"Hart aber fair" zu Corona und Urlaubsrückkehrern "Die Leute fahren in Risikogebiete - und wir alle zahlen ihre Tests"

Huch, schon vorbei? Die "Hart aber fair"-Runde wirkte etwas überrascht vom Ferienende - und wollte alles von einem Gast aus Hamburg erklärt haben. Bisschen fies war das schon.
Frank Plasberg mit Gästen: Genug Expertise angehäuft, um das Ganze vernetzt zu diskutieren

Frank Plasberg mit Gästen: Genug Expertise angehäuft, um das Ganze vernetzt zu diskutieren

Foto: © WDR/Oliver Ziebe

So, liebe Menschen aus Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen: Ihr habt jetzt die Chance, doch noch alles richtig zu machen. Jetzt sind noch mindestens knapp zwei Wochen Sommerferien übrig für Nach-Urlaubs-Quarantäne. Und damit auch Puffer in den Kommunen, um sich Strategien für Ferienrückkehrertests und Schulen zu überlegen.

Damit's nicht wieder heißt: Gemessen an der Vorbereitung, scheinen alle vom Schulferienende überrascht worden zu sein.

So wie die "Hart aber fair”-Redaktion in ihrer ersten Sendung nach der Sommerpause. Es hat jedenfalls offenbar nicht gereicht, um auch jene in die Runde einzuladen, die mit einschlägigem Fachwissen mehr hätten beisteuern können zur Frage "Wer hat Corona wieder reingelassen?" und dem Themenkomplex "Covid-19 plus Ferienende". Jene, die Schulalltag organisieren etwa. Oder das Testprozedere an Bahnhöfen, Flughäfen, überall. Aber bei Frank Plasberg: keine Lehrkräfte, niemand vom Gesundheitsamt, nirgends. Und nein, "Bekannte" und "Ehefrauen" zitieren, zählt nicht. Der Plan: Einer sollte wohl alles richten.

Aha, und wer war dieser Teufelskerl?

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD und der einzige Politiker im Studio. Bisschen fies war's schon: Er sollte für die Politik im Großen und Ganzen und das Prozedere in Flächenländern sprechen, über Schulstrategien, Urlaubsheimkehrertestszenarien. Und als habilitierter Laboratoriumsmediziner und Molekularbiologe deckte er praktischerweise auch noch den Rest der Pandemieexpertise ab.

Außerdem dabei: die "SZ"-Wissenschaftsredakteurin Christina Berndt, die luzid wie knapp einordnete ("Geht man mit Aktionismus ran, wird es immer Pannen geben."); Michael Hüther, Direktor am Institut der deutschen Wirtschaft, besetzt für die Rolle als kritischer Zwischenrufer; Kabarettist Florian Schroeder, das ist der mit dem Demo-Auftritt Anfang August , und Diplom-Pädagogin Nele Flüchter für die Familienperspektive - eingeführt als "Mutter von zwei Kindern", als sei dies die wichtigste Info über sie - von der westdeutschen Lobbygruppe "Familien in der Krise".

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Hatten die anderen alle keinen Bock, ihren Urlaub zu unterbrechen, oder wie?

Vielleicht hatten sie zu viel damit zu tun, das plötzliche Schulferienende abzufedern. "In den vergangenen fünf Monaten hätte man deutlich mehr tun können", sagte Michael Hüther, verweisend auf Digitalisierung, Gesundheitsamtsvorbereitung etc. Schnitt auf den Politiker im Raum: Tschentschers Mund ist ein sehr flacher Strich. Die guten Ideen reichten nicht, "man muss dafür sorgen, dass auch die Logistik drum herum aufgebaut ist", sagte Christina Berndt von der "SZ" mit Blick auf Bayern und drüber hinaus.

Florian Schroeder verschaffte hier immerhin dem schönen Wort "versaubeuteln" die große Bühne. Kam sonst aber über einen rituellen Verweis auf die vernachlässigte Kulturbranche ("Das ist ein politischer Skandal!", "Das Land der Dichter und Denker!") kaum hinaus.

In der Tat: Wir haben seit März nonstop über die Pandemie samt allen Testfacetten geredet. Gibt's was Neues?

Tschentscher betonte, wie wichtig es sei, den richtigen Testzeitpunkt zu wählen, damit sich niemand in falscher Sicherheit wähne. Weil Test negativ. Aber infiziert und noch nicht nachweisbar. Seine Daumenregel: Wer Dienstag aus dem Urlaub kommt, sollte sich montags testen lassen, dazwischen quarantänemäßig daheim bleiben. Und "SZ"-Kollegin Berndt geht davon aus, dass es einen Impfstoff geben wird, der die Chose zumindest "beherrschbar" macht - und wohl fünf Tage Quarantäne reichen könnten.

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Sonst noch Erkenntnisse über die Sommertalkpause?

Wir scheinen immerhin genug Expertise angehäuft zu haben, um das Ganze vernetzt zu diskutieren: Der Zusammenhang aus Corona-Schulbetrieb-Wirtschaft scheint nun endlich gesetzt. "Für mich ist das klar: Die Kinder müssen an erster Stelle stehen", so Christina Berndt. Bei einem neuen bundesweiten Lockdown, erklärte Wirtschaftsmann Hüther, "weiß ich nicht, wie wir das verkraften."

Und die Moral?

Die Frage nach der gemeinschaftlichen Verantwortung zog sich durch. "Man sagt, die Leute dürfen in Risikogebiete fahren - und die Schüler müssen es ausbaden", kommentierte etwa Nele Flüchter. Auch präsent in der Variante: "Die Leute fahren in Risikogebiete - und wir alle zahlen ihre Tests." Einzig Christina Berndt war dafür, dass die Solidargemeinschaft die Kosten trage - "wir haben ja auch alle was davon". Michael Hüther differenzierte vor allem in der Kategorie Handlungsmoral und Identitätsegoismus à la Francis Fukuyama: "Problematisch ist nicht die Reise ins Ausland, es ist das Verhalten." Ergo: Reiseverbote sinnlos, wie von CDUler Christoph Ploß gefordert. Grenzen dicht ebenso, so Tschentscher: "Wir haben ja auch mit uns selbst ein Problem."

Hätte es Zeit für andere Themen gegeben?

Eine gefühlte Schulstunde lang allemal. Ging aber dafür drauf, die Sinnhaftigkeit des Worts "Covidioten" für Verschwörungsideolog:innen zu debattieren und von Plasberg über Schroeder bis Tschentscher zu betonen, dass sie Fragen - ach nee! - weder absegnen noch absegnen lassen. Alternativvorschlag: die Absurdität, dass das Verkehrsmittel entscheidet, ob sich Rückreisende testen lassen müssen. In diesem Sinne empfehlen wir diese Urlaubsübersicht. Und für den Rest der Talkwoche gilt: Na, wer macht endlich mal eine Sendung über Belarus?

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