Golden Globes in der Kritik Zwielichtige Zahlungen und exquisite Einladungen?

Am Sonntag werden die Golden Globes verliehen. Im Vorfeld hat die »LA Times« einen großen Report veröffentlicht, der den Veranstalter nicht gut aussehen lässt. Vor allem fehle es an Transparenz und Unabhängigkeit.
Lily Collins in »Emily in Paris«

Lily Collins in »Emily in Paris«

Foto:

Stephane Branchu / Netflix

Wenn am Sonntagabend die Golden Globes in einer zweigeteilten Veranstaltung sowohl in Los Angeles als auch in New York verliehen werden, dann stehen nicht nur Stars wie Jane Fonda, Sacha Baron Cohen oder Viola Davis im Rampenlicht, sondern auch die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) – doch wie so üblich für die kleine Presseorganisation, die die Globes ausrichtet, aus wenig schmeichelhaften Gründen.

In einem großen Hintergrundstück  hat die »Los Angeles Times« recherchiert, wie es zu großzügigen Zahlungen an einzelne Mitglieder kam, was hinter der heftig kritisierten Nominierung der Netflix-Serie »Emily in Paris« stecken könnte und wie sich Interessenkonflikte unter den Mitgliedern der HFPA häufen.

Kritik an der HFPA kommt in der US-Unterhaltungsbranche mit großer Regelmäßigkeit auf. Das liegt vor allem am Aufbau der Organisation: Nur 87 Mitglieder umfasst der Verband der internationalen Hollywood-Korrespondent*innen zurzeit. Die Academy, die die Oscars verleiht, kommt auf mehr als 10.000 stimmberechtigte Mitglieder. Wegen ihrer geringen Mitgliederzahl gelten die Nominierungen und Auszeichnungen der HFPA als sprunghaft und unrepräsentativ in der Branche.

Dennoch sorgte eine Auslassung in diesem Jahr für noch mehr Verärgerung als sonst: Die viel gelobte HBO-Serie »I May Destroy You« über die Folgen einer Vergewaltigung wurde komplett übergangen, stattdessen wurde die als seicht und klischiert kritisierte Netflix-Produktion »Emily in Paris« mit zwei Nominierungen, darunter der als bestes Comedy-Format, gewürdigt. Wie die »Los Angeles Times« nun offenlegt, wurden mehr als 30 Mitglieder der HFPA von Netflix zu einem Besuch auf dem Set von »Emily in Paris« nach Paris eingeladen. Dort wurden die Journalist*innen für zwei Nächte in einem 5-Sterne-Hotel untergebracht. »Wir wurden wie Könige und Königinnen behandelt«, zitiert die Zeitung eine anonyme Quelle.

Keine schwarzen Mitglieder

Dass »I May Destroy You« von der schwarzen Britin Michaela Coel geschrieben und inszeniert ist und sie auch die Hauptrolle spielt, hat zudem für Kritik gesorgt, dass die HFPA die Leistungen von schwarzen Künstlerinnen und Künstlern nicht genügend würdigen würde. Wie die »LA Times« aufzeigt, verfügt die HFPA über kein schwarzes Mitglied.

Ein weiterer Kritikpunkt der Zeitung sind die Honorare, die die HFPA an eigene Mitglieder für die Arbeit in Sichtungskommissionen und ähnlichen Arbeitskreisen auszahlt. 2020 habe die HFPA über 1,9 Millionen US-Dollar an seine Mitglieder für die Erfüllung entsprechender Aufgaben ausgezahlt, so die »LA Times«. 2021 soll der Betrag auf 2,1 Millionen US-Dollar ansteigen. Außerdem sollen etliche Mitglieder nicht hauptsächlich als berichtende Presse tätig sein, sondern diversen Nebentätigkeiten wie PR-Beratung und Moderation nachgehen.

Die Zahlungen an die eigenen Mitglieder sind laut »LA Times« vor allem in den vergangenen zehn Jahren stark angestiegen, also in einem Zeitraum, in dem sich die Arbeitsbedingungen und Honorare für Journalistinnen und Journalisten dramatisch verschlechtert haben. Man könnte die Zahlungen deshalb auch als ein verbandsinternes informelles Versorgungssystem verstehen, genauso wie die verschiedenen Nebentätigkeiten, denen einzelne Mitglieder nachgehen, auch aus ökonomischen Zwängen heraus erfolgen dürften.

Die HFPA verwies darauf, dass sich die Honorare an marktüblichen Sätzen orientierten und Nebentätigkeiten sowie mögliche Interessenkonflikte einer internen Prüfung unterlägen. Die Oscar-Academy zahlt ihren Mitgliedern keine Kompensation für ihre Arbeit am Auswahl- und Auszeichnungsprozess.

Noch immer ein TV-Hit

In der Branche stieß der Report der »LA Times« auf großes Interesse, seine Kritik wird aber nicht an allen Stellen geteilt. So bezweifelt der Branchendienst »Variety« , ob einzelne Aktionen wie die Einladung ans Set von »Emily in Paris« den Nominierungsprozess tatsächlich verzerrten. Die Nominierung stehe in einer langen Reihe von überraschenden Präferenzen der Globes, außerdem wäre das Junket in Paris nichts Außergewöhnliches gewesen: Die Mitglieder hätten den Flug nach Paris selbst bezahlt, und es hätte ähnliche Veranstaltungen auch zu anderen Produktionen gegeben.

Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die HFPA zwar keine schwarzen Mitglieder hat, aber etliche People of Color im Verband sind und prestigeträchtige Funktionen einnehmen. So hat die indische Journalistin Meher Tatna mehrfach als Präsidentin gedient. Man werde sich aber mit dem Problem auseinandersetzen, keine Schwarzen in seinen Reihen zu haben, so ein Sprecher der HFPA.

Die HFPA ist eine Non-Profit-Organisation, die ihr Budget aus den Einnahmen für die TV-Lizenz der Golden-Globes-Übertragung sowie einer jährlichen Spendengala bezieht. Der Großteil der Einnahmen wird wohltätigen Zwecken gespendet sowie in ein Stipendienprogramm investiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Preisverleihungen, insbesondere den Oscars, erfreuen sich die Globes beim Fernsehpublikum einer vergleichsweise großen und vor allem konstanten Beliebtheit. So bewegen sich die Zuschauerzahlen in der Regel zwischen 18 und 20 Millionen und liegen damit deutlich über denen der Emmys. Die Oscars kamen 2020 auf 23,6 Millionen Zuschauer*innen, 2017 lagen sie noch bei 32,9 Millionen.

Die Beliebtheit der Globes liegt vor allem an den Moderator*innen, die im Vergleich zu den Emmys und vor allem den Oscars sehr weit in ihren Sticheleien gegen die Branche gehen können. Als Highlight der Gala gelten die Auftritte der Comedians Tina Fey und Amy Poehler, die von 2013 bis 2015 moderierten. In diesem Jahr werden beide als Moderatorinnen zurück sein – allerdings an verschiedenen Orten. Poehler wird von Los Angeles aus moderieren, während Fey in New York sein wird.

hpi