"Hart aber fair" zu Trump "Eine Mischung aus Blatter, Winterkorn, Beckenbauer"

Frank Plasberg wollte von seinen Gästen wissen: "Was bringt die Ära Trump?" Nach einem apokalyptisch klingenden Auftakt gab es in der Sendung doch noch Hoffnungsschimmer.


Die Sendung: "Der Sprung ins Dunkle: Was bringt die Ära Trump?", titelte Frank Plasberg und fragte, ob nun Amerika vom Trump Tower aus auf rechts gebürstet werde - und ein Ende des freien Handels und freien Rede drohe. Nach dieser apokalyptisch klingenden Ouvertüre wurde es dann aber eine recht kurzweilige "Hart aber fair"-Ausgabe, sogar mit gewissen Hoffnungsschimmern.

Die Gäste: CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder; der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir; die aus London berichtende Finanzjournalistin Carolin Roth; Bild.de-Chef Julian Reichelt; Don Jordan, altgedienter US-Journalist.

Der Verlauf: Die Rollenverteilung war rasch klar. Kauder würzte seine demonstrative Gelassenheit ("vorerst alles Spekulation") immer wieder mit einer Prise Herablassung. Es gebe erste Kontakte. Man müsse "mit den Leuten reden" und hoffen, "dass sie Vernunft annehmen". Jordan gab den harten Trump-Kritiker ("völlig unvorbereitet"), riet aber, erst einmal die Antrittsrede abzuwarten. Er vertraue nach wie vor auf das Checks-and-Balances-System und empfahl im Übrigen den Europäern, vor der eigenen Haustür zu kehren, etwa mit Blick auf Ungarn, Polen, Frankreich.

Während Roth den Fokus auf die enormen Interessenkonflikte des Geschäftsmanns Trump richtete ("Der Deutschen Bank hätte nichts Besseres passieren können") und Özdemir jede Gelegenheit nutzte, sich um den Klimaschutz zu sorgen, überraschte der "Bild"-Mann den Moderator gleich zu Beginn mit unerwartetem Alarmismus.

Aufreger: Springer-Journalist Reichelt sollte eigentlich in erster Linie erklären, weshalb er die bisherige Besetzung der Trump-Truppe trotz ultrarechter Schlagseite irgendwie ganz klug findet. Das tat er dann zwar noch, unter Widerspruch von Özdemir wie auch Kauder. Aber vorher musste er doch loswerden, dass er Trump jetzt "erstmals richtig beunruhigend" finde, und zwar wegen seiner jüngsten Twitter-Ausfälle gegen angeblich illegale Wählerstimmen zu seinen Ungunsten.

Kauder sprach von einer "unglaublichen Aktion", mit der der künftige Präsident sein Land spalte. Jordan meinte, dem Mann würden seine "nächtlichen Ergüsse" noch vergehen, wenn er erst von den eigenen Leuten diszipliniert werde. Und was Trump im Gespräch mit der "New York Times" von sich gegeben habe, sei ("Entschuldigung, Herr Kauder") nichts als Kauderwelsch gewesen.

Beschwichtigungen: Jordan erinnerte an den einstigen Hollywood-Mimen Reagan, für dessen Außenpolitik er als Demokrat ausnahmsweise sogar mal republikanisch gewählt habe und wollte festgehalten wissen: "Es gibt Grenzen", gezogen nicht nur vom System, sondern ebenso von Trumps eigener Partei. Özdemir rang sich irgendwann dazu durch, auf die "Selbstheilungskräfte" in der "Herzkammer der Demokratie" zu hoffen und, ebenso wie Kollege Kauder, europäisches Selbstbewusstsein zu beschwören. Der mahnte staatsmännisch, der Kontinent müsse seine Aufgaben "nicht als Reaktion auf Trump" angehen.

Vergleiche: Ohne Versuch, irgendetwas Neues zur nach wie vor rätselhaften Wesensart des künftigen Bewohners des Weißen Hauses zu sagen, kommt vermutlich keine einschlägige Talkshow aus. Als besonders kreativ erwies sich diesmal Don Jordan, indem er Trump als "eine Mischung aus Blatter, Winterkorn, Middelhoff, Beckenbauer, Ecclestone" charakterisierte, während Obama ein Gentleman sei.

Kauder ließ es sich nicht nehmen, einen noch etwas gewagteren Vergleich anzustellen. "Wir sind nicht ungeübt im Umgang mit Regimen, die unsere Auffassungen über Menschenrechte nicht teilen", sinnierte er angesichts gewisser Statements aus Trumps engstem Umfeld und verwies dabei auf China. Kommentar von Özdemir: "Interessant, dass Herr Kauder die USA auf eine Stufe mit China stellt." Was dieser aber natürlich so auch wieder nicht verstanden wissen wollte.

Rechnungen: Trump und das Geld - das ist bekanntlich ein sehr spezielles Thema. Reichelt erinnerte daran, dass niemand die Wahrheit über seine Vermögensverhältnisse kenne. Bekannt ist hingegen, dass er als Präsident jede Menge Geld für die Infrastruktur ausgeben will, was einen diesbezüglich sehr selbstbewussten Großkoalitionär Kauder nicht im mindesten zu beeindrucken vermochte. Jordan rechnete derweil vor, wie viel Steuern der Amerikaner pro Kopf für die nachrichtendienstlich gewährte Sicherheit der gesamten westlichen Welt aufbringe und fand, dass da eigentlich mal ein Dankeschön fällig sei.

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