Wichtigster Fernsehpreis Grimme-Preise für "Bad Banks", "Beat" und Böhmermann

Der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann ist für seine TV-Show "Lass dich überwachen!" mit einem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Auch deutsche Serien, unter anderem von Amazon, räumten ab.

Amazon

Auch dieses Jahr sind die Serien die großen Abräumer bei den Grimme-Preisen. Gleich drei von fünf Preisen in der Kategorie Fiktion gingen an Mehrteiler. Ausgezeichnet wurden der Finanzthriller "Bad Banks" (ZDF) über Investmentbanker von Headautor Oliver Kienle und Regisseur Christian Schwochow sowie der Cyber-Thriller "Hackerville" über rumänische Computer-Kids, der in einer Kooperation der Pay-TV-Sender HBO Europe und TNT-Serie entstand. Die Serie wurde von Ralph Winter und Jörg Winger entwickelt, letzterer zeichnete bereits für "Deutschland 83" verantwortlich.

Außerdem erhält die Amazon-Serie "Beat" über das Berliner Nachtleben eine Auszeichnung, sie schaffte es erst über eine Nachnominierung in den Wettbewerb. "Beat" ist die erste Serie von Kinoregisseur Marco Kreuzpaintner ("Krabat") und zugleich die erste Serie der Streamingplattform Amazon, die sich über den begehrten TV-Preis freuen kann. 2018 war mit "Dark" erstmalig eine Netflix-Produktion ausgezeichnet worden.

Aus der Auswahl der Neunzigminüter setzten sich die Berliner "Tatort"-Folge "Meta", eine Hommage des Fernsehkrimis an den Kinoklassiker "Taxi Driver", sowie die ARD-Komödie "Familie Lotzmann auf den Barrikaden" von Axel Ranisch durch. Der hoch gehandelte ARD-Zweiteiler "Gladbeck" ging hingegen leer aus; dieser war Ende Januar der große Abräumer beim Deutschen Fernsehpreis gewesen.

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Grimme-Preis 2019: Boot, Böhmermann und böse Banken

Im Bereich Information & Kultur wird unter anderem Regina Schillings vielbeachtete Doku "Kulenkampffs Schuhe" ausgezeichnet (SWR/HR), ein aus Originalmaterial montierter, doppelbödiger Erinnerungsfilm über die Frühzeit des deutschen Fernsehens. Mit dem Preis für eine "Besondere Journalistische Leistung" innerhalb der Info-Kategorie wird Isabel Schayani geehrt. Die Jury lobt die besondere Qualität ihrer "Tagesthemen"-Kommentare, "Weltspiegel"-Moderationen und WDRforyou-Beiträge.

In der Kategorie Unterhaltung kann sich der schon vielfach ausgezeichnete Jan Böhmermann auf eine weitere Trophäe freuen - sein Show-Special "Lass dich überwachen! - Die Prism is a Dancer Show"(ZDFneo) kriegt einen Grimme-Preis. Bereits zum zweiten Mal wird auch Maren Kroymann für die nach ihr benannte Comedyshow (Radio Bremen) geehrt. Seinen ersten Grimme-Preis erhält hingegen Luke Mockridge für die Unterhaltungsshow "CATCH! Der große Sat.1 Fang-Freitag".

Insgesamt wurden 70 Produktionen und Einzelleistungen für den 55. Grimme-Preisnominiert. Es gab mehr als 850 Einreichungen und Vorschläge. Verliehen werden die Auszeichnungen am 5. April 2019 im Theater der Stadt Marl.


Anmerkung der Redaktion: SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Christian Buß ist Mitglied der Grimme-Jury Fiktion, SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin Hannah Pilarczyk ist Vorsitzende der Grimme-Jury Unterhaltung.

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beathovenr66 26.02.2019
1. Bad Banks ?
Wo ist der Qualitätsmasstab für den früher so bedeutenden Grimme geblieben ? Eine Serie wie Bad Banks, nicht nur für mich der TV Tiefpunkt des Jahres, erfüllt nicht einmal ansatzweise einen aussergewöhnlichen Kulturbeitrag. Schwaches Buch, noch schwächere Darsteller und eine hoffnungslos überforderte Regie flicken ein Bild überzeichneter Intrigen, Raubtiermentalität und gewohnheitsmässigen Drogenmissbrauch. Hier findet kein halbwegs vernünftiger Mensch statt und die Klischees laufen einander nach. Wenn die Finanzwelt so funktioniert wie in dieser Albernheit gezeigt, könnte mich kein Millionengehalt dafür begeistern. Sind wir hier in Deutschland tatsächlich zu Kulturzwergen mutiert ?
DrStrang3love 26.02.2019
2.
Zitat von beathovenr66Wo ist der Qualitätsmasstab für den früher so bedeutenden Grimme geblieben ? Eine Serie wie Bad Banks, nicht nur für mich der TV Tiefpunkt des Jahres, erfüllt nicht einmal ansatzweise einen aussergewöhnlichen Kulturbeitrag. Schwaches Buch, noch schwächere Darsteller und eine hoffnungslos überforderte Regie flicken ein Bild überzeichneter Intrigen, Raubtiermentalität und gewohnheitsmässigen Drogenmissbrauch. Hier findet kein halbwegs vernünftiger Mensch statt und die Klischees laufen einander nach. Wenn die Finanzwelt so funktioniert wie in dieser Albernheit gezeigt, könnte mich kein Millionengehalt dafür begeistern. Sind wir hier in Deutschland tatsächlich zu Kulturzwergen mutiert ?
Ich muss sage, ich verstehe diese Beschwerde nicht. Was haben Sie erwartet? Das ist eine Dramaserie, also Unterhaltung. Natürlich wird da mit Übertreibungen und Vereinfachungen gearbeitet. Glauben Sie etwa tatsächlich, dass irgendeine andere Dramaserie in welcher Form auch immer tatsächlich die Realität abbildet. Wenn Sie wissen wollen, wie es in der Finanzindustrie in der Wirklichkeit zugeht, müssen Sie sich eine Dokumentation anschauen.
MagittaW 26.02.2019
3. Armes Filmförderland BRD
ja, das ist wirklich traurig: Bad Banks als "Fernsehevent" zu hypen und mit Preisen zu überschütten. Es ist so traurig, den Zustand des deutschen Fernsehens zu sehen. So viel Schund. So viel moraltriefender Nonsense. So viel Selbstbeweihräucherung. Zum Glück endet die Lindenstrasse - wann endet der Tatort? Warum der öffentliche Rundfunk mit sage und schreibe über 8 Mrd. Euro jährlichen Einnahmen nicht mal halbwegs gute Filme oder Serien produzieren? Vermutlich, weil es nicht um gute Unterhaltung gehen soll, sondern um Volkserziehung (so hieß das in der DDR). Die moralische Richtung ist sinnstiftend für jede Produktion, und das sieht man dann leider auch. Grenzdebiles Fernsehen, mit klarem Schwarz/Weiß - Denken. So langweilig, so öde, so deutsch. Schafft den öffentlichen Rundfunk ab. Es wird Jahr für schlimmer, die "Qualität" ist unterirdisch.
xrambo 26.02.2019
4.
Bad Banks war richtig gemacht. Intriegen, Gier, Geldgeilheit und Betrügen wo es geht und lohnt.
Saunarr 26.02.2019
5. Preise,
die frühe Form von gekauften Forumsbeiträgen. :-)
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