Renommierter TV-Preis Dschungelcamp fällt bei Grimme-Jury durch

Eine Trophäe fürs Trash-TV? Nix da! Die Nominierung der umstrittenen RTL-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" hatte die Gemüter erhitzt, ließ die Grimme-Jury aber kalt. Das Dschungelcamp wird nicht mit dem angesehenen Fernsehpreis ausgezeichnet.

RTL

Hamburg/Düsseldorf - Das Dschungelcamp von RTL ist zwar ein Quotenhit, rund 8,76 Millionen Zuschauer schalteten zum letzten Staffel-Finale ein. Doch der große Erfolg beim Publikum ist bei der Vergabe von Deutschlands angesehenster TV-Trophäe - anders als beim Musikpreis Echo - kein Garant für eine Auszeichnung. So konnte die Sendung die TV-Juroren letztlich nicht überzeugen: Bei der 49. Vergabe der Grimme-Preise ging das Trash-Format "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" leer aus.

Schon die Nominierung des RTL-Formats war umstritten. Denn mit dem Preis werden laut Grimme-Institut "Fernsehsendungen und -leistungen ausgezeichnet, die für die Programmpraxis vorbildlich und modellhaft sind". Ob das Dschungelcamp mit seiner Schleim- und Kakerlaken-Schau diesem Anspruch gerecht wird, kann man sich zu Recht fragen.

Das Dschungelcamp war in der Kategorie Unterhaltung nominiert, dem kleinsten Teil des Wettbewerbs. Während in den anderen Kategorien jeweils fünf Preise zu vergeben sind, kann die Jury Unterhaltung nur zwei Auszeichnungen vergeben.

Das RTL-Format unterlag der starken Konkurrenz: Die Grimme-Preise in der Kategorie Unterhaltung gingen an das "Switch Reloaded - 'Wetten, dass..?'-Spezial" (ProSieben) und an die NDR-Sendung "Der Tatortreiniger - Schottys Kampf", der sich damit zum zweiten Mal in Folge zum Sieg putzte.

Weniger Aufreger gab es in den anderen Kategorien des Wettbewerbs. Im Bereich Information dominieren wie gewohnt die großen öffentlich-rechtlichen Anstalten: Die Grimme-Jury ehrte die Produktionen "Seelenvögel" (WDR), "Ein deutscher Boxer" (NDR/SWR), "Vaterlandsverräter" (ZDF/Arte) sowie die Dokumentar-Trilogie "Was lebst du? - Was du willst - Wo stehst du?" (ZDF) der Autorin Bettina Braun.

In der Kategorie Fiktion konnte sich nur eine einzige Produktion eines Privatsenders durchsetzen: Die Serie "Add a Friend"des Pay-TV-Senders TNT Serie war für einen Spezialpreis nominiert worden - und steht nun auch auf der Liste der Gewinner. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz ist jedoch erdrückend. Weitere Grimme-Preisträger in dieser Kategorie sind der von der ARD ausgestrahlte Kritiker- und Publikumsliebling "Der Turm" nach dem Roman von Uwe Tellkamp, sowie "Der letzte schöne Tag" (WDR), ein Film über den Selbstmord einer jungen Mutter, das Justizdrama "Das Ende einer Nacht" (ZDF) und den auf einem realen Verbrechen beruhenden ZDF-Kriminalfilm "Der Fall Jakob von Metzler".

Sonderpreise gingen an "Blaubeerblau", eine Tragikomödie zur ARD-Themenwoche "Leben mit dem Tod", "Fremde Kinder: Der Vorführer", eine Dokumentation über einen Jungen aus Bangladesch, und das Psychodrama "Über uns das All".

bos



insgesamt 28 Beiträge
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ottomerlin1 27.03.2013
1. Glückwunsch
Da kann man die Jury nur beglückwünschen. Solche Entscheidungen fallen bei dem heutigen Fernsehniveau ja nicht all zu oft.
steelseries 27.03.2013
2. Wirklich?
War das nicht von vornherein klar, dass dieses Format nicht ausgezeichnet wird? Der Grimme-Preis kämpft jährlich mit derartigen Nominierungen gegen die mediale Bedeutungslosigkeit. Ein kleiner Sturm im Blätterwald ob der schwachsinnigen Nominierung und schon hat man sich gesichert, nach dem man sich bei der Preis-Jury doch so sehr sehnt - Aufmerksamkeit.
malcom1 27.03.2013
3. Gott sei Dank!!!!!
Eine gute Entscheidung. Demnächst bekommt noch Richterin Salisch oder irgendein Trash den Grimme Preis.
jerzick 27.03.2013
4.
Dieses widerwärtige Format würde ich nie anschauen. Schon dass es nominiert wurde beschädigt meiner Meinung nach den Grimme Preis.
orthos 27.03.2013
5. Vielen dank,
liebe Jury! Sonst hätte das deutsche TV selbst den letzten Quant Anspruch verlosren.
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