"Hart aber fair" zu Trump "Der Angstforscher hat Angst"

Das Thema Trump ist dauerpräsent, "Hart aber fair"-Moderator Plasberg lieferte dennoch ein hartes Stück Aufklärungsarbeit. Allerdings mit keinen schönen Aussichten. Die Sendung im Check.

Angstforscher Professor Borwin Bandelow
WDR/Dirk Borm

Angstforscher Professor Borwin Bandelow


Die Sendung: Mit jedem Trump-Tag zeigt sich: Die USA und die Welt stehen vor radikalen Umbrüchen und Risiken. "Trump und wir", titelte Frank Plasberg knapp und strukturierte diesmal seine "Hart aber fair"-Ausgabe durch Zuschauerfragen, die von fünf Experten beantwortet wurden. Das Ergebnis war eine Sendung von bemerkenswerter Deutlichkeit, die keinen Platz ließ für wohlfeile Beschwichtigungs- und Beschönigungsversuche.

Die Runde: Ina Ruck, Leiterin des ARD-Studios Washington; Jürgen Hardt (CDU), Regierungskoordinator für die transatlantische Zusammenarbeit, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion und gerade, genau wie Ruck, aus Washington zurückgekehrt; Professor Marcel Fratzscher, Top-Ökonom und DIW-Präsident, der einen für alle verlustreichen Handelskrieg nicht ausschließen mochte; Professor Borwin Bandelow, ebenso bekannter wie besorgter Angstforscher, der Trump einen gefährlichen Narzissmus attestierte; Politologe Professor Christian Hacke, illusionsbefreiter USA-Experte ("Amerika ist anders") und skeptisch, ob jemand aus dem System Trump stoppen kann.

Erkenntnisgewinn: Auch wenn es angesichts der medialen Dauerpräsenz des Problems Trump zunehmend schwer erscheinen mag, dem Thema noch völlig neue Aspekte abzugewinnen, gelang es Plasberg doch, ein wichtiges Stück Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit durchweg nicht eben beruhigendem Effekt, was nicht nur der Anwesenheit des Angstforschers zu verdanken war. Die Gäste redeten auf den Punkt, auch Politiker Hardt, der ebenso wie Journalistin Ruck berichtete, in den USA herrschten vielfach die gleichen Irritationen, Sorgen und Ängste wie hierzulande aufgrund der Trump'schen Unberechenbarkeit. Politologe Hacke, der mehrfach seine Fassungslosigkeit darüber zum Ausdruck brachte, dass solch ein "unzivilisierter Mann" überhaupt gewählt worden sei, urteilte kühl: Trump folge seiner Agenda und teste das System aus. Dass er Unsicherheit stifte, habe Methode. Trump wolle "die Nicht-Weißen aus dem Land drängen".

Szenarien: Mit seinem Protektionismus schaffe Trump nicht nur keine Jobs, sondern drohe die eigene Wirtschaft wie auch die von ihm nicht völlig zu Unrecht kritisierte europäische Wirtschaft zu spalten, warnte DIW-Präsident Fratzscher. Aufgrund der geplanten Strafzölle liefen viele Unternehmen Gefahr, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Und: Das Risiko einer neuen Finanzkrise "steigt enorm". Jenseits solcher nicht eben hoffnungsvollen ökonomischen Perspektiven wurden bei Ruck sehr bedenkliche politisch-gesellschaftliche Wahrnehmungen wach: Sie habe sich in letzter Zeit in den USA oft an ihre Korrespondententage in Russland erinnert gefühlt - "lauter Déjà-vus". Apropos Russland: Hacke fiel zu Trump-Flüsterer Stephen Bannon ("sehr beunruhigend") die Formulierung ein, dieser werde womöglich "eine Art rechtsradikaler Rasputin".

Angst: "Der Angstforscher hat Angst", bekannte Bandelow, womit ein Schlüsselbegriff des Abends im Spiel war, schon wegen des Atomkoffers und der "Lizenz zum Töten". Ruck sagte, das sei nicht nur Panikmache. In einigen Thinktanks werde ein Schlag gegen Nordkorea für möglich gehalten. Zwar mochte der Wissenschaftler nicht direkt eine Diagnose anhand der Psychopathie-Checkliste erstellen, doch was er bei Trump an "Zeichen einer narzisstischen Persönlichkeit" ausmachte, mutete auch so besorgniserregend genug an - vom übersteigerten Selbstwertgefühl, dem Mangel an Mitgefühl über die Beratungsresistenz bis hin zum manipulativen Charme. Es gab einige Relativierungsversuche Hackes, der Moral und politisches Handwerk dann doch auseinandergehalten sehen wollte und vor "europäischer Hypermoral" warnte, sowie den Verweis darauf, dass es auch positiven Narzissmus gebe, doch unterm Strich sprach Bandelows Befund für sich. In Wahrheit möchte der Präsident "Donald Trump great machen".

Auswege: Wer stoppt Trump? Ruck berichtete, eine Diskussion über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gebe es inzwischen auch in den USA, wobei das Ausmaß der verfahrenstechnischen Schwierigkeiten allerdings bekannt ist. Hacke mochte dann auch, bei aller Skepsis, doch eher auf die Errungenschaften der Gewaltenteilung vertrauen. Immerhin habe ja die Judikative Trump mit der Aufhebung des Einreisestopps schon "gezeigt, wo der Hammer hängt".

insgesamt 123 Beiträge
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Urban Spaceman 07.02.2017
1. Die Frage ist doch...´
... welchen Spielraum Trump überhaupt hat. Die Väter der amerikanischen Verfassung wollten keine Diktatur. Deshalb interessieren eigentlich die Macken Trumps, die nun Experten per Ferndiagnose konstatieren, wenig. Wahrscheinlich gab es in der langen Reihe der amerikanischen Präsidenten noch schlimmere Fälle, die diese stablie Demokratie aushalten musste. War Nixon etwa besser?
eks2040 07.02.2017
2. Hart aber Fair
Wenn das die einstimmige Meinung der Grespraechsrunde ist, dann wuensche ich D- Medien und der Politik viel Glueck. Gut ist, dass die US Waehler fuer ihr Land entscheiden, und das nicht aufgrund der Zustimmung der Presse, USA oder D. Und die Mehrheit hat fuer Trump gestimmt. Schade, dass die D-Presse, auch links orientiert, die talking points der Demokraten um Hillary, die den Wahl-Verlust noch nicht verkraftet haben.. (so wie auch die D- Presse), ohne Ueberpruefung einfach uebernimmt. Hoffentlich sind die Politikler um Kanzlerin Merkel noch unabhaengig und haben eine eigene Meinung. Wir werden alle die Ergebnisse der Gespraeche unserer Kanzlerein und Pres. Trump bald erfahren. Wenn es nicht gut geht, dann hat der Polen-Chef schon eine einfache Loesung unterbreitet... Atom-Super-Macht Europa. Besonders viel Glueck, es wird kein Spaziergang werden.
bmvjr 07.02.2017
3. Standhaftigkeit
Die Wahl des US-Praesidenten hat schon lange auch massiven Einfluss auf den Rest der Welt, politisch, wirtschaftlich, strategisch. Mit dem Advent eines DT muss nicht nur Europa standhaft bleiben (oder werden?) und auch in Erwartung wirtschaftlicher und politischer Nachteile zu seinen Werten und Haltungen stehen. Es ist durchaus nicht gegeben, dass ein Amerika unter DT den Rest der Welt umkrempeln und uebertoelpeln wird, aber um das zu verhindern, darf man sich nicht DT's "Politik" anpassen sondern muss ihr standhaft entgegenstehen. Hier wird sich zeigen, ob der restliche Westen zu kurzsichtigem Opportunismus greift oder heute den Schmerz aushaelt um morgen Schlimmes zu verhindern.
Hank Hill 07.02.2017
4. Bald
wird Alles mit der großen, dunklen Wolke Trump in Verbindung gebracht. German Angst auf allen Sendern, jede Woche, jeden Tag. Wir müssen nur noch das Thema Atomschlag stärker thematisieren. Da steckt noch viel Angstpotential drin. Vielleicht ist die Lust am Untergang wirklich ein deutsches Phänomen.
uweskw 07.02.2017
5. Was fehlt.....
Schade, hier (in DE) sind die Beiträge immer so einseitig. Man muss sich ja fragen, wer ihn denn gewählt hat. Schade auch, dass sich keiner traut einmal die Faszination von diesem Narzissten herüber zu bringen und ein paar redegewandte Befürworter einlädt. In Amerika hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Trump the swamp! Die Großfinanz freut es. Und auch hier sind die Alternativen nicht besser. Aber es hilft nicht wirklich wenn zu einseitig berichtet wird. Im Gegenteil, das führt nur zu Trotzreaktionen.
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