Gebühren-Debatte ARD und ZDF wollen 1,47 Milliarden mehr

Da ist Zoff programmiert: Die Öffentlich-Rechtlichen fordern für die nächste Gebührenperiode eine kräftige Erhöhung. Die für die Ermittlung des Finanzbedarfs zuständige Kommission bremste aber schon mal die hohen Erwartungen.

Eine Rechnung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ): Demnächst noch mehr?
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Eine Rechnung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ): Demnächst noch mehr?


Hamburg/Berlin - ARD und ZDF wollen mehr Gebühren. Sehr viel mehr Gebühren. Wie die "Zeit" berichtet, haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten bei der zuständigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) für die neue Gebührenperiode 1,47 Milliarden Euro mehr beantragt.

Laut "Zeit" forderte allein die ARD einen Mehrbedarf von 900 Millionen Euro für sich - eine Summe, die eine Sprecherin der geschäftsführenden Anstalt, des Westdeutschen Rundfunks (WDR), allerdings nicht bestätigen wollte. Das ZDF konkretisierte hingegen seine Forderungen: Ein Sprecher bestätigte, der Sender habe bei der KEF einen "Mehrbedarf" von insgesamt 429 Millionen Euro angemeldet, pro Jahr also etwa 107 Millionen Euro.

Die Sprecherin der ARD wies darauf hin, dass es sich bei der Antragstellung um einen nicht-öffentlichen Vorgang handle: "Die ARD hat ihrem gesetzlichen Auftrag folgend Ende April ihre Anmeldung zum 18. KEF-Bericht vorgelegt." Seitdem prüfe die KEF die Anmeldung von ARD, ZDF und Deutschlandradio. "Dabei handelt es sich um einen vertraulichen Vorgang", so die WDR-Sprecherin. "Aus Rücksicht darauf äußern wir uns dazu nicht. Aus Gesprächen mit der KEF entnehmen wir aber, dass es auch nach dem 1. Januar 2013 bei dem monatlichen Beitrag von 17,98 Euro bleiben soll."

Die Erwartungen werden also schon im Vorfeld gebremst. Kaum anzunehmen, dass ARD und ZDF am Ende ihre finanziellen Vorstellungen durchsetzen können.

Deutschlandradio hat dem "Zeit"-Bericht zufolge 100 Millionen Euro, der deutsch-französische Kultursender Arte 35 Millionen mehr für die kommende Gebührenperiode angemeldet. Würde allen Forderungen stattgegeben, erhöhten sich die Rundfunkgebühren von 17,98 Euro auf 18,86 Euro monatlich. Bei der KEF war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Von 2013 an ist jeder einzelne Haushalt verpflichtet, Gebühren zu entrichten - nicht allein mehr die Haushalte, die zu Hause über Empfangsgeräte verfügen. Das neue Gebührenmodell muss noch alle Länderparlamente passieren, bislang waren es nur sieben. Wie viele Haushalte daher die neue Gebühr entrichten werden, ist offen.

Korrektur: In einer ersten Version dieses Artikels stand in der Überschrift irrtümlichweise, die öffentlich-rechtlichen Anstalten hätten 1,47 Millionen Euro mehr Gebührengelder verlangt. Richtig ist natürlich, dass sich - wie im Text selbst zu lesen - ARD und ZDF 1,47 Milliarden wünschen. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

cbu/dpa



insgesamt 108 Beiträge
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Dr_Lecter 21.09.2011
1. Gez
Wenn man ständig neue Projekte angeht (neue Sender, neue Konzepte, neue - vermeintliche "Quotenbringer") ist das natürlich sehr teuer. Zahlt ja auch nur der nicht gefragte Gebührenzahler. Die massiven und vielfältigen Proteste (die immer mehr werden), werden ignoriert. Allein das ist eine Unverschämtheit. Statt sich auf die Kernaufgaben zu besinnen (die man mit weit weniger als der Hälfte des Geldes erfüllen könnte), windet man sich und zieht sich auf die Position der Grundversorgung und der Vielfalt (bei guter Quote) zurück. Dies ist aber nicht mehr haltbar und auf Grund des vielfältigen sonstigen Angebotes obsolet. Ich bin sehr für Phoenix, Arte, NDR2 und von mir aus ARD, aber die zusätzlichen Sender wuchern und sollten eher beschnitten und viele lieber aufgelöst werden. Wenn wir angeblich alle über unsere Verhältnisse leben - wie die Kanzlerin behauptet - dann doch vor allem auch die öffentlich-rechtlichen Sender. Hier muss eher gespart werden, als dass noch mehr Geld für Millionäre (Jauch, Fußballspieler...) und reine Unterhaltunssendungen rausgeschmissen wird.
warlock2 21.09.2011
2. Gebühren-Debatte ARD und ZDF
Dann sollen sie weniger für die Moderatoren und fürs Internet ausgeben! Da können sie leicht das Doppelte sparen.
wkoker 21.09.2011
3. Wofür???
Es gab in der letzten Zeit laufend Wiederholungen bis zum Überdruss.Dafür wurde auf der anderen Seite mit öffentlichen Geldern wenig sparsam umgegangen. Hier seien nur die Namen Lierhaus und Gottschalk genannt. Etwas mehr Verantwortung sollten sich die Verantwortlihen doch zu Eigen machen.Die Politik rechnet mit inflationistischen Zahlen,da ziehen die Sendeanstalten hinterher.Prost Mahlzeit...
-bix- 21.09.2011
4. ...
Zitat von sysopDa ist Zoff programmiert: Die Öffentlich-Rechtlichen fordern für die nächste Gebührenperiode eine kräftige Erhöhung. Die für die Ermittlung des Finanzbedarfs zuständige Kommission bremste aber schon mal die hohen Erwartungen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,787664,00.html
In der derzeitigen Überschrift steht "1,47 Mio. Euro mehr". Wenn es mal nur Mio´s wären ... aber es sind Mrd.
JohnBlank, 21.09.2011
5. Alle müssen sparen, außer Politiker, Bänker, ARD und ZDF
Alle müssen sparen, außer Politiker, Bänker, ARD und ZDF. Aber gut, von der Elite kennt man es ja nicht anders. Irgendwann müssen wir entweder ARD oder ZDF abschaffen, einer ist überflüssig, so oder so. UNd mehr Geld, ja, das will ich auch *hahahaha.
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