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Plasberg-Flüchtlingstalk: Abend ohne Alarmismus

Foto: WDR/ Oliver Ziebe

Flüchtlingstalk bei "Hart aber fair" Das helle Deutschland lässt grüßen

Die ARD und Frank Plasberg bemühten sich, mit einem Abend zum Thema Flüchtlinge das Positive in den Blick zu rücken. Das war wohltuend - aber fast ein bisschen zu viel des Guten.

Doch, ja, es geht auch anders. Mögen die Fragen der Flüchtlingspolitik auch noch so sehr mit leicht entzündbarem Streitstoff aufgeladen sein, so ist es doch möglich, ohne den weithin üblichen Alarmismus das Positive in den Blick zu nehmen. Mit ihrem Themenabend ist das der ARD jedenfalls gelungen - Frank Plasbergs "Hart aber fair"-Ausgabe eingeschlossen, die deutlich das Bemühen erkennen ließ, das zwischen Hilfsbereitschaft und Hilflosigkeit schwankende Land der Deutschen in ein möglichst helles Licht zu rücken.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, als hätte es der verspätet ausgegebenen Kanzlerinnen-Devise "Wir schaffen das!" gar nicht mehr bedurft: So viele Beispiele bürgerlichen Engagements, so viele gute, mutmachende Worte, so wenig konfrontativer Disput - und das, obwohl in der Runde auch wieder mal Bayerns Innenminister Joachim Herrmann saß, der Roberto Blanco "einen wunderbaren Neger" nannte, zwischen richtigen und falschen Flüchtlingen unterschied und für sein Projekt auf Abschiebung spezialisierter Erstaufnahmelager werben durfte.

Ulrich Reitz, Chefredakteur des "Focus", der jüngst in einer Ausgabe genau die heikle Unterscheidung zwischen Kriegs- und Balkanflüchtlingen ins Visier genommen hatte, schien allerdings nicht so recht in der Stimmung, das Problem weiter zu vertiefen. Stattdessen pflichtete er erst mal dem SPIEGEL bei, der in der Lösung der Flüchtlingsfrage die Chancen zur Entwicklung einer weltoffeneren bundesdeutschen Gesellschaft sieht. "Ja, es stimmt, die Flüchtlinge sind eine riesengroße Chance."

Da sprach er Ranga Yogeshwar aus dem Herzen, dem engagierten Journalisten und Moderator, der bisweilen regelrecht ins Schwärmen geriet: "Die haben so viel Energie, da gibt es irrsinnig viele Talente." Als Zeugin dafür, wie schwer es einem dennoch gemacht werden kann, saß in der Runde Nurjana Arslanova, eine junge Frau aus dem kaukasischen Dagestan, die zehn Jahre in Flüchtlingsunterkünften zubrachte. Sie habe sich oft gefragt, weshalb sie mit ihrer Familie zu viert auf zwanzig Quadratmetern leben müsse ("ich habe doch nichts verbrochen") und wozu sie überhaupt lerne. Und dem abschiebefreudigen Minister aus Bayern gab sie bitter zu bedenken, niemand lasse seine Heimat und sein Hab und Gut hinter sich, nur um sich mal in Deutschland ein paar schöne Tage zu machen.

Es blieben letztlich die prononciertesten Äußerungen des Abends, an dem offenbar niemand so recht auf schärfere Debatten aus war und weithin die ruhige Erörterung des Notwendigen dominierte. Gewiss hatte es auch etwas Wohltuendes, die Erwähnung der braunen Hasswelle auf das Unumgängliche beschränkt zu sehen. Doch gelegentlich konnte man sich als Zuschauer dann doch bei dem Gedanken ertappen, ob es des Gutgemeinten nicht ein bisschen zu viel wurde.

Grünen-Chefin Simone Peter sah sich sogar veranlasst, dem Christsozialen insofern beizupflichten, als etwas zur "Entlastung des Asylsystems" getan und "Korridore für den Arbeitsmarkt" eröffnet werden müssten. Aber zugleich vermied sie es, den Begriff Einwanderungsland auch nur einmal in den Mund zu nehmen und beschränkte sich auf eher zurückhaltende Kritik an den notorischen Missbrauchsvorwürfen aus dem deutschen Südstaat sowie auf die Formel, es gebe zwar eine Herausforderung, aber keine Überforderung.

Wie es mit deren Bewältigung im Alltag aussieht, illustrierte höchst anschaulich ein Blick in das Arbeitsleben von Heike Jüngling, der vielgeplagten, aber dennoch unverdrossenen Sozialdezernentin der Stadt Königswinter, was Moderator Plasberg zu der Frage veranlasste, ob es mit der Organisationskunst im Staate Deutschland womöglich doch etwas weniger weit her sei als oft gedacht. Vielleicht wäre es interessant gewesen, hierzu einmal den Bundesinnenminister zu hören, der eingeladen, aber angeblich leider verhindert war.

Am Ende gab es dann die Bilder jenes Zauns, den die Ungarn bauen - ein Vierteljahrhundert, nachdem sie den Eisernen Vorhang zerschnitten. Und damit rückte der Teil Europas ins Blickfeld, in dem es eher dunkel aussieht.

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