Norden müssen noch zueinander finden, trotz gewohnt spektakulärem Drachen-Entrée. Am stärksten kündigt sich aber ein Bromance-Zerwürfnis zwischen Sam und Jon an, eine doch recht unangenehm geskriptete Yoko-Ono-Situation: Jon schläft mit der Frau, die Sams halbe Familie umbrachte.

Cerseis Führungskräftetipp: Schwierig, sie schlingert so tief in die Destruktion, dass man sich kaum noch auskennt, rhabarbert unter anderem von Elefanten, die ihr für ihre Söldner-Armee verwehrt wurden. Eventuell: Kein Elefant in der Hand ist besser als ein Drache auf dem Dach? Oder, nach dem Seltsam-Sex mit Euron: Wem du es heute kannst besorgen, den vertröste nicht auf morgen? (Stimmen Sie hier ab, wen Sie vom "GoT"-Personal am liebsten als Chef hätten)

Figur der Folge: Sansa! "Game of Thrones" pflegt seit Beginn eine schwierige Beziehung zum Feminismus. Einerseits gibt es zumindest einige interessante - und mächtige - Frauenfiguren, andererseits ist der Weg für sie oft unnötig steinig. Jetzt zeigt sich: Sansa hat Cersei besser durchschaut als Tyrion, der immer noch glaubt, dass seine Schwester ihre Armee zur Unterstützung schickt. Für Arya ist ihre Schwester die schlauste Person, die sie kennt - nur schade, dass Sansa bis zu dieser allgemeinen Erkenntnis unter anderem vergewaltigt und zwangsverheiratet werden musste.

Todesfälle der Folge: 18 Ziegen und knapp ein Dutzend Schafe. Drachen snacken halt viel. Sonst erstaunlich wenige dafür, dass in der Folge davor eine Armee von Untoten durch die Mauer gebrochen ist.

Real-Life-Parallele: Puh. Man würde gern etwas Geistreiches zu Brexit-Verhandlungen oder Donald Trump sagen, aber das will man ja immer. Am ehesten erinnert die Serie an andere TV-Ereignisse: Den blutigen Gebeine-Kreis, auf den Tormund & Co. treffen, hätte auch die ausgeklügelte Feinästhetik eines Hannibal Lecter nicht besser hingekriegt (das Kunstwerk zitiert, genau wie der Einritt einer fremden Armee nach Winterfell, die erste Staffel - auch damals kam schon nichts Gutes dabei heraus - mehr zum brennenden Symbol und was es bedeuten könnte, lesen Sie hier ). Ansonsten gibt der Wiedersehensreigen auch einiges an Küchenpsychologie her; auch für eine Neunziger-Talkshow liegt hier durchaus Potenzial verschütt: "Du wolltest mich ermorden, um in Ruhe weiter mit deiner Schwester zu schlafen!" Das bei "Vera am Mittag" - man würde einschalten.

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"Game of Thrones": Das sind unsere Lieblingsfiguren

Seltsamste Sex-Szene: Dass Jon ein erotisches Höhlending am Laufen hat, wissen wir seit Ygritte. Jetzt fantasiert er nach einem Drachen-Ausritt gemeinsam mit Daenerys darüber, sich hinter einem Wasserfall zu verkriechen, bis der ganze Unsinn vorbei ist - um dann mal wieder ausgiebig zu knutschen. Die Drachen beobachten das mit Argwohn - wie treue, aber halt auch sehr eifersüchtige Kampfhunde, die bei einem One-Night-Stand im Schlafzimmer bleiben. Jon dabei: bisschen witzig, bisschen weird, bisschen verängstigt. Sprich: Alles, was er sonst nie ist. Nett. Wobei: Wir haben doch keine Zeit dafür!

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Braveheart Jr. 15.04.2019
1. Alles Quatsch mit Soße ...
... denn Westeros ist für eine Frau wie Daenerys natürlich viel zu klein! Also: Eiskönig + Eisdrachen ins gut gesicherte Tiefkühlfach (zwecks späterem Studium), bei der Iron Bank einen Kredit aufnehmen um die Flotte von Braavos anzuheuern, und dann ... mit allem was ein Schwert halten kann Richtung Osten, wo noch ein ganzer Kontinent wartet! Von dort sind die Targaryen ja mal gekommen; Jetzt kehren sie zurück. Dany the Homecoming Queen ... scheiße, auch dafür haben wir keine Zeit! Verdammt, George, schreib' weiter!!!
jpphdec 15.04.2019
2. 51:25
Wenn man Rückblende und Intro abzieht. Soviel zum Thema halb so viele Folgen aber dafür in "Spielfimlänge"
NewYork76 15.04.2019
3. Bitte!
Bitte spart Euch die Feminismus- und "RealLife"-Referenzen. Die Drachenflug-Avatar-Szene war schon grenzwertig genug. Was GOT sicher NICHT braucht sind irgendwelche Versuche aktuelle politische Geschehen oder Ideologien in jedweder -ismus Form in die Geschichte einzuflechten. Ich hoffe, dass das auch in den naechsten Folgen nicht passiert. Bin gluecklich, dass in dieser ersten Folge die Zusammenfuehrung der Schluesselcharaktere recht flott stattfand. (man erinnere sich an manche "Family-Reunions", die sich ueber ganze Seasons hinzogen) Alles in allem finde ich war das ein gelungener Start.
Bondurant 15.04.2019
4. Vollkommen richtig
Zitat von NewYork76Bitte spart Euch die Feminismus- und "RealLife"-Referenzen. Die Drachenflug-Avatar-Szene war schon grenzwertig genug. Was GOT sicher NICHT braucht sind irgendwelche Versuche aktuelle politische Geschehen oder Ideologien in jedweder -ismus Form in die Geschichte einzuflechten. Ich hoffe, dass das auch in den naechsten Folgen nicht passiert. Bin gluecklich, dass in dieser ersten Folge die Zusammenfuehrung der Schluesselcharaktere recht flott stattfand. (man erinnere sich an manche "Family-Reunions", die sich ueber ganze Seasons hinzogen) Alles in allem finde ich war das ein gelungener Start.
das ist ja gerade das Schöne an dieser Serie: der blanke Eskapismus. Nichts von der Handlung hat irgendetwas mit unserer Realität zu tun. Das macht sie ja so sehenswert.
Pickle__Rick 15.04.2019
5.
Zitat von Bondurantdas ist ja gerade das Schöne an dieser Serie: der blanke Eskapismus. Nichts von der Handlung hat irgendetwas mit unserer Realität zu tun. Das macht sie ja so sehenswert.
George R. R. Martin hat zwar ein fiktives Szenario gewählt aber sehr viele sehr reale Themen in die Handlung gepackt. So zum Beispiel die Problematik die sich aus der mittelalterlichen Ständeordnung ergibt. Achten Sie mal darauf wie viele der Problem der Charaktere nur deswegen entstehen, weil sie an dieses System glauben. Die ganzen Schwüre, Eide und Gefolgschaften, alles Schwachsinn, wenn am Ende viel wichtiger Dinge warten. Siehe die Geschichte von Stannis Baratheon, der an für sich kein dummer Mensch war aber so dermaßen in seinen altertümichen Ansichten gefangen war, dass er seie Familie und sich schlicht selbst zerstört hat. Natürlich ist auch Feminismus ein Thema, weil die Serie knallhart zeigt wie Frauen in manchen Gesellschaften schlicht Menschen zweiter Klasse waren und sich ihre Position extra hart erkämpfen müssen. Allerdings kann man die Serie neben den vielen Details und interessanten Konzepten natürlich auch einfach nur so gucken.
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