Gottschalk zu Nachfolgedebatte Ich, der einsame Cowboy

Dramatische Wende in der "Wetten, dass..?"-Nachfolgedebatte: Thomas Gottschalk behauptet in einem Interview, es gebe geeignete Erben, und rät ihnen, es nicht "besser", aber "anders" zu machen. Was will uns der Mann eigentlich sagen?

Gottschalk bei vorletzter Sendung in Leipzig: "Ein Wechsel tut immer gut"
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Gottschalk bei vorletzter Sendung in Leipzig: "Ein Wechsel tut immer gut"


Hamburg - In der Nachfolgedebatte um die Moderation der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?" hat sich der scheidende Moderator Thomas Gottschalk eingeschaltet. Der Entertainer widersprach der Einschätzung, es gebe keine geeigneten Nachfolger für ihn, und sagte der "Bild"-Zeitung: "Natürlich gibt es Leute, die das können." Ein Wechsel tue "immer gut".

Die Äußerungen Gottschalks markieren einen Wendepunkt in der dramatischen Diskussion um die Zukunft von Europas wichtigster Unterhaltungssendung: Waren Kommentatoren und Öffentlichkeit nach den letzten Sendungen Gottschalks einhellig der Ansicht, es könne keinen Nachfolger für den blonden Wahl-Malibuer geben, weil nur der es verstehe, der Sendung angemessen würdig vorzusitzen, werden sie nun vom einzigen Menschen, der wirklich als "Wetten, dass..?"-Experte gelten kann, eines Besseren belehrt: Gottschalk selbst.

Mit nur wenigen Sätzen greift Gottschalk in die Debatte ein, doch es sind Sätze von höchster Schlagkraft - dabei gleichzeitig mit großer Leichtigkeit und Raffinesse formuliert. Wie so oft scheinen Gottschalks Worte zunächst ganz offensichtliche Botschaften zu transportieren, entfalten bei genauerer Betrachtung jedoch eine Vielzahl versteckter Bedeutungsebenen. Sie sind das Vermächtnis eines großen Unterhalters - und bedürfen daher einer ausführlichen Interpretation.

Es kann nur einen Sean Connery geben

Gottschalk bemüht ein Beispiel aus der Kino-Unterhaltung, um seine Haltung zur Weiterführung der Show zu illustrieren: "Ich wollte nie einen anderen James Bond als Sean Connery. Inzwischen finde ich Daniel Craig klasse." Craig ist der aktuelle Bond-Darsteller, während Connery vielen Fans als die einzige richtige Besetzung gilt. Offenbar sieht sich Gottschalk in dieser Analogie als eine Art Connery, während ein noch ungenannter Nachfolger Craig sein könnte. Was Gottschalk allerdings unerwähnt lässt, ist die Tatsache, dass auf Connery zunächst George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan folgen mussten, bevor das Publikum endlich mit Craig erlöst wurde. Die versteckte Botschaft Gottschalks lautet also: Erst müssen vier Moderatoren scheitern, bis ein fünfter mich ersetzen kann.

Weiterhin versicherte der vielfach als "Show-Titan" beschriebene Moderator, die Sendung "Wetten, dass..?" mit seinem Weggang nicht beschädigen zu wollen: "Das ZDF hat natürlich die Sorge, dass ich bei meinem Ritt in den Sonnenuntergang den Gaul gleich mit um die Ecke bringen könnte. Das ist nicht meine Absicht, denn ich gönne der Show weiterhin jeden Erfolg." Gottschalk bezieht sich hier auf ein typisches Bild aus Western-Filmen, in welchen der Held am Ende einsam auf einem Pferd in die Dämmerung reitet. Bemerkenswert an dieser Analogie ist die Tatsache, dass sich das Western-Pferd für gewöhnlich im Eigentum des Reiters befindet. Gottschalk scheint also zum Ausdruck bringen zu wollen, dass er und nicht das ZDF Eigentümer von "Wetten, dass..?" sei. Rätselhaft ist allerdings der Verweis auf einen möglichen Mord am Reittier - ein solches Verhalten ist von Westernhelden nicht bekannt. Auch dürfte es selbst Gottschalk unmöglich sein, auf einem verstorbenen Pferd zu reiten.

Seinem potentiellen Nachfolger gegenüber zeigte sich Gottschalk ambivalent: Einerseits solle diese Person nicht versuchen, die Sendung "besser" zu machen, sondern "anders". Andererseits habe diese Person dazu nicht mehr allzu viele Möglichkeiten: "Ich gebe allerdings zu, dass der Knochen, den ich hinterlasse, schon ziemlich abgenagt ist." Was genau Gottschalk mit dieser Bemerkung gemeint haben könnte, ist derzeit Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Die wahrscheinlichste Annahme ist, dass sich Gottschalk damit auf eine Wette in der vergangenen "Wetten, dass..?"-Ausgabe vom Samstag bezieht, in welcher eine Kandidatin Labrador-Hunde am Geruch ihres Atems erkennen konnte. Eine Bestätigung gab es dafür allerdings zunächst nicht.

Jüngst war bekannt geworden, dass das ZDF möglicherweise zwei Moderatoren für die künftige Moderation von "Wetten, dass..?" einsetzen will. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass sich diese Zahl in den nächsten Tagen noch deutlich erhöhen könnte.

kuz

insgesamt 23 Beiträge
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toledo, 08.11.2011
1. ......
Stand/steht Frau Katzenberger wirklich zur Disposition oder ist das in der Umfrage nur ein Injoke von SPON?
Jott, 08.11.2011
2. Satire?
Jetzt mal unter uns: Der Artikel ist eine Satire, richtig? "Dramatische Wende.."? "Sie sind das Vermächtnis eines großen Unterhalters - und bedürfen daher einer ausführlichen Interpretation..."? Der ganze letzte Absatz? Was haben sie genommen?
Deali, 08.11.2011
3. .
Zitat von sysopDramatische Wende in der "Wetten, dass..?"-Nachfolgedebatte: Thomas Gottschalk behauptet in einem Interview, es gäbe geeignete Erben und*rät*ihnen, es*nicht "besser", aber "anders" zu machen.*Was will uns der Mann eigentlich sagen? http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,796502,00.html
Der ganze Bericht ist Schwachsinn! Diese tote Sendung gehört in den Müll und Gottschalk gleich mit. Der sollte Kurzfilme drehen, das kann er eventuell. Haribo lässt grüßen!
franks meinung 08.11.2011
4. Ein Zeichen
Ich hoffe, das diese Pseudophilosophie eine satirische Betrachtung darstellen soll. Der Artikel erinnert mich stark an Monty Python - Das Leben des Brian. "Die Sandale ist ein Zeichen, dass wir alle Sandalen sammeln müssen."
rauchzeichen 08.11.2011
5. qualis artifex pereo
Zitat von JottJetzt mal unter uns: Der Artikel ist eine Satire, richtig? "Dramatische Wende.."? "Sie sind das Vermächtnis eines großen Unterhalters - und bedürfen daher einer ausführlichen Interpretation..."? Der ganze letzte Absatz? Was haben sie genommen?
Wenn man fragen muss ob es eine Satire ist, dann ist es vermutlich ernst gemeint. Deshalb habe ich erst mal für Florian Silbereisen gestimmt ;-)
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