Wichtigster Fernsehpreis Grimme-Preis für Carolin Kebekus, »Unorthodox« und Mai Thi Nguyen-Kim

Mit »Männerwelten« und Carolin Kebekus punktet politische Unterhaltung beim Grimme-Preis 2021. Unter dem Eindruck der Pandemie sind zudem gleich mehrere ausgezeichnete Formate entstanden.
Moderatorin und Comedian Carolin Kebekus: Ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis 2021

Moderatorin und Comedian Carolin Kebekus: Ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis 2021

Foto: WDR

Fernsehen mit Haltung hat sich bei den Grimme-Preisen 2021 durchgesetzt. In der Sparte Unterhaltung wurden sowohl die Spezialsendung »Männerwelten« (ProSieben), in der alltäglicher Sexismus gegen Frauen als Kunstausstellung inszeniert wurde, als auch die »Carolin Kebekus Show« (ARD) ausgezeichnet. Kebekus hatte im vergangenen Jahr mehrfach für Aufsehen gesorgt, als sie in ihrer Sendung tagesaktuelle Themen aufgriff und zum Beispiel in der Folge des Mordes an dem Schwarzen George Floyd einen »Brennpunkt«-artigen Schwerpunkt zu Rassismus in ihre Show integrierte.

Autorin und Moderatorin Sophie Passmann führt durch die Spezialsendung »Männerwelten«

Autorin und Moderatorin Sophie Passmann führt durch die Spezialsendung »Männerwelten«

Foto: Männerwelten / © ProSieben

Zu den insgesamt 17 Preisträgerinnen und Preisträgern, die das Grimme-Institut am Dienstagvormittag bekannt gab, gehört auch die Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim . Sie werde, so die Jury, »für ihre sowohl wissenschaftlich hochkompetente als auch breitenwirksame Informationsvermittlung zum Thema Corona« mit einem Preis für besondere journalistische Leistungen geehrt.

Nguyen-Kims Formate »maiLab« sowie »Quarks – Corona in 5 Minuten« sind nicht die einzigen Formate mit Bezug zur Pandemie, die in diesem Jahr ausgezeichnet worden sind. So überzeugte die ZDFneo-Serie »Drinnen – Im Internet sind alle gleich« in der Kategorie Fiktion und das tägliche Satireformat »Noch nicht Schicht« mit Sebastian Pufpaff (3sat) in der Unterhaltungssparte. In »Drinnen« spielt Lavinia Wilson eine Frau, die im pandemiebedingten Homeoffice zwischen Kinderbetreuung und Karrieresprung aufgerieben wird.

Lavinia Wilson in »Drinnen«

Lavinia Wilson in »Drinnen«

Foto: btf GmbH / ZDF

»Wie es den Verantwortlichen der ZDFneo-Produktion gelungen ist, im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mit leichtem technischem Gepäck dieses so virtuose wie witzige Krisenszenario zu entwickeln, beweist ein untrügliches Gespür für den Puls der Zeit und eine enorme Lust an der Improvisation«, lobte die Jury an »Drinnen«. »Corona, ›Querdenken‹, selbst der ›soft close‹-Mechanismus von Toiletten: Alles passt rein in diese siebenminütige Wundertüte, die Pufpaff den Tag über für uns füllt«, heißt es in der Preisbegründung für »Noch nicht Schicht«.

In der Fiktion setzte sich der Trend weg vom »Tatort« hin zur Serie fort. Wieder wurde kein einziger Sonntagabendkrimi ausgezeichnet, stattdessen gewannen die Netflix-Produktion »Unorthodox«  von Showrunnerin Anna Winger unter der Regie von Maria Schrader sowie die ONE/WDR-Koproduktion »Parlament«, eine Politsatire über den Alltag im Europäischen Parlament.

Unter den Preisträgern ist auch Charly Hübner, der für das ARD-Banker-Roadmovie »Für immer Sommer 90« sowohl fürs Schauspiel als auch für das Drehbuch ausgezeichnet wurde. Einen weiteren Grimme-Preis erhält Matthias Brandt; er spielt die Hauptrolle in Jan Bonnys Trauma-Thriller »Wir wären andere Menschen«, den das ZDF bei seiner Erstausstrahlung wegen expliziter Gewaltdarstellungen von der Primetime ins Nachtprogramm verschoben hatte.

»Tagesthemen«-Moderatorin Caren Miosga wird in diesem Jahr die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands, des Stifters des Grimme-Preises, zuteil. Miosga zeichne »eine bestechende Kombination aus Sachlichkeit, Stringenz und charmanter, wohldosierter Ironie« aus, heißt es zur Begründung.

Pandemiebedingt ist die Verleihung des Grimme-Preises vom Frühling in den Spätsommer verlegt worden. Nach jetziger Planung soll sie am 27. August in Marl stattfinden.

Die Preisträgerinnen und Preisträger im Überblick

Wettbewerb Fiktion:

  • »Drinnen – Im Internet sind alle gleich« (ZDFneo)

  • »Für immer Sommer 90« (ARD)

  • »Parlament« (ONE/WDR)

  • »Unorthodox« (Netflix)

  • »Wir wären andere Menschen« (ZDF)

Wettbewerb Kultur und Information:

  • »Der Ast, auf dem ich sitze« (ZDF/3sat)

  • »Loveparade – Die Verhandlung« (WDR/Arte)

  • »Vernichtet: Eine Familiengeschichte aus dem Holocaust« (rbb/HR/NDR)

  • Isabel Schayani (Spezialpreis)

  • Mai Thi Nguyen-Kim (für besondere journalistische Leistungen)

Wettbewerb Unterhaltung:

  • »15 Minuten Joko & Klaas – Männerwelten« (ProSieben)

  • »Die Carolin Kebekus Show« (WDR)

  • »Noch nicht Schicht« (ZDF/3sat)

Wettbewerb Kinder & Jugend:

  • »Die Sendung mit dem Elefanten – Wir kriegen ein Baby«/Folge 559 (WDR)

  • »Masel Tov Cocktail« (SWR/Arte)

  • Mina-Giselle Rüffer (Spezialpreis)

Wettbewerb Marler Gruppe:

»Afghanistan. Das verwundete Land« (NDR/Arte)

Besondere Ehrung des DVV:

Caren Miosga

Transparenzhinweis: SPIEGEL-Redakteur Christian Buß war Mitglied in der Jury Fiktion, SPIEGEL-Redakteurin Hannah Pilarczyk war Jurypräsidentin in der Kategorie Unterhaltung

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir in der Zeile den Namen der Grimme-Preisträgerin an Mai Thi Nguyen-Kim falsch geschrieben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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