Halbzeit bei "Game of Thrones" Das wünschen wir uns für die letzten Folgen

Dinge geschahen in den ersten drei Folgen der Finalstaffel "Game of Thrones" - welche genau, wollen wir in diesem Teaser nicht verraten (Sie wissen: Spoiler-Gefahr!). Klar ist: Bald ist alles vorbei. Wir ziehen Zwischenbilanz.

Szene aus Folge vier der achten Staffel: Cersei mit Euron Graufreud
HBO/ Sky

Szene aus Folge vier der achten Staffel: Cersei mit Euron Graufreud


++++ Achtung, Spoiler! Wenn Sie nicht erfahren wollen, was in der achten Staffel von "Game of Thrones" passiert, sollten Sie nicht weiterlesen. ++++

War die vergangene "Game of Thrones"-Folge "The Long Night" eine geniale Fantasyschlacht oder doch eher eine konventionelle (und gleich auf mehreren Ebenen, ähem, viel zu dunkle) Kriegserzählung? Die Meinungen gehen auseinander. Klar ist eins: Die Untoten wurden bereits in der dritten Folge der Finalstaffel geschlagen, vieles deutet auf einen Showdown "Cersei gegen den Rest der Welt" hin. Das wünscht sich die Redaktion von den letzten drei Folgen "Game of Thrones":

1. Bitte keine Soap Opera!

Jaime Lannister: komplexe Figur
HBO

Jaime Lannister: komplexe Figur

Vom Intro der ersten Staffel an waren die Untoten jenseits der Mauer eine Bedrohung, die von den Konflikten der Lebenden in Westeros zu lange ignoriert wurde. Das ließ sich als existenzialistisches Statement ("Der Tod wartet auf uns alle") verstehen, z.B. aber auch als aktuelle Metapher für die Zerstörung der Umwelt. Am Ende der Schlacht um Winterfell aber hat Arya mit dem Nachtkönig auch dieser Grundbotschaft von "Game of Thrones" ein Ende bereitet. Das stellt die Serie vor ein Dilemma. Entweder der folgende Kampf wird kompliziert und unübersichtlich, aber irrelevant wie eine Soap Opera: Wer betrügt welche Allianz in letzter Minute? Oder es wird episch und geht um Grundsätzliches, mit Cersei als dem Prinzip des Bösen. Die Stärken von "Game of Thrones" bestanden aber stets in einem Verständnis von Macht als Ergebnis von Interessenkonflikten, nicht von moralischen Werten. Am Ende einen Kampf von guten Menschen gegen böse Menschen zu sehen - das wäre noch viel banaler und enttäuschender als die Soap Opera. Die Show hat einige Jahre dafür gebraucht, Jaime Lannister zu einer komplexen Figur zu machen, die im Laufe der Serie noch interessanter wurde als sein Bruder Tyrion. Jetzt wäre es dringend notwendig, Cersei von der eindimensionalen Antagonistin wieder zu einer echten Figur zu machen. Dafür aber besteht wohl leider nicht mehr genug Zeit.
Thron-Orakel: Die Konstellation, dass die drei Lannister-Geschwister am Ende als Triumvirat über Westeros herrschen, während Sansa und Arya den Norden verwalten und Targaryens aller Verwandtschaftsgrade wieder ins Exil verbannt würden, ist das angemessenste Ende, das noch denkbar ist, nachdem Bran offenbar leider doch nicht selbst der Nachtkönig war. Daniel Raecke

2. Bundesrepublik statt Monarchie

Daenerys mit Entourage: Machtanspruch mit obsessiven Zügen
HBO/ Sky

Daenerys mit Entourage: Machtanspruch mit obsessiven Zügen

Mit dem Nachtkönig und der großen Schlacht aus dem Spiel, kann sich die Serie endlich wieder auf Interessanteres konzentrieren - also auf Politik. Und die Frage, ob am Ende Cersei Königin von Westeros wird oder Danaerys. Das wäre zumindest der offensichtliche Antagonismus, wenn man davon ausgeht, dass Jon Snow sich wahrscheinlich eher freiwillig in ein Schweigekloster einmauern lassen würde, als zu regieren. Wenn er denn nicht noch umgebracht wird, von Cersei - oder von Danaerys, deren Machtanspruch inzwischen bedenklich obsessive Züge trägt. Ein großes Gemetzel gibt es allemal noch - und es wäre gut im Sinne der Seriendramaturgie, wenn es dabei noch ein paar für den Zuschauer überraschende und peinvolle Abschiede gibt (s. auch unten). Aber warum nicht die Chance ergreifen und den ganzen Fantasy- und Märchenkram am Ende ins Progressive wenden? Es wird kaum so kommen, aber toll wäre doch ein Westeros als föderaler Staat mit weitgehend unabhängigen Regionen und Gouverneuren, vielleicht sogar ersten Gehversuchen in Demokratie.
Thron-Orakel: Wer säße in einer neuen, egalitäreren Ordnung auf dem vermaledeiten Thron (wenn der dann überhaupt noch steht)? Sansa natürlich, als repräsentative Monarchin. Mit Tyrion als Bundeskanzler. Andreas Borcholte

Vote
Thron-Orakel

Wer soll am Ende von "Game of Thrones" auf dem Eisernen Thron sitzen?

3. Mehr erzählerische Wagnisse

Daenerys mit Jorah: Opfer, die nicht als Individuen interessieren
HBO/ Sky

Daenerys mit Jorah: Opfer, die nicht als Individuen interessieren

Dass mit Ned Stark bereits in Staffel 1 eine beliebte Hauptfigur unerwartet und brutal aus dem Rennen um den Thron, nun, geköpft wurde, wirkt aus der Rückschau noch genialer: Seitdem (und noch einmal befeuert durch das "Red Wedding" in Staffel 3) zehrte die Spannung von "GoT" erheblich von der Angst, ein Lieblingsprotagonist würde den plötzlichen Serientod sterben. Bislang killte die achte Staffel B-Material: Theon, Jorah - weniger Thron-Aspiration als die beiden hatte wohl keiner. Es geschah also genau das, was konventionelle Drehbücher halt so vorsehen, wenn Opfer benötigt werden, die nicht wirklich als Individuen interessieren, sondern vor allem zeigen sollen, dass das hier eben schon wirklich ein Kampf um Leben und Tod und kein Zuckerschlecken ist. Ein Symptom, das für eine Wende der Serie insgesamt steht, weil trotz ursprünglich viel ambivalenter angelegterer Charaktere (Jaime! Und ja, auch Cersei) am Ende alles auf eine konsistente Hollywood-Erzählung vom Kampf zwischen Gut und Böse hinauszulaufen scheint (lesen Sie hier auf Englisch, warum die Misere schon in der 7. Staffel begann). Okay, es gibt kaum Serien, denen es gelingt, im Finale nochmal groß Zuschauererwartungen zu unterlaufen. Dennoch: etwas mehr Unabsehbarkeit wäre toll.
T hron-Orakel: Im Sinne der Erzählexperimentierfreudigkeit: Sam und Gilly. Aber ist wohl eher ein holder Wunsch. Eva Thöne

4. Zurück zu den Intrigen

Arya mit Gendry: Die kriegt eh alles hin
HBO/ Sky

Arya mit Gendry: Die kriegt eh alles hin

Winter was coming? 69 Folgen lang wurde die Angst vor dem alles vernichtenden Winter geschürt, dann kam er - und war auch schon, zackzack, nach 78 Minuten wieder weg. Was! Für! Eine! Enttäuschung! War der Nachtkönig etwa nur eine sehr lange brennende (haha) Nebelkerze? Ach, auch egal, der ist ja schließlich Schnee von gestern. Jetzt kommt dann aber hoffentlich die Rückbesinnung auf die wesentliche Frage der Serie: Wer wird am Ende auf dem Eisernen Thron sitzen? Und wer wird das noch miterleben? Statt langer Abschiede und Schwelgen in Sentimentalitäten vor dem Kamin dürfen dann bitte wieder schmutzige Intrigen (jenseits von Cerseis allzu berechenbarer Ich-hab-es-zwar-gesagt-werde-meine-Truppen-aber-doch-nicht-in-den-Norden-schicken-Intrige), Rache, Morde, Überraschungen und bizarre Wendungen kommen. Und davon ganz viel, bitte!
Thron-Orakel: Da Kandidaten wie Jon oder Daenerys allzu zu offensichtlich geworden sind, müssen ihn wohl oder übel Arya und/oder Gendry übernehmen. Gendry, weil er den späten Triumph über Robert Baratheon und Sippschaft verdient hat. Und Arya, weil sie Arya ist. Die kriegt eh alles hin. Insa Winter

Hier können Sie nachlesen, was in Folge 1 der Finalstaffel "GoT" geschah, hier finden Sie den Überblick über Folge 2, und hier die Rezension zur Folge 3, in der Winterfell sich gegen die Armee der Untoten verteidigen musste.

Sehen Sie hier den Trailer zur kommenden Folge:

"Game of Thrones" Staffel 8: So geht es in Folge 4 weiter
insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
irobot 05.05.2019
1.
Egal, wie es ausgeht, bitte kein Happy-End! Also wenn Daenerys und Jon den Thron erorbern, heiraten und dann Westeros in ein Paradies verwandeln. Dann lieber Cersei als Gewinnerin.
doke969 05.05.2019
2. Unabsehbar-Sucht
"Dennoch: etwas mehr Unabsehbarkeit wäre toll.? Ich bin mehr Fan von der SyFy Serie 12 MONKEYS als von GoT, und wenn ich dann den Artikel und die Sehnsucht nach mehr Unerwartbarem hier für GoT sehe, trotz des vielen mittelalterlichen Blutes das so sichtbar und oft plötzlich fließt, fällt mir eigentlich nur ein, dass Die-sich-das-Wünschenden doch direkt eingebunden werden könnten, und unabsehbare Schicksale erleiden. Per App. Das würde doch den Wunsch ideal erfüllen im Kontext von GoT. Sorry, aber so stellt es sich leider dar. Die Serie ist einfach zu blutrünstig - medievil eben.
firefly777 05.05.2019
3. An für sich egal
Das Ende wird entweder langweilig und/oder absehbar und/oder nicht befriedigend. Dany = dann haben wir den Stand vor Roberts Rebellion. Alle andere = und die nächste Revolution wird kommen, und alle Ereignisse von GOT waren sinnlos. Zeitschleife = grausig. Dany hat doch mal gesprochen, daß sie dieses Rad zerschlagen will. Also ich hoffe immer noch, daß die Adelshäuser freiwillig oder unfreiwillig abdanken.
AxelSchudak 05.05.2019
4.
Zitat von firefly777Das Ende wird entweder langweilig und/oder absehbar und/oder nicht befriedigend. Dany = dann haben wir den Stand vor Roberts Rebellion. Alle andere = und die nächste Revolution wird kommen, und alle Ereignisse von GOT waren sinnlos. Zeitschleife = grausig. Dany hat doch mal gesprochen, daß sie dieses Rad zerschlagen will. Also ich hoffe immer noch, daß die Adelshäuser freiwillig oder unfreiwillig abdanken.
Wenn es so absehbar ist, dann sehen Sie doch mal ab... ?? Oder ist das Ende nur im nachhinein vorhersehbar? Wenn GMM ein Wörtchen mitzureden hat, und wenn er sich an den den Stil anderer Geschichten anlehnt, wird er die Frage nicht endgültig beantworten. Das Leben kennt auch keine abschliessenden Antworten.
DougStamper 05.05.2019
5. Die Kritik
An Folge 3 nervt nur noch. Natürlich gab es Logiklücken, ich hatte auch damit gerechnet, dass jemand noch wichtigeres stirbt, und trotzdem, die Atmosphäre die diese Folge erzeugt hat war Wahnsinn. Ich hatte beim sehen das Gefühl einer schier unüberwindbaren Gefahr, und teilweise dachte ich wirklich der Nachtkönig siegt. Und das war denke ich das was die Macher erzeugen wollten.
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