"Hart aber fair" zu Corona-Folgen "Das Kino ist in existenzieller Gefahr"

Ungewohnte TV-Talk-Verhältnisse bei "Hart aber fair": Frauen vertreten Virologie und Politik – und vor allem Männer schildern ihre Lebenswirklichkeit. Angenehm leidenschaftlich: Ulrich Matthes' Plädoyer für die Kultur.
Von Klaus Raab
Moderator Frank Plasberg (Archivbild): "Was lässt Corona von unserem Leben übrig?"

Moderator Frank Plasberg (Archivbild): "Was lässt Corona von unserem Leben übrig?"

Foto: Horst Galuschka/ dpa

Man kann die politischen Talkshows von ARD und ZDF ganz gut auseinanderhalten. Sind neben einer Politikerin (Malu Dreyer) und einer Virologin (Melanie Brinkmann) noch ein Schauspieler, ein Koch und eine dreifache Mutter zu Gast, kann es eigentlich nur "Hart aber fair" sein. Nur Frank Plasbergs Team robbt sich tendenziell von unten an seine Themen heran. Deswegen waren dort etwa mehr Pflegerinnen eingeladen als in den anderen Corona-Diskussionssendungen.

Insgesamt saßen in den Corona-Talks der vergangenen Wochen zwar auch mehr als ein Dutzend Medizinerinnen; Professorinnen, Ober- und Chefärztin, Ärztekammerpräsidentin. Die Zahlenverhältnisse und die Verteilung von Gesprächsanteilen ließen trotzdem den Eindruck entstehen, speziell Virologie und Politik seien Männerdomänen.

In der Überzahl sind Frauen bislang nur, wenn es um die Illustration von Praxisproblemen geht: um die Sorgen von Supermarktpersonal, Pflegekräften, Eltern. Das kommt der Arbeitsverteilung in der Wirklichkeit zwar nahe, aber - so eine wiederkehrende und berechtigte Kritik – bestätigt sie auch. Frauen wären demnach für die Alltagsbewältigung zuständig, Männer für Erkenntnis und Entscheidung. Wenn es das Fernsehen doch zeigt?

Umgekehrte Verhältnisse diesmal bei "Hart aber fair". Die Braunschweiger Professorin Melanie Brinkmann vertrat die Virologie. Und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, SPD, als eine der wenigen Länderchefinnen die Politik.

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Die von der Krise tangierten Betroffenen, die erst einmal nach ihrem persönlichen Befinden befragt wurden: Das waren der Schauspieler Ulrich Matthes; der Koch Alexander Herrmann; und – okay, okay – die dreifache Mutter Katrin Bruns, die von Reibereien im Spannungsfeld von Homeschooling und Homeoffice berichtete. "Was lässt Corona von unserem Leben übrig?" war das Oberthema.

Und? Matthes fürchtete: von seinem Arbeitsfeld nicht genug. "Das Kino ist wirklich in absolut existenzieller Gefahr", sagte er. Er legte einen etwas genervten Ton auf, als er früh in der Sendung nach Fußball gefragt wurde, aber wusste die Vorlage zu verwandeln: Dass die Bundesliga vielleicht bald wieder spiele, finde er ein schwieriges Signal. Er wünsche sich von der Bundesregierung die gleiche Leidenschaft wie für andere Gesellschaftsbereiche auch für die Kultur, die bislang "eindeutig zu kurz gekommen" sei. Vor allem das Stadttheater sei "ein gefährdeter Ort" – wenn nach der Krise gespart werde, dann sowieso. Er hoffe auf "eine Bestandsgarantie vom Bund an die Kommunen".

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Der Koch ging die Virologen an sich an

Matthes’ Vortrag war wie aus dem Talkshowlehrbuch – gelernt ist gelernt. Er vertrat seine Sache angenehm leidenschaftlich, schaukämpfte ein wenig mit Plasberg und hatte am Ende ein Thema gesetzt. "Ich glaube auch, dass wir in der Öffentlichkeit ein bisschen zu wenig über Kultur gesprochen haben", sagte Malu Dreyer. Man brauche sie "auch in der Bewältigung der Krise" dringend.

Der Sternekoch Alexander Herrmann versuchte es mit Mitteln, die eher an einen alten Nachmittagstalk erinnerten. Anders als Matthes, der den Sinn der Kontaktbeschränkungsmaßnahmen nicht anzweifelte, drängte er auf ein Ende. Die Nachricht, dass nur zehn von 1700 Corona-Tests in den Fußballbundesligen positiv seien, deutete er gar in seinem Sinn als sehr gute: "Ich weiß nicht, wie weit runter wir noch wollen."

Da war freilich dann Virologin Brinkmann gefragt: "Die Zahl sagt eigentlich überhaupt nichts", sagte sie. Man wisse nicht einmal, wo es die Fälle gebe, ob in nur einem Verein oder über ganz Deutschland verteilt.

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Aber Herrmann ging jetzt richtig auf die Bierkiste: "Ihr sagt andauernd irgendwelche Zahlen, und wenn Sie euch passen, dann sind sie richtig." Als hätte eine Virologie-Professorin etwas davon, dass er sein Restaurant nicht öffnen kann. Ulrich Matthes befand alsbald, dieses "Virologenbashing" könne "einfach nicht wahr sein". Und Brinkmann blieb natürlich dabei: Wenn die Deutsche Fußball Liga der Wissenschaft helfen wolle, müsse sie mehr als nur die Zahl positiver Tests bekannt geben.

Eltern haben von der Zwei-Wochen-Taktik nichts

Und Katrin Bruns? Sie wünschte sich für Schulen und Kitas – und berufstätige Eltern wie sie – "Lösungen fern von der Zwei-Wochen-Taktik": eine klare Perspektive. Allein, "wann der Regelbetrieb kommt, das können wir heute ehrlich gesagt nicht beantworten", sagte Malu Dreyer. Sie wies darauf hin, dass es nicht nur Menschen gebe, die Lockerungen befürworten würden, sondern auch solche, die Angst davor hätten. Aber: Sie kündigte einen Zeitplan an.

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Wie also geht es weiter? Melanie Brinkmann radierte die existierenden Ungewissheiten nicht mit markigen Thesen aus. Aber verbreitete, statt eines Worst-Case-Szenarios, einen gewissen Optimismus: Es könne mit den Kontaktmaßnahmen "so nicht ewig weitergehen", sagte sie. "Es macht wirklich Sinn, regional zu entscheiden und sogar lokal." Testkapazitäten müssten ausgenutzt werden, die viel diskutierte App wäre hilfreich. Und die eingeführte Maskenpflicht sei auch wichtig, sagte sie. "Vielleicht reicht das auch schon." Das "Vielleicht" darf man natürlich nicht überhören.

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