"Ich bin ein Star - lasst mich wieder rein" Gabby im Güllekanal

Der Wendler ist Challenge-beschädigt und nur zu einer Liveschalte fähig. Da retten auch ein Busengeneral, ein Haartierchen und viel Fäkalhumor die Sendung nicht: Das Sommercamp bringt es leider wieder nicht.

Gabriella "Gabby" Christina De Almeida Rinne, Michael Wendler, Melanie Müller: Posen, bevor auch physisch der Abstieg beginnt
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Gabriella "Gabby" Christina De Almeida Rinne, Michael Wendler, Melanie Müller: Posen, bevor auch physisch der Abstieg beginnt

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Der Wendler ist ein feiner Mann, der Wendler ist ein schöner Mann. Der Wendler hat sich bei seiner Sommercamp-Challenge bedauerlicherweise die Hand gebrochen, weil bei einer rasanten Turbo-Abseilaktion wohl das Seil ein bisschen zu lang war und er Patscher voraus auf dem Betonboden aufschlug.

Nun wird er am achten Tag von "Ich bin ein Star - lasst mich wieder rein!" mit ungewohnten Samthandschuhen angefasst. Und zwar aus der Ferne, denn im Studio sitzen nur Melanie "Busengeneral" Müller (in einem Ensemble, das aussieht, als hätte sie sich vornerum ein Grabgesteck ans Kleid getackert) und das Haartierchen Gabriella "Gabby" Christina De Almeida Rinne.

Die Ärzte hätten ihm händeringend davon abgeraten, ins Studio zu kommen, VIEL zu gefährlich, sagt Michael Wendler per Liveschalte aus seinem Haus in Dinslaken. Er trägt ein "Good Morning in the Morning"-T-Shirt und hält den Handverband in die Kamera. Zwei Schrauben und sechs Nägel steckten in den kaputten Knochen, erzählt er in diesem immer etwas zu überschauspielerten, zu operettenhaften Wendler-Singsang.

Wer Aua hat, braucht nicht nach Köln

Für den medizinischen Halblaien klingt dieses Reiseverbot wegen gebrochener Hand zumindest überraschend und nach einem schönen Anlass zur Wendler-Pieksung durch die Moderatoren - wäre er nicht verunfallt. So aber darf Dr. Bob, der zum Hausbesuch auf die Wendler-Ranch abgesandt wurde, auch noch eine Lobhudelei auf den Sommercamp-Versehrten halten, der seinerzeit das Camp nach fünf jammerigen Tagen verließ.

Nur mit weichen Katzenpfoten wird er ein paarmal angestupst. Darf ungestraft Dinge sagen wie "Wer mich nicht kennt, der kommt nicht aus diesem Land" und soll erklären, warum er sich denn so zum Positiven verändert habe. Vom Saulus zum Paulus, vom Wendler zum Wandler.

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Diese Pietät wirkt umso sonderbarer im Kontrast zur Prüfung, welche die drei Einzugskandidaten im Vorfeld leisten mussten - in der Kölner Kanalisation. "Nichts anfassen, nichts essen", warnten die Einweiser in die Unterwelt, woraufhin Gabby direkt mal in den Güllekanal stolperte. "Ich bin in Kacke gefallen", jammerte das zu 80 Prozent aus Sprödhaar bestehende Trällersternchen, dann wurde im Brackwasser nach Plastikentchen gefischt.

Auch die Gesprächsthemen passten ganz natürlich zum Setting. Dass die Müllersche partout ein Gespräch über Dirty Talk im Bett anzetteln wollte, verstörte den feingeistigen Wendler sehr.
Müller: "Sag mal was Dreckiges zu mir."
Wendler: "Du… schmutziges Geschirr!"

Ist nicht alles eine Nahkoterfahrung?

In den Tiefen der Kanalisation, umwölkt von muffigem Kackgeruch, gebeugt über den nimmermüde plätschernden Urinbach der Domstadt, wird Melanie Müller, dem eisernen Busengeneral, plötzlich klar: Sie liebt den DJ. Und sext den Wendler an, als hockten sie nicht bei einem Trottelspiel in der Kölner Kanalisation, sondern seien die letzten Überlebenden eines Atomkriegs, die sich in einen unterirdischen Bunker flüchten konnten.

Die "Nahkoterfahrung" (Daniel Hartwich) habe sie eben, nun, weich gemacht: "Ja mein Gott, man sitzt in der Scheiße, da will man doch auch ein bisschen Nähe haben."
Kalkulierte Beschmusung in adäquater Umgebung.

Immerhin gab es bei der obligatorischen Camp-Retrospektive ein Wiedersehen mit dem "Krokodieselfuß", jenes im Furor von Wutfried Glatzeder erfundenen Tierteils, und mit Nackt-Müllers "vergessenem" "Kondischähnah".

Auch die goldenen Aufnahmen des Post-Camp-Wendlers, im Hotel Versace hofhaltend, waren wieder Mal zu sehen: Diese großen TV-Momente, als ihn ein Freund hysterisch einseift und berichtet, "selbst im Nachtjournal" sei über ihn, Wendler, und das Camp berichtet worden.

Von nachträglicher Reue, Relativieren oder sonst wie interessanten Einlassungen der Sommercamp-Kandidaten aber leider keine Spur: Larissa wird weiter belächelt, und Winfried, hihi, der hatte halt hier und da einen kleinen Ausreißer. Dass jeder der drei Best-of-Zusammenschnitte der Wiedereinzugskandidaten eigentlich eine Larissa-Gala war - geschenkt. Sie postete auf Facebook zuletzt ein Foto, das sie sehr fidel mit einem Mann im Emureiter-Kostüm zeigt und hat diesen Unsinn gottlob wohl nicht mehr nötig.

Den Metakommentar zur Sendung immerhin lieferte der Wendler (der übrigens auch ins Finale einzog) dankenswerterweise gleich selbst, als er in der Kanalisation fasziniert den vorbeischwimmenden Fäkalien nachsah: "Sooo ne Wurst habe ich gerade gesehen!", berichtete er begeistert seinen Mitkandidatinnen. "Das ist wie Fernsehen."

Zur Autorin
    Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht für den SPIEGEL u.a. im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum "Buffy the Vampire Slayer" eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: "Everything bad is good for you" - und dass auch "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Ihr Buch über ihre Liebe zu Take That erschien als Teil der Musikbibliothek bei Kiepenheuer und Witsch.

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
aufdenpunktgebracht, 08.08.2015
1. Zwei Schrauben und sechs Nägel
Eigentlich hätte der äRTL die komplette Staffel 8 im Sommerlochprogramm wiederholen können, statt mit der "laßt mich wieder rein" Groteske (fast) durchweg Campstatisten vor die Kamera zu zerren. Ok, die brauchen das Geld. Die Rückblicke auf diese Staffel mit ihren unvergessenen Protagonisten waren der Höhepunkt der Sendung gestern. Mächig ins Klo gegriffen als Metapher für die Kandidaten aus der 8. Staffel reichte nicht, nein: ab nach unten in den kölschen Abwasserkanal. "Ist ja wie fernsehn" bemerkte auch gleich Michael Wendler bei der Inspektion der vorbeischwimmenden "alten Bekannten". Eine gut genährte Melanie Müller ließ sich nur von vorbeischwimmenden Enten von ihrem Lieblingsthema ablenken. Gruselig ihre Tattoos am Arm. Gäbby Rinne fiel auch gleich in selbige - und danach nicht wieder auf. Zwei Schrauben und sechs Nägel - das ist der Inhalt meines Werkzeugkastens - sind in der Hand von Michael Wendler verbaut. Selbst Jesus ist mit weniger ausgekommen. Aber so ist der Wendler halt: Nicht kleckern, klotzen. Was war passiert? Seil zu lang? Dämlich angestellt? Die Antwort blieb uns der äRTL schuldig. Jedenfalls mußte der Wendler im heimischen Outback, betüttelt von Dr. Bob, vor die Kamera. Wendler der Spießer: Herzallerliebst seine Tischlampe im Gelsenkirchener Barock neben ihm im Bild, drapiert mit einem Plüschkänguruh und australischer Flagge. Süß. Seinen selbstmitleidigen Gesichtsausdruck die ganze Sendezeit über bezubehalten, das brachte ihm letztlich den Sieg ein.
seb.mazur@googlemail.com 08.08.2015
2.
hm, noch nix los hier, schade. den artikel lese ich bestimmt nicht, mich interessieren nur die kommentare hier!
Xangod 08.08.2015
3. Warum war Larissa nicht dabei?
Die sehe ich lieber als den Wendler!
hschmitter 08.08.2015
4.
Bei dem ständig kichernden Mädchen habe ich zuerst gedacht, ich wäre in einem Tierfilm reingeraten - das klang wie eine Ziege, die ihre Herde sucht. Das braucht man nicht im Urwald, zumal Larissa eindeutig die bessere Kandidatin für geistige und motorische Desorientierung gewesen wäre. Melanie hat da weiter gemacht, wo sie aufgehört hat - pragmatsich, tough, dominant und eben auch 10 kh schwerer. Also nicht viel Neues. Dann also doch der Wendler als Überraschung - vom Saulus zum Paulus hat geklappt, inklusive Behinderten- und Opferbonus. Hätte ich nicht erwartet. Bin auf heute und die Antwort auf die Frage, wer die ABM im Januar antreten darf, gespannt: Brigitte, Ingrid, Wendler, Sara, Joey.
bauigel 08.08.2015
5. Einfach nur armselig
.... aber da Millionen sich solch einen Schund ansehen.... von aufgeblasenen Selbstdarstellern..... wird es so etwas immer geben. Armes Deutschland. Es ist schon bezeichnend, dass in D. ein riesen Sozialneid herrscht..... die bösen Firmeninhaber, Banker, .... aber solche Pappnasen werden angehimmelt und denen wird das Geld in den Rachen geworfen. Ein Wendler verdient Hunderttausende für ein paar Tage.... lebt in Saus und Braus..... und lässt seine Gläubiger leer ausgehen.
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