Sexismus-Vorwürfe WDR stellt umstrittenen Plasberg-Talk wieder ins Netz

Die Kritik von Frauenverbänden an der Sendung war verheerend, die Kritik an der Reaktion des WDR aber auch: Der Sender hat eine zuvor gelöschte Ausgabe der Talkserie "Hart aber fair" wieder ins Netz gestellt - wegen der "heftigen Reaktionen".

Screenshot aus dem Plasberg-Talk: "Deutschland im Gleichheitswahn"
ARD

Screenshot aus dem Plasberg-Talk: "Deutschland im Gleichheitswahn"


Sendung live, Sendung offline, Sendung live: Der WDR hat erneut Konsequenzen aus der Debatte um eine Ausgabe der Talkserie "Hart aber fair" von Moderator Frank Plasberg gezogen. Nach heftiger Kritik stellte der Sender nun die Sendung "Nieder mit den Ampelmännchen" vom 2. März wieder in die Mediathek.

Zuvor hatte der WDR die Sendung nach Protesten von Frauenverbänden Ende August zurückgezogen - fast ein halbes Jahr nach der Erstausstrahlung. "Die heftigen Reaktionen zeigen im Rückblick, dass die Entscheidung nicht richtig war", sagte WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn laut einer Mitteilung des Senders. Auch dessen Fernseh-Chefredakteurin Sonia Mikich nannte die Löschung des 75-minütigen Beitrags demnach einen Fehler.

WDR weist Zensur-Vorwürfe zurück

Der Vorwurf der Zensur oder Selbstzensur sei jedoch "absolut unangemessen", sagte Schönenborn weiter. Aber schon wenn der Anschein entstehe, die Unabhängigkeit des WDR sei beeinträchtigt, "belastet das unsere Arbeit". Deshalb habe er entschieden, die Sendung wieder in die Mediathek und auf die Homepage der Sendung zu stellen.

Unter dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn?" hatten in der Sendung vom 2. März 2015 unter anderem Schauspielerin Sophia Thomalla und FDP-Politiker Wolfgang Kubicki über Gleichberechtigung diskutiert. Nicht immer ging es dabei sachlich zu. So sagte FDP-Vize Kubicki beispielsweise zu Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter: "Sie sehen ja schon gendermäßig aus."

Beim WDR-Rundfunkrat gingen daraufhin Programmbeschwerden von mehreren Frauenverbänden ein, die sich über die Sendung beklagten. Unter anderem wurde Plasberg darin vorgeworfen, Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik lächerlich gemacht zu haben. Er soll sich unter anderem darüber lustig gemacht haben, dass es in Deutschland 190 Professoren für Geschlechterforschung gibt, von denen 180 weiblich sind. Die Programmbeschwerde wurde vom WDR-Rundfunkrat jedoch abgewiesen, da die Sendung gegen kein Gesetz verstoßen habe.

mxw/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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bruno bär 31.08.2015
1.
Statt die Sendung mit Argumenten auseinander zunehmen, versuchen Feministen und Daueropfer(vielleicht sind das auch Synonyme) im Stillen Zensur durchzudrücken. Wahrscheinlich weil sie kaum Argumente haben und die die sie haben sind lächerlich. Man kann den Blogern nur dankbarsein, die durch ihre Berichte auch Leitmedien zwingen über solche Unverschämtheiten zu berichten.
StFreitag 31.08.2015
2. Der Herr
Schönenborn ist doch der arrogante Typ mit der "Demokratieabgabe". Seine Arroganz zeigte sich besonders deutlich, als er es wagte, Putin unvorbereitet interviewen zu wollen. Putin hat ihn dann schön vorgeführt. Und natürlich war das Selbstzensur, da kann er lamentieren wie er will.
aschie 31.08.2015
3. Gedankenpolizei
Zitat :"Er soll sich unter anderem darüber lustig gemacht haben, dass es in Deutschland 190 Professoren für Geschlechterforschung gibt, von denen 180 weiblich sind." Ja und das ist doch wohl von der Meinungsfreiheit gedeckt.Leben wir jetzt in einer Frauenrechtsgruppen Diktatur? Auch wenns einenem nicht passt aber Frank Plasberg hat jedes Recht das zu sagen.Als man kann man sich manchmal der Gedankenpolizei des Femminusmus schon sehr ausgeliefert vorkommen.
Rubyconacer 31.08.2015
4. Das Ampelmännchen ist aber
wirklich ein Rückschritt. Vorher gab es moderne, neutrale Ampelfiguren, dann der Rückschritt zum Männchen.
osnase92 31.08.2015
5.
Gender Studies sind in meinen Augen auch nur eine Pseudowissenschaft. Ich finde es schade, dass mit der Sexismuskeule gearbeitet wird, anstatt sich mit der Thematik auseinanderzusetzen.
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