Grimme-Preis Netflix-Produktionen in drei Kategorien nominiert

Dass Netflix fiktionale Stoffe beherrscht, ist bekannt. Doch diesmal ist der Streamingdienst auch in »Unterhaltung« und »Information« im Rennen um den Grimme-Preis. Sonderpreise winken zwei ZDF-Reporterinnen.
Steht auch für das Großthema Vielfalt: Netflix-Show »Queer Eye Germany«

Steht auch für das Großthema Vielfalt: Netflix-Show »Queer Eye Germany«

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Thomas Schenk / Netflix

Dass Netflix für Serien oder auch Spielfilme mit Preisen prämiert wird, ist keine Neuigkeit mehr. Auch bei den Nominierungen für den 59. Grimme-Preis 2023 sind zwei Produktionen des Streamingdienstes in der Kategorie »Fiktion« im Rennen – zum einen »Kleo«, zum anderen der »Dark«-Nachfolger »1899«. Letztere Nominierung löst gemischte Gefühle aus: Netflix gab jüngst bekannt, die Serie nicht über die erste Staffel hinaus fortsetzen zu wollen.

Neben »Fiktion« tagen noch in drei anderen Kategorien Nominierungskommissionen. Nachdem Netflix in »Kinder & Jugend« vor zwei Jahren schon Nominierungen verzeichnen konnte und in »Information & Kultur« 2021 eine Rohwedder-Doku nominiert war, hat diesmal im Informations-Bereich Volker Heises Doku-Serie »Gladbeck – das Geiseldrama« Preischancen. Dazu kommt nun auch eine Nominierung im Bereich »Unterhaltung«: Die Verschönerungsshow »Queer Eye Germany « ist im Rennen, unter anderem gegen das »ZDF Magazin Royale« und eine Sonderausgabe von Tim Mälzers »Küchencrew« (Vox).

Szene aus der Dokuserie »Gladbeck: Das Geiseldrama«

Szene aus der Dokuserie »Gladbeck: Das Geiseldrama«

Foto: Netflix

Aus mehr als 780 Einreichungen wurden insgesamt 69 Produktionen und Einzelleistungen nominiert. Die Mehrzahl ist wie üblich aus öffentlich-rechtlicher Hand. Ausnahmen kommen neben den Netflix-Produktionen und der Vox-Kochshow auch von RTL, das für zwei Serien nominiert ist, sowie von Magenta TV, das sich über eine Nominierung für die Serie »Oh Hell« freuen kann. ProSieben könnte dank Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf einen Sonderpreis bekommen für ihre 15 Minuten Aufmerksamkeit für die Revolution in Iran.

Grimme-nominiert: RTL-Serie »Ze Network« mit David Hasselhoff und Henry Hübchen

Grimme-nominiert: RTL-Serie »Ze Network« mit David Hasselhoff und Henry Hübchen

Foto: Christian Alvart / RTL

»Die schwierige weltpolitische Lage hat sich im vergangenen Jahr mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine, der Energiekrise und den Protesten in Iran noch einmal deutlich zugespitzt. Die Nominierungen in diesem Jahr zeigen, wie viel herausragendes Programm es im vergangenen Jahr zu diesen Themenkomplexen gab, lassen dabei aber auch die Dringlichkeit und Relevanz weiterer drängender gesellschaftlicher Themen nicht außer Acht«, versucht Grimme-Direktorin Frauke Gerlach eine Klammer für die Nominierungen zu finden.

Unter anderem sind zwei ZDF-Reporterinnen für Sonderpreise nominiert: Golineh Atai für ihre Berichterstattung aus der arabischen Welt und Katrin Eigendorf »für die singuläre Arbeit als Kriegsreporterin in der Ukraine«. Außerdem könnten die »kontinuierlichen investigativen Recherchen zu Randthemen des Rechtsradikalismus« im RBB-Magazin »Kontraste« als »besondere journalistische Leistung« gewürdigt werden.

»Besondere journalistische Leistung«: ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf

»Besondere journalistische Leistung«: ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf

Foto: Svea Pietschmann / ZDF

Über alle Kategorien hinweg zeige sich, wie relevant das Thema Vielfalt für unsere Gesellschaft ist, heißt es in der Grimme-Mitteilung. Von den zehn Nominierungen der Kategorie »Unterhaltung« rücken es vier Produktionen in den Fokus.

Der Jugendfilm »Futur Drei« (RBB) biete eine besonders eindringliche und einfühlsame Herangehensweise an die Themen Queerness und Identitätsfindung bei Heranwachsenden. Dem Thema Vielfalt widme sich auch »Die Sendung mit dem Elefanten – Warum gibt es unterschiedliche Hautfarben?« (WDR/Kika).

Ab dem 28. Januar kommen in Marl die Jurys zusammen, um über die Vergabe von 16 möglichen Grimme-Preisen zu urteilen. Wer die Auszeichnungen bekommt, wird am 21. März bekannt gegeben. Am 21. April werden die Preise im Theater der Stadt Marl verliehen.

feb
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