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Multitalent Kerkeling: Heiliges Hannilein

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Hape Kerkeling Die K-Frage

Es ist ja so: Auch nach längerem Nachdenken fällt niemandem ein ähnlich familientauglicher, beliebter und komischer Unterhaltungskünstler ein wie Hape Kerkeling. Darum machen sie beim ZDF genau das Richtige, wenn sie ihn nun schon seit Monaten beknien, nächstes Jahr das Erbe von Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass ¿?" anzutreten. Dennoch kann Kerkeling nicht annehmen - aus gleich mehreren Gründen.

1. Was bekäme er dafür, was er nicht schon besitzt? Millionen von Fans und Euro hat er längst. US-Stars auf dem Show-Sofa begrüßen zu dürfen scheint auch nicht unbedingt seine größte Sehnsucht zu sein.

2. Würde in diesem Fall nicht die Show den Moderator, sondern der Moderator die Show adeln.

3. Erwarten wir von Kerkeling am Samstagabend mehr als von jedem anderen. Klingt ungerecht, ist es auch.

4. Brächte "Wetten, dass …?" ihn in seiner künstlerischen Biografie kein Stück weiter. Wie viel Freiraum hätte er da? Dass er zwischen permanentem An- und Abmoderieren von Stars und den Wetten eierschälender Planierraupen ein paar neue Verkleidungen ausprobiert? Oder sich im Dienst der Quote als Horst Schlämmer nur noch selbst plagiiert?

5. Weiß das ZDF aus schierer Quotengier heraus auch nicht unbedingt, was gut für Kerkeling ist. Zurzeit präsentiert das Zweite ihn stolz in der History-Reihe "Terra X". Die erste Sendung hat zwar die erhoffte Millionenquote gebracht, aber die historischen Persiflagen, in denen Kerkeling gleich reihenweise auftrat, waren bestürzend pointenfrei.

6. Führt das leider zu der Erkenntnis, dass der Star am Ende für das ZDF nichts weiter wäre als ein Quotenbringer, wie ihn Kerkeling schon vor Jahren in seinem Kinofilm "Kein Pardon" karikiert hat. Er würde gehätschelt und gelobt werden, aber eine Idee, wie seine künstlerische Biografie weitergehen könnte, hätten sie auf dem Lerchenberg eher nicht. Der amtierende Unterhaltungschef dort ist auf dem Sprung in die Pension. Ein Nachfolger müsste erst beweisen, dass er einen Draht zu Kerkeling hat.

7. Würde jeder Versuch, aus "Wetten, dass …?" etwas wirklich Neues zu machen, ziemlich wahrscheinlich enden wie einst Harald Schmidts Reformversuche bei "Verstehen Sie Spaß?" - mit der Kapitulation des Reformers.

8. Hat die hiesige Fernsehkritik "Wetten, dass …?" gefressen. Nach jeder Ausgabe kübelt sie zuverlässig Hohn und Spott über das Format. Erst seit Gottschalk seinen Abschied ankündigte, hagelt es Elogen. Aber die Fallhöhe von Europas größter TV-Show ist einfach zu verlockend für die Verrisslust der Zunft. Warum sollte sich Kerkeling das antun?

9. Ist er ein letztlich sensibler Typ, der seine Ruhephasen pflegt. Die permanente Kritik, die Daueraufsicht durch "Bild" und "Bunte", der Zwang, ein halbes Dutzend Mal im Jahr das ganz große Ding abzuliefern - das alles brächte ihn nur dazu, der Öffentlichkeit, dem Fernsehen noch mehr zu misstrauen.

10. Hat er immer wieder gesagt, dass er mit 50 nicht mehr vor die Kamera wolle. Deshalb scheint nach TV-Höhepunkten von "Hurz!" bis Horst Schlämmer, nach dem Buch-Bestseller "Ich bin dann mal weg", nach Privatfernsehausflügen wie "Let's Dance" und zuletzt ein bisschen "Terra X"-Leerlauf tatsächlich die Zeit reif für etwas Neues.

Auch Kerkelings großes Vorbild Loriot war ein Meister des Neinsagens, der im Rentenalter dann großes Kino schuf. Dagegen wäre das Amt des Testamentvollstreckers von "Wetten, dass …?" ein Rückschritt.

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