Fotostrecke

TV-Macherinnen: Sie muten uns etwas zu

Foto: AP/ FOX

US-Serien Dahinter steckt immer eine kluge Frau

"New Girl", "Scandal", "Orange Is the New Black": Dass es mittlerweile viele US-Serien mit tollen Frauenfiguren gibt, ist kein Zufall - denn dahinter stecken Produzentinnen, die über ebenso viel Kreativität wie Macht verfügen. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Fernsehmacherinnen vor.
"Emotionale Leibwächterin": Jenni Konner

"Emotionale Leibwächterin": Jenni Konner

Foto: Dave Allocca/ AP

Die Frau hinter den "Girls": Jenni Konner

Jenni Konner ist Produzentin von Lena Dunhams preisgekrönter HBO-Serie "Girls", ein Anti-" Sex and the City" aus der Sicht heutiger Mittzwanziger. Die 42-jährige Konner gilt als "emotionale Leibwächterin" der fünfzehn Jahre jüngeren und ungleich öffentlicheren Lena Dunham, die die Serie schreibt, produziert und die Hauptrolle spielt. Als Konner von Dunhams Film "Tiny Furniture" (2010) hörte, war sie zunächst skeptisch - eine 23-Jährige, die einen Film geschrieben, inszeniert und produziert hat und darin meistenteils in Unterwäsche zu sehen ist? Das klang wenig verlockend. Dann war sie davon so hingerissen, dass sie überall Kopien davon verbreitete. Als das zu dem Angebot führte, mit Dunham "Girls" zu machen, zögerte sie zunächst - wegen des Altersunterschieds. Aber Lena Dunham wollte niemand anderen, und heute bezeichnet sie Jenni Konner als ihre beste Freundin.

Konner entstammt einer Autorenfamilie. Ihr Vater Lawrence Konner verfasste Drehbücher für die "Sopranos", und während ihres Studiums in New York führte sie selbst das Leben, an dem Hannah Horvath in "Girls" nun verzweifelt: Praktikantenjobs und kaum genug Geld für die Miete. Mit einer Freundin aus Kindertagen schrieb Konner zuerst für eine HBO-Kindersendung und lernte den noch weitgehend unbekannten Judd Apatow ("The 40-Year-Old Virgin") kennen. Mit ihm arbeitete sie an zwei TV-Serien, die nur eine Staffel überdauerten, und verdingte sich dann als sogenannter Script-Doktor, Spezialgebiet: Frauenfiguren, in verschiedenen Hollywood-Blockbustern. Bis sie sich mit Lena Dunham für "Girls" zusammentat - und auch Judd Apatow, ihr ehemaliger Mentor, dazustieß.

Konner spielt nach eigenen Angaben bei der Produktion von "Girls" eine Mutterrolle für Lena Dunham, um sie vor allzu großem Fan-Ansturm ebenso zu bewahren wie vor schlechten Beziehungen. Auch wenn letztere, wie sie sagt, von Dunham direkt in Serienmaterial verwandelt werden. Von "Girls" wird zurzeit die dritte Staffel gedreht, darüber hinaus arbeitet Konner mit Dunham an einer HBO-Comedyserie über Betty Halbreich, der berühmten persönlichen Shopping-Beraterin der New Yorker Crème de la Crème. Vorher können sich beide aber noch Hoffnungen auf einen Emmy für die beste Comedy-Serie machen. Den Golden Globe haben sie schon gewonnen.


Die zweite Staffel von "Girls" läuft ab dem 1.10. auf ZDFneo. Die dritte Staffel soll 2014 in den USA anlaufen.

Produzentin Shonda Rhimes (r.) mit "Grey's Anatomy"-Star Ellen Pompeo

Produzentin Shonda Rhimes (r.) mit "Grey's Anatomy"-Star Ellen Pompeo

Foto: © Chris Pizzello / Reuters

Die mächtigste Fernsehmacherin der USA: Shonda Rhimes

Shonda Rhimes, 43, verkörpert zwei unterrepräsentierte Gruppen im amerikanischen Fernsehen: Frauen und Schwarze. Mit der Medizinerserie "Grey's Anatomy" landete die Tochter einer Professorin 2005 einen Hit, der mit vier Emmys und zwei Golden Globes ausgezeichnet wurde und ab Ende September in der zehnten Staffel läuft, auch der Spinoff "Private Practice" entstammt ihrer Feder. Und ihre aktuelle Serie "Scandal" um eine Krisenmanagerin, die die weißen Westen der Reichen und Einflussreichen in Washington sauber hält, ist für zwei Emmys nominiert. Niemand verbindet Elemente der Seifenoper und des Thrillers so gekonnt wie Rhimes, und es spricht Bände über ihren Einfluss, dass sie ihre "Scandal"-Protagonistin Olivia Pope, die auf George W. Bushs Assistentin Judy Smith basiert, kurzerhand zu einer schwarzen Figur machte. Das muss auch im heutigen amerikanischen Mainstreamfernsehen noch als Paukenschlag gelten.

Die "New York Times" bezeichnete Shonda Rhimes als "mächtigste weibliche afroamerikanische Fernsehmacherin" und fügte dann hinzu: "Zu viele Adjektive. Sie ist die mächtigste Fernsehmacherin Amerikas, Punktum." Dabei war Rhimes 2002 für das Drehbuch zum Britney-Spears-Film "Crossroads" schon einmal für einen Razzie Award nominiert, den Anti-Oscar, den sie dann aber doch nicht bekam.

Rhimes Produktionsfirma Shondaland hat soeben die dritte Serie in diesem Jahr an ABC verkauft: nach einer Produktion über eine Anwältin und einer Polizeiserie nun eine Show über eine Handvoll alter Freunde, die durch unvorhergesehene Umstände wiedervereint werden. Rhimes weiß, wie wertvoll sie für ihren Haussender ABC ist - so wertvoll nämlich, dass sie für "Scandal" keine Notizen aus den oberen Etagen mehr entgegennimmt, mit denen die Sender-, und Studiochefs traditionell ihre eigenen Wünsche einfließen lassen. Als größte Beleidigung betrachtet es Rhimes übrigens, wenn man ihre Shows als "Frauenfernsehen" bezeichnet - weil das impliziere, dass das irgendwie weniger interessant oder bedeutsam sei.


Die neunte Staffel von "Grey's Anatomy" läuft in Deutschland auf ProSieben. In den USA ist die zehnte Staffel ab dem 26. September zu sehen. "Scandal" ist ab Herbst bei SuperRTL zu sehen.

Mit "New Girl" den großen Comedy-Hit gelandet: Elizabeth Meriwether

Mit "New Girl" den großen Comedy-Hit gelandet: Elizabeth Meriwether

Foto: Jason Kempin/ Getty Images

Das Fempire schlägt zurück: Elizabeth Meriwether

Elizabeth Meriwether, 32, wuchs als Tochter eines Zeitungsverlegers in Detroit auf und wollte eigentlich Schauspielerin werden, bevor sie der Schreiberei verfiel. Sie studierte in Yale, erfand in ihren Zwanzigern Henrik Ibsen ("Heddatron") und Nicky Hilton ("Nicky Goes Goth") für die New Yorker Off-Bühne neu und schrieb die romantische Kino-Komödie "Freundschaft plus", bevor sie mit "New Girl" frischen Wind in die TV-Sitcom brachte.

Zwar hatte Meriwether keinerlei Fernseherfahrung, als sie die Serie schrieb, aber ein Fox-Manager hatte ihre Theaterstücke gelesen und fand ihre "Stimme" beachtlich. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen aus einer WG mit drei Männern schuf Meriwether ein eigenwilliges Frauenbild: ihre Jess, verkörpert von Zooey Deschanel, ist süß und geeky, total cool und ein bisschen peinlich zugleich. "Die meisten Menschen wollen Frauen in eine Kiste stecken", sagte Elizabeth Meriwether in einem Interview. "Mich interessiert, wie Frauen alles auf einmal sein können: Schlampen, die nach der wahren Liebe suchen, oder Partytiere, die trotzdem superklug sind. Ich möchte das Vokabular erweitern."

Vor ein paar Jahren war Elizabeth Meriwether die Welpe in einer Gruppe von eng befreundeten, erfolgreichen Drehbuchautorinnen, die sich "The Fempire" nannten - Dana Fox ("What Happens in Vegas", "Ben and Kate") , Diablo Cody ("Juno", "Young Adult") und Lorene Scarafaria ("Nick and Norah's Infinte Playlist"). Inzwischen ist sie selbst eine Institution unter Amerikas jungen Power-Autorinnen. Aber der "Fempire"-Titel sei sowieso eher ein Witz gewesen, sagte Meriwether. "Es gibt viele weibliche Drehbuchautorinnen, aber wir sind fraglos in der Unterzahl. Es ist noch immer eine männlich dominierte Industrie."


Die dritte Staffel von "New Girl" ist am 17. September in den USA gestartet. In Deutschland läuft die Serie auf ProSieben.

"Weeds"-Erfinderin Jenji Kohan: Advokatin der Anti-Heldinnen

"Weeds"-Erfinderin Jenji Kohan: Advokatin der Anti-Heldinnen

Foto: Jesse Grant/ Getty Images for Netflix

Bei ihr ging "Breaking Bad" in die Lehre: Jenji Kohan

Jenji Kohan, 44, durchbrach mit "Weeds" gleich mehrere Schallmauern. Die schwarze Komödie um eine junge Vorstadtwitwe, die ins Drogengeschäft einsteigt, um ihren Lebensstandard in einer biederen Reihenhaussiedlung erhalten zu können, entblößte nicht nur den amerikanischen Traum als lächerliche Fassade. Mit einer Drogendealerin als Protagonistin gab Kohan dem US-Serienfernsehen außerdem seine erste Antiheldin. "Weeds" stand in vielerlei Hinsicht Pate für "Breaking Bad". Inzwischen hat Kohan die Netflix-Serie "Orange Is the New Black" um die Erlebnisse einer jungen Yuppie-Prinzessin im Knast nachgelegt und wird dafür fast noch mehr gefeiert.

Auch Kohan entstammt einer Fernsehfamilie. Ihr Vater ist der vielfach Emmy-gekrönte Drehbuchautor Buz Kohan, ihr Bruder David schuf die Fernsehserie "Will & Grace" mit, ihre Mutter Rhea ist Schriftstellerin. Ihre Ausbildung hat Kohan nach eigenen Worten am Esstisch genossen, wo die Eltern Jenji und ihre Zwillingsbrüder zu intelligenteren Witzen anhielten. Drehbuchautorin wurde sie, weil ein Ex-Freund sagte, auf dem Gebiet hätte sie keine Chance. "Meine gesamte Karriere findet unter dem Motto: 'Leck mich!' statt", sagte sie einmal. Kohan macht sich als eine der wenigen Frauen in Hollywood für drastische Sexszenen stark. "Ich möchte mehr Sex sehen", sagte sie in einem Interview, "wir denken alle ständig daran, und es sollte viel mehr gezeigt werden."

Sie schlachte gern heilige Kühe, sagt Kohan, und sie weiß, dass man sich dabei manchmal ein bisschen clever anstellen muss. An der Story von Piper Kerman etwa, auf der "Orange Is the New Black" basiert, interessierte sie das Guckloch in eine Welt aus Frauenfiguren, die man so sonst schwer ins Fernsehen kriegt: Alte, Schwarze, Latinas. Kohan pitchte ihre Show bei den Bezahlsendern HBO und Showtime - und bei der Videoplattform Netflix. Letztere orderte 13 Episoden, ohne überhaupt eine Pilotfolge gesehen zu haben, und Jenji Kohan schreibt inzwischen an der zweiten Staffel.


"Orange is the New Black" ist zurzeit nur in den USA auf Netflix zu sehen.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.