Erfolgreiche Klage von BBC-Moderatorin Sie verdiente 465 Pfund, er 3000 - jetzt wird sich das ändern

Obwohl sie und ihr männlicher Kollege einen ähnlichen Job machten, bekam sie nur einen Bruchteil seines Gehalts. Die Journalistin Samira Ahmed hat ihren Arbeitgeber, die BBC, verklagt. Und nun gewonnen.
Die Journalistin Samira Ahmed klagte wegen der Gehaltslücke zu ihrem männlichen Kollegen - und gewann das Verfahren

Die Journalistin Samira Ahmed klagte wegen der Gehaltslücke zu ihrem männlichen Kollegen - und gewann das Verfahren

Foto: Tabatha Fireman/ Getty Images

Für die Moderation einer Folge "Newswatch" auf dem BBC News Channel erhielt die Journalistin Samira Ahmed 465 Pfund. Ihr Kollege Jeremy Vine aber erhielt für eine Folge "Points of View" auf dem Sender BBC One 3000 Pfund. Beide Sendungen behandeln Zuschauerkommentare und Beschwerden über das BBC-Programm. Weil sie das als diskriminierend empfand, klagte die Journalistin gegen ihren Arbeitgeber, die BBC. Ein Arbeitsgericht entschied am Freitag, dass Ahmed mit ihrer Klage recht hat. Ihr stehe ein ähnliches Gehalt wie Vine zu.

Zur Begründung erklärten die Richter, die betreffende Arbeit der beiden Kollegen sei gleich oder sehr ähnlich. Die BBC habe nicht nachweisen können, dass das Lohngefälle zwischen Vine und Ahmed durch einen anderen Faktor als durch Diskriminierung aufgrund des Geschlechts bestimmt sei.

Ahmed sagte nach dem Urteil, dass sie sich nun darauf freue, über Nachrichten berichten zu können, statt selbst eine zu sein. "Keine Frau möchte gegen ihren eigenen Arbeitgeber vorgehen müssen", sagte sie. "Ich liebe es, für die BBC zu arbeiten." Sie sei froh, dass das Problem gelöst worden sei.

BBC möchte das Urteil sorgfältig prüfen

Man müsse dieses Urteil nun sorgfältig prüfen, verlautbarte die BBC. Man habe immer daran geglaubt, dass die Gehaltslücke zwischen Vine und Ahmed nicht von deren Geschlecht abhänge - Moderatoren von Vines Sendung "Points of View" hätten immer mehr Gehalt erhalten. Der Sender bemüht sich seit 2017 darum, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu beseitigen. Damals zeigte eine Analyse des Senders, dass zwei Drittel der Spitzenverdiener Männer sind.

Vor zwei Jahren erst sorgte die damalige China-Korrespondentin der BBC, Carrie Gracie, für Schlagzeilen: Sie wolle es nicht mehr hinnehmen, deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen zu verdienen, kritisierte die Journalistin damals in einem offenen Brief. Der öffentlich-rechtliche Sender habe es versäumt, die Lücke bei der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen zu schließen. Davon hatte sie offenbar genug - und kündigte den Job in Peking.

evh/AP