Griechenland-Talk bei Günther Jauch Stoiber schreit den Grexit herbei

Griechenland kurz vor dem Euroaustritt? Die EU vor dem Auseinanderfallen? Die Lage in der Eurozone hat sich drastisch zugespitzt, entsprechend hitzig war die Debatte bei Günther Jauch.
Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber: "So geht es wirklich nicht weiter!!!"

Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber: "So geht es wirklich nicht weiter!!!"

Foto: Paul Zinken/ dpa

Gesprächsrunden, in denen kein Gespräch stattfindet, sind so enervierend wie fruchtlos. Was sich am Sonntag bei Günther Jauch abspielte, war ein Angebelle, das schwerlich sinnvoll zusammenzufassen ist.

Der Angebellte war eigentlich durchgehend der Vertreter der griechischen Regierungspartei Syriza: Wirtschaftswissenschaftler Theodoros Paraskevopoulos. Oberanbeller war der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der offensichtlich den Grexit via Talkshow herbeischreien wollte ("So geht es wirklich nicht weiter!!!"). Seine Botschaft: Die Griechen sollen raus aus dem Euro, weil sie die Regeln des Euroraums nicht einhalten.

ARD-Börsenfrau Anja Kohl hätte ihm entgegnen können, dass Deutschland von den Maastricht-Kriterien bis zum Rettungsschirm auch schon so ziemlich jeden Vertrag im Euroraum gebrochen hat - was sie vor fünf Monaten an gleicher Stelle auch gemacht hatte. Doch auch sie schoss sich auf den etwas hilflosen und reichlich verlaberten Paraskevopoulos ein. "Das Land ist nicht mehr liquide, und Sie versuchen uns klarzumachen, dass nichts passiert ist!" schimpfte sie, offensichtlich genervt darüber, dass er den Ernst der Lage nicht genügend würdigen wollte.

Syriza-Mann auf verlorenem Posten

Klaus Regling schließlich, Direktor des sogenannten Euro-Rettungsschirms ESM und an den gescheiterten Verhandlungen mit der griechischen Regierung beteiligt, begegnete dem Syriza-Vertreter mit der höflichen Verachtung des Technokraten, der gerade noch ein bisschen Mitleid übrig hat mit jenen armen Wichten, die die Rettung Griechenlands durch radikale Austeritätspolitik für eine soziale und wirtschaftspolitische Katastrophe halten.

Theodoros Paraskevopoulos: Edmund Stoiber bellte ihn an

Theodoros Paraskevopoulos: Edmund Stoiber bellte ihn an

Foto: Paul Zinken/ dpa

Paraskevopoulos stand auf verlorenem Posten. Dass der Deal "Kredite gegen Sparen" in Wahrheit eine "Rettungsweste aus Blei" sei, dass den Alten und Arbeitslosen keine weiteren Kürzungen zuzumuten seien, dass die Sparauflagen das griechische Wirtschaftsleben abwürgten und insofern die verlangten Überschüsse nicht zu erreichen seien: Bloß bruchstückhaft konnte er die Argumente liefern, die seine Partei in Griechenland an die Macht gebracht haben.

Die Ausgangsfrage der Sendung - "Showdown im Schuldenstreit - was wird aus Griechenland?" - versuchte Moderator Jauch immer mal wieder in die Runde zu werfen, ansonsten begleitete er das Gebelle und Sich-ins-Wort-Fallen seiner Gäste durch permanentes Lamentieren darüber, dass man sich doch lieber nicht so streiten und ins Wort fallen möge.

ESM-Chef lobt Rentenkürzungen

Herauszulesen war aus der Talk-Kakofonie bloß einmal mehr die hinlänglich bekannte Frontstellung: Hier die Syriza-Regierung, die die von ESM und IWF verlangte "schmerzhafte Anpassung" (Regling) für ein ruinöses neoliberales Spardiktat hält und nach Kräften bekämpft. Dort die EU-Finanzinstitutionen, die Syriza genau das vorwerfen: Dass sie die Sparpolitik nicht durchsetzen wolle.

Wie viele Syriza-Vertreter und -Sympathisanten in diesen Stunden beschrieb auch Paraskevopoulos den Schritt der griechischen Regierung, das Volk über den jüngsten Gläubigervorschlag abstimmen zu lassen, als Notwehr gegenüber einem böswilligen Verhandlungspartner: Nachdem man am vergangenen Montag bereits ein Verhandlungsergebnis erreicht habe, seien die Gläubiger am Donnerstag mit neuen drastischen Forderungen gekommen. Seitdem die Syriza-Regierung im Amt sei, so Paraskevopoulos, versuchten die europäischen Institutionen, die griechische Wirtschaft abzuwürgen, um weitere Zugeständnisse zu bekommen. Das sei eine Verschwörungstheorie, konterte Regling.

Andererseits: Dass in den europäischen Institutionen die Sektkorken knallen würden, wenn die linke Syriza-Regierung abträte, daran ließ der ESM-Chef keinen Zweifel. Er lobte es als Erfolg, dass die Einkommen und Pensionen der Griechen seit der Schuldenkrise um rund 30 Prozent gekürzt worden seien. Man brauche aber "eine Regierung, die dahintersteht".

Man müsse bereit sein, so Regling, "zusammenzuarbeiten und nicht das Wirtschaftssystem ändern zu wollen". Was sich natürlich auch verschwörungstheoretisch formulieren lässt. Nämlich so: Eine Regierung, die am Wirtschaftssystem etwas ändern möchte, bekommt von dieser EU kein Verhandlungsergebnis.

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