Genderdebatte beim Deutschen Comedypreis Frauen müssen in eigener Kategorie lachen

Weil nur wenige weibliche Comedians für den Deutschen Comedypreis nominiert waren, gab es Kritik. Nun haben die Veranstalter reagiert - mit ein paar Nachnominierungen in einer neuen Sparte.
Ariana Baborie, Laura Larsson - nominiert für den Deutschen Comedypreis für den Podcast "Herrengedeck"

Ariana Baborie, Laura Larsson - nominiert für den Deutschen Comedypreis für den Podcast "Herrengedeck"

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Am Freitag sollen beim Deutschen Comedypreis (20.15 Uhr, TV: Sat.1) die lustigsten Menschen Deutschlands geehrt werden. Bei einem Blick auf die Liste der Nominierungen  fiel auf, wie wenige Frauen für manche Kategorien infrage kommen. Dafür gab es Kritik am Veranstalter.

"Muss man auch erst mal schaffen: In der Comedypreis-Kategorie Podcast sind mehr Thomas Schmidts nominiert als Frauen", hatte etwa die Autorin Giulia Becker Anfang September bei Twitter geschrieben. Gemeint waren Thomas Schmitt von "Gemischtes Hack" und Thomas Schmitt von "Baywatch Berlin".

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Der Veranstalter reagierte, indem er die Kategorie "Beste Comedy-Podcasterin" nachschob. Man finde "inzwischen auch, dass wir die vielfältige Podcast-Szene mit den drei Nominierungen nicht ausreichend abgebildet haben", räumte das Köln Comedy Festival als Organisator bei dem Branchendienst "Quotenmeter"  ein. Weil die Abstimmung bereits begonnen habe, sei die Entscheidung für eine neue Kategorie gefallen, bestätigte Geschäftsführer Ralf Günther der Deutschen Presse-Agentur.

"Den Preis zu gewinnen, wäre für uns kein Sieg"

Mit dem Versuch nachzubessern, erreichte der Veranstalter das Gegenteil und verschärfte die Kontroverse nur weiter. "Den Preis zu gewinnen, wäre für uns kein Sieg", sagte Laura Larsson, die gemeinsam mit Ariana Baborie für den Podcast "Herrengedeck" in der neuen Kategorie nominiert ist, der Deutschen Presse-Agentur.

Eine zweite Kategorie nur für Frauen, könne demnach nicht die Lösung sein. "Was ist mit den Diversen? Was ist mit den queeren Podcasts?", ergänzt Baborie: "Warum soll man das immer trennen und vor allem nur diese zwei Geschlechterkategorien anbieten?" Das wirke so, als "würden sich Frauen und Männer nicht miteinander messen können", sagte Larsson.

Seit vier Jahren gibt es den Podcast "Herrengedeck". In ihren Karrieren seien Larsson und Baborie bereits sexistischen Verhaltensweisen innerhalb der Comedybranche begegnet, sagten sie. Bei der Arbeit im Verlag oder in der Produktion hätte sie demnach mitbekommen, wie Frauen systematisch benachteiligt worden seien - etwa bei der Gästeauswahl für Sendungen. "Die sagen das dann natürlich intern und nicht öffentlich. Aber es wird ausgesprochen, und das ist Fakt", sagte Baborie.

"Will auch mal über was anderes reden"

So sehen es auch einige Podcaster, vor allem in Bezug auf den Comedypreis. "Das war ein vermeidbarer Fehler", sagt Felix Lobrecht von "Gemischtes Hack" in seinem Podcast über die zuerst fehlenden Frauen-Nominierungen. "Natürlich wünschen wir uns auch weibliche Nominierte an dem Abend", pflichtet ihm sein Kollege Tommi Schmitt bei. Klaas Heufer-Umlauf von "Baywatch Berlin" startete außerdem auf seinem Instagram-Account eine Reihe mit verschiedenen weiblichen Podcasts, die ebenfalls eine Nominierung verdient hätten.

Branchenkollegin Hazel Brugger, die beim Deutschen Comedypreis 2020 als "Beste Komikerin" nominiert ist, twitterte jüngst: "Der Hauptgrund, warum ich mehr Frauen auf Comedybühnen sehen will, ist für mich mittlerweile, damit ich in Interviews auch mal über was anderes reden darf, als darüber, warum es so wenig Frauen auf Comedybühnen gibt."

Auch ihre Kategorie ist aufgeteilt: Während Brugger mit Carolin Kebekus und Martina Hill konkurriert, stehen bei den Männern Felix Lobrecht, Chris Tall und Luke Mockridge zur Wahl. Diese Aufteilung war 2017 abgeschafft worden - zweimal hatte seither Kebekus in der gemischten Kategorie gewonnen, 2019 war es Mockridge.

mrk/dpa
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