"Hart aber fair" zur Klimakrise "Sorry, wir haben keine Zeit mehr"

Frank Plasberg diskutierte über die Klimakrise, es ging um "Panikmache und apokalyptische Rhetorik". Als dann noch die Seele von E-Autos dazukam, wurde es Klimaaktivistin Luisa Neubauer zu viel.
Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen

Moderator Plasberg (r.) mit seinen Gästen

Foto: WDR/ Oliver Ziebe

Die persönlichen Konsequenzen des Abends: Nachdem ZDF-Moderator Markus Lanz von seinen Erfahrungen als Naturfilmer ("Sehnsucht Grönland") berichtet hatte, fragte Frank Plasberg nach den persönlichen Konsequenzen der Diskutanten aus der Klimakrise. Während Aktivistin Luisa Neubauer, Mitinitiatorin der "Fridays for Future"-Streiks, erklärte, kein Fleisch zu essen, kein Auto zu haben und mittlerweile selten zu fliegen, setzte Ulf Poschardt andere Akzente: Der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe gab an, "in schöne Sachen zu investieren", die man "nie wegwerfen" würde. Außerdem sei er "Biomarkt-Addict" und zwar mit Genuss.

VW-Chef Herbert Diess sorgte zunächst mit der Angabe seines "CO2-Footprints" für Entsetzen: Liege der eines durchschnittlichen Mitteleuropäers bei 7,8 Tonnen jährlich, betrage seiner wegen vieler Flüge 1300 - und gab dann als sein Ziel an, ihn 2019 um 20 Prozent zu verringern.

Der große Hebel des Abends: Dass Diess als Konzernchef über einen "größeren Hebel" als andere Menschen verfüge, veranschaulichte Plasberg noch mit einer weiteren "Hammerzahl": 100 Millionen VWs, die auf der Welt herumführen, seien für ein Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich. Ja, erklärte Diess, er sei über die Zahl auch erschrocken, aber Volkswagen sei sich seiner Verantwortung bewusst und wolle "dieses eine Prozent bis 2050 zu null machen". Man habe dafür viel Geld ausgegeben, forciere nicht nur die Wende zur Elektromobilität, sondern baue zum Beispiel in Wolfsburg ein Kohlekraftwerk auf Gas um, das bringe Einsparungen in der Größenordnung von 870.000 Autos.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Dies sei "ein guter Anfang", sagte Umweltministerin Svenja Schulze, es müsse aber weitergehen: "Wir müssen mehr tun, als einen Autokonzern umbauen." Diess hatte dann auch gleich ein paar Wünsche an die SPD-Politikerin: Der Staat müsse beim Aufbau einer Infrastruktur mit Ladepunkten helfen. Außerdem bräuchten wir mehr CO2-freien Strom: "Mit unserem Strom-Mix mit viel Kohle im Strom macht E-Mobilität keinen Sinn."

Die Seelen-Diskussion des Abends: Mobilität sei mehr als CO2-Reduktion, wandte Ulf Poschardt ein, der zuvor schon "Panikmache und apokalyptische Rhetorik" moniert hatte. Die Frage müsse sein, "wie man "Elektromobilität auch emotionalisiert". Der Buchautor ("911") und Porsche-Fan beklagte: "Die E-Autos, die ich gefahren bin, haben keine Seele."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Da platzte Luisa Neubauer der Kragen: "Entschuldigung, Sie haben überhaupt kein Verständnis dafür, was eine Klimakrise ist!" Die Menschheit habe ein CO2-Budget, das klare Grenzen setze, "und wenn Sie jetzt erzählen wollen, das ginge nicht gut, weil man das Auto nicht emotionalisiert hätte oder weil die Seele fehlt, da muss ich sagen: Sorry, dafür haben wir wirklich keine Zeit mehr." Automanager Diess ließ es sich natürlich nicht nehmen, in diesem Punkt "Entwarnung zu geben": "Die E-Autos werden super emotional, die machen Spaß und haben Seele."

Der Atom-Exkurs des Abends: Über die Feststellung von Umweltministerin Schulze, Deutschland sei die erste Industrienation, die gleichzeitig aus Kernkraft und Kohle aussteige, entspann sich ein kleiner Atom-Exkurs: "Was ist denn mit Atomkraft, Sie haben doch einen Draht zu Greta", wandte sich Poschardt in Anspielung auf die vermeintlich unklare Haltung der 16-jährigen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zu Kernkraft an Luisa Neubauer. Die empfahl dem Chefredakteur den Bericht des Weltklimarats IPCC zur Lektüre, demzufolge Atom in einigen Fällen dazu beitragen könne, CO2 zu reduzieren. "Aber das ist in Deutschland ja keine Debatte mehr, denn der Atomausstieg ist beschlossen." Und Ministerin Schulze stellte klar: "Diese Technologie will keiner wiederhaben."

Die Kobalt-Problematik des Abends: Könnte Kobalt beim Umstieg auf E-Mobilität zum Problem werden? Zu dieser Frage leitete Frank Plasberg mit einem Einspieler über. Der Rohstoff, der unter anderem im Krisenland Kongo unter teils unmenschlichen Bedingungen abgebaut wird, ist für die Batterieherstellung nötig - aber nicht unendlich verfügbar. VW, so der Beitrag, habe 2017 vergeblich versucht, zwischen 80.000 und 130.000 Tonnen Kobalt zu kaufen, ein Volumen, das der Weltjahresproduktion entspricht. Nein, die Rohstoffversorgung sei unproblematisch, beschwichtigte Konzernchef Diess, künftige Batterie-Generationen würden ohne Kobalt auskommen.

Die Kuscheleien des Abends: Waren eigentlich keine, der Zärtlichkeitsaustausch diente nur als abschreckendes Bild. Erst forderte Luisa Neubauer, die Politik müsse "loslegen und aufhören, sich in Kabinettskonstellationen zusammenzukuscheln". Auf Plasbergs Nachfrage, sie wolle doch der GroKo nicht ernsthaft einen Kuschelkurs vorwerfen, entgegnete sie, doch, sie habe eine Schlagzeile sehr treffend gefunden, derzufolge die Koalition zuerst ihr eigenes Klima rette.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Und dann zeigte sich Markus Lanz irritiert, "wie die Politik sich an die protestierenden jungen Leute rankuschelt". Man könne doch "das Engagement der jungen Leute loben und trotzdem inhaltlich streiten", erwiderte Svenja Schulze. Schließlich habe die Politik auch dafür zu sorgen, dass alle Maßnahmen sozial gerecht seien und die Energiepreise nicht durch die Decke gingen. Ihr Vorschlag sei es, auch über einen Preis für CO2 zu reden.

Die Verbotsdiskussion des Abends: "Was ist denn das für ein Menschenbild", rief Ulf Poschardt angewidert aus, als Plasberg den Vorschlag eines "Zeit"-Journalisten einbrachte, wir bräuchten mehr Verbote, um die Welt zu retten. Das mache ihm "die Laune kaputt". "Die Politik muss klare Rahmen setzen und es einfacher machen, CO2 zu vermeiden", versuchte Svenja Schulze es positiv zu formulieren. Und wie wäre es, die "obszön billigen" (Plasberg) Inlandsflüge zu deckeln? Das fand Umweltaktivistin Luisa Neubauer "auf jeden Fall diskussionswürdig" - formulierte den Anspruch aber globaler: "Wir brauchen ne Menschheit, die weniger fliegt, und Milliarden Menschen, die weniger Fleisch essen."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.