"Hart aber fair" zu Urlaub in Corona-Zeiten Hawaii schwarz-weiß

Frank Plasberg hat die Deutschen bei ihrem Lieblingsthema abgeholt: Urlaub. Ergebnis: Ins Ausland kann man im Sommer wahrscheinlich reisen – aber für das Leben dort sollte man sich eher nicht interessieren.
Von Klaus Raab
Frank Plasberg (Archivbild): Publikum mit dem Shuttlebus im Alltag abgeholt

Frank Plasberg (Archivbild): Publikum mit dem Shuttlebus im Alltag abgeholt

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Stephan Pick/ WDR

Der Schauspieler Uwe Ochsenknecht, aus Mallorca zugeschaltet, trug ein leger aufgeknöpftes schwarzes Hemd mit weißen Blumen. Das war ein ausnehmend passendes Outfit für diesen Talkabend: Hawaii, aber in Trauer. Der Sommer steht vor der Tür, in anderen Jahren reift um diese Zeit herum die Vorfreude auf Schlemmerplauze und Sonnenbrand. Aber diesmal?

"Sommer, Sonne, Sicherheitsabstand: Was bleibt vom Urlaub 2020?" stand als Frage über der "hart aber fair"-Ausgabe, und das muss man der Redaktion lassen: Ihr Publikum wie mit dem Shuttlebus im Alltag abholen, das kann sie.

Es wurde dann auch eine okaye Sendung, zumindest für alle, die keine philosophischen Abhandlungen über die augenöffnende Kraft des Reisens erwartet hatten. Es ging um: die Klimaanlage im Flugzeug. In Plastik verpackte Fernbedienungen auf dem Hotelzimmer. Die Nöte kleiner Reisebüros. Und Zuschauerfragen zu Stornierungsansprüchen.

"Auf dem Wasser erwischen mich die Viren nicht"

Es ging also um Tourismus aus Touristen- und aus Touristikerperspektive, nicht um die Schönheit der Welterkundung. Das wurde auch schnellstens geklärt - und zwar von Alexander Kekulé, der als Virologe während der Pandemie selbst eine Vergnügungsreise ins Ausland plant, wie er schon kürzlich in der "Zeit" mitgeteilt hatte, was Animateur Frank Plasberg trotzdem noch mal ein gut gespieltes "Holla!" wert war. Nach Ägypten soll es gehen, zum Windsurfen. "Ich glaube, auf dem Wasser erwischen mich die Viren nicht", sagte Kekulé. Aus seiner Sicht komme es weniger darauf an, wohin man reise, als was man dort tue. Sauna, Disco, Büfettschlange, so etwas könne man vergessen. Reisen auch ins Ausland seien aber prinzipiell machbar, "sofern Sie da nicht besonders viel Kontakt zu den Einheimischen haben". Ob das funktionieren kann? "Darauf käm's an", sagte Kekulé.

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Anders gesagt, nach Ägypten kann man fliegen, aber fürs Leben dort sollte man sich lieber nicht interessieren. Möglicherweise war das die deprimierendste Bemerkung des Abends.

Wenn man sich unter den Umständen also doch einfach lieber gepflegt für zwei Wochen zwischen seine Balkongeranien setzte? Das wäre wohl ein zu verwegener Gedanke für eine Runde gewesen, die darüber hinaus mit dem Betreiber einer Bar auf Mallorca (Ochsenknecht), einem Hotelier (Rolf Seelige-Steinhoff), einer Reiseverkehrskauffrau (Meike Mouchtouris) und dem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung (Thomas Bareiß, CDU) besetzt war.

Ethik des freiwilligen Verzichts in Ansätzen

Neben einer Zuschauerin, die den Erholungswert eines Mund-Nasen-Schutz-Urlaubs in Zweifel zog, formulierte einzig Uwe Ochsenknecht in Ansätzen eine Art Ethik des freiwilligen Verzichts. Nicht nur der Natur wegen, die sich auf Mallorca gerade von den Menschenaufläufen erhole ("es ist wieder weißer Sandstrand da", außerdem zu bewundern: Delfine im Hafen). Sondern auch damit in der aufgeregten Diskussion über virusbedingte Einschränkungen "die Meckerei nicht überhand" nehme.

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Die anderen äußerten naturgemäß kein Interesse an weiteren Ausfällen für die Reisesaison. Hotelier Seelige-Steinhoff verstand es, positive Vibes zu senden und das Hygienekonzept seines Usedomer Hotels anzupreisen wie eine eigene Attraktion: Desinfektionsmittelspender, die Reorganisation des Frühstücks, Abstandsregeln, alles tippitoppi geplant.

Meike Mouchtouris war mit einem anderen Anliegen angereist: Sie forderte Unterstützung durch die Politik. "Wir stornieren, stornieren, stornieren", sagte sie, Reisebüros wie ihrem werde "der Boden unter den Füßen weggerissen". Allein komme man aus dem Loch nicht raus.

Da kam Thomas Bareiß ins Spiel, der Tourismusbeauftragte der Regierung, der allerdings wenig Konkretes anzubieten hatte, auch wenn er es als viel zu verkaufen versuchte. "Wir wollen helfen, wir müssen helfen", sagte er. Nur wie? Zwischenfinanzierungen, Gutscheinlösungen, weitere Soforthilfen – man müsse noch sehen, was am Ende herauskomme. Frank Plasberg warb bei Mouchtouris um Verständnis für die Not auch der Politik, fasste Bareiß' Aussagen aber doch treffend zusammen: "warme Worte".

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"Ein geänderter Urlaub"

Mehr gab es aus dem Politischen an diesem Abend nicht zu besprechen. Am Montagnachmittag hatte sich der Außenminister mit europäischen Kollegen zusammengetan, um sich über eine Koordinierung der Reisemöglichkeiten auszutauschen. Allein: "Die Videokonferenz blieb ohne konkrete Ergebnisse", sagte Plasberg.

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Und sonst? Alexander Kekulé blieb seiner Gewohnheit treu, in Talks die Regierung zu kritisieren. Diesmal beklagte er, dass man nicht darauf vorbereitet sei, viel mehr zu testen. Und er riet, im Flieger solle jeder Gast eine Maske tragen. Uwe Ochsenknecht inselte, dass man schon "Urlaubsfeeling" entwickeln werde, wenn man erst einmal am Meer sei - Sicherheitsabstandsregeln an Stränden hin oder her. Und Hotelier Seelige-Steinhoff erfand das Tourismusbranchen-Pendant zum Schlagwort der "neuen Normalität": Urlaub 2020 sei nicht unbedingt schlecht, es handle sich lediglich um "einen geänderten Urlaub".

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