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Gerd Baltus: Vom Theater zum Erfolg in Serie(n)

Foto: Peter Steffen/ DPA

Schauspieler Gerd Baltus ist tot

Im Alter von 87 Jahren ist der Schauspieler Gerd Baltus in Hamburg gestorben. Er wirkte in zahlreichen Fernsehproduktionen mit, vor allem als Seriendarsteller war er gefragt.

Er war einer der populärsten TV-Schauspieler der Siebziger- und Achtzigerjahre: Gerd Baltus war in Krimireihen wie "Derrick" oder "Der Alte" zu sehen, im "Großstadtrevier" und in "Mit Leib und Seele".

Am Freitag ist er im Alter von 87 Jahren in Hamburg gestorben, wie seine Ehefrau der Deutschen Presse-Agentur sagte, nachdem zuvor der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet hatte. Baltus wirkte in zahlreichen Fernsehproduktionen mit und war auch als Hörspielsprecher gefragt. Der Wahlhamburger galt bisweilen als einer der meistbeschäftigten Schauspieler der TV-Branche.

Vor allem auf Darstellung hintergründiger Charaktere und Sonderlinge hatten Regisseure den dunkelhaarigen, stämmigen Mann oftmals festgelegt. 90 Prozent aller Angebote, die er bekomme, seien "immer diese verdrückten Typen", hat Baltus mal gesagt. "Wenn einer mit diesen anderen zehn Prozent kommt, greife ich immer sofort zu, damit ich auch mal was anderes spiele."

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Gerd Baltus: Vom Theater zum Erfolg in Serie(n)

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Neben den frühere Fernsehserien stand er auch für "Unser Lehrer Doktor Specht", "Ein Bayer auf Rügen" oder "Zwei Männer am Herd" vor der Kamera. Im "Tatort" war er ebenfalls mehrmals mit von der Partie. So oft wie einst sah man ihn auf dem Bildschirm in den vergangenen Jahren zwar nicht mehr, aber schon immer wieder mal, etwa in den Serien "In aller Freundschaft" und zuletzt in "Danni Lowinski" (2013).

Auf die Bühne statt in den Gerichtssaal

Seine Karriere hatte der gebürtige Bremer am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg begonnen. Da hatte er zwar schon einen ersten kleinen Filmauftritt in "Das Bankett der Schmuggler" (1952) vorzuweisen, aber keinerlei Schauspielausbildung.

Sein Vater, ein Kaufmann, hatte eigentlich eine andere Laufbahn für seinen Sohn geplant: erst Abitur, dann Jurastudium. Doch nach vier Semestern zog es den jungen Mann zum Theater. Für seine erste größere Filmrolle als Leutnant Beckerath in "Wälsungenblut" erhielt Baltus 1965 den Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsdarsteller.

Baltus stand an verschiedenen Theatern zwischen Hamburg und München - unter Intendanten wie Gustaf Gründgens und August Everding - bis hin zu den Salzburger Festspielen auf der Bühne. 1972 etwa gemeinsam mit Heinz Rühmann, als Everding im Münchner Residenztheater Harold Pinters "Hausmeister" inszenierte. Die Aufführung mit Baltus als Aston und Rühmann als Davies war einer der letzten großen Theatererfolge des Volksschauspielers Rühmann.

Baltus wandte sich Mitte der siebziger Jahre vom Theater ab und konzentrierte sich ganz aufs Fernsehen. Der dunkelhaarige, 1,84 Meter große und stämmige Mime - gern etwas behäbig und verrückt wirkend - war gefragt. Wie er sich auf seine Rollen vorbereitete, beschrieb Baltus mal so: "Ich setze mich in den Sessel und denke darüber nach. Mir fällt dann irgendwann was ein, aber ich warte, bis es mir einfällt."

Und er versuchte, aus seinem Image auszubrechen. Privat sei er anders als seine häufigen Rollen der "verdrückten Typen" gewesen: sehr beliebt bei den Kollegen und unglaublich witzig, sagte seine Frau Brigitte Rohkohl.

Kein Fan des Publicity-Rummels

Sein eigener Anspruch: "Ein Schauspieler darf nicht glatt sein, sondern muss manchmal bewusst Unzulänglichkeiten in die Darstellung einer Person einbauen, um glaubwürdig zu wirken." Die Liebe zu seinem Fach gab er Sohn Philipp Baltus mit: Auch dieser ist Schauspieler und Sprecher - ganz wie der Vater. Beide waren 2011 etwa in der Krimikomödie "Der Mann, der alles kann" zu sehen.

Beruflich zog es ihn immer wieder vor Publikum, doch privat bevorzugte Baltus Zurückgezogenheit: Publicity-Rummel mochte er nie. "Er war einer der wenigen Schauspieler, die nie in einer Talkshow oder auf dem Roten Teppich waren", sagte seine Ehefrau weiter. Er habe es nicht gemocht, wenn Schauspieler sich so produzierten. Das Paar war 45 Jahre verheiratet.

Rohkohl bezeichnete den Schwarzweiß-Film "Der Idiot" aus dem Jahr 1968 als "die wunderbarste Arbeit" ihres Mannes. Für ihn sei zudem die Zeit bei den Münchner Kammerspielen die "schönste und wichtigste Zeit" gewesen, weil er dort als Schauspieler noch um Inhalte streiten konnte.

pad/abl/dpa
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